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Struktur: Über einen autoritären Bund junger Männer mit Geltungsdrang

wir gehen davon aus, daß der Mensch sowieso gesagt bekommen muß, was er tun soll.“

 

– Ellen Kositz und Götz Kubitschek in „Tristesse Droite“ (2015)

 

Am 25.05.2014 wurde der Verein „Identitäre Bewegung Deutschland e.V.“ gegründet. Zuvor waren einzelne IB-Ortsgruppen bereits aktiv. Der Verein, der seinen Sitz inzwischen nach Rostock verlegt hat, wurde damals von Nils Altmieks und John David Haase beim Paderborner Amtsgericht registriert. Für Haase ist mittlerweile das ehemalige NPD-Mitglied Daniel Fiß aus Rostock in den Bundesvorstand gerückt.

Bühnenbild und einheitliche Uniformierung wecken selbst intern böse Erinnerungen

Die IB weist, wie andere rechtsextreme Strukturen auch, eine streng hierarchische Struktur auf. Der Bundesvorstand steht den 15 Regionalgruppenleitern vor, die für die einzelnen Bundesländer verantwortlich sind. Ortsgruppenleiter wiederum koordinieren und organisieren Aktionen in ihrer Stadt oder Region. In den einzelnen Ortsgruppen sind den Mitgliedern feste Funktionen und Aufgaben zugewiesen, worüber die unterschiedlichen Aktivitäten koordiniert und umgesetzt werden. Allerdings müssen die geplanten Aktionen vorher abgesprochen und zu den von „oben“ vorgegebenen Kampagnen passen. Interessante Einblicke in die Struktur und zur Durchführung von Aktionen der IB gibt das geleakte, interne Strategiepapier der IB Ortsgruppe Schwaben (Allgäu). Die bekannten Gesichter wie Martin Sellner, Daniel Fiß oder Mario Müller gelten nicht nur medial als Wortführer, sondern spielen auch intern eine große Rolle. Deutlich wurde diese strenge Hackordnung, die bis in die höchsten Kreise reicht, z.B. bei der gescheiterten Demonstration in Berlin, als zunächst Timm und Fiß die Verhandlungen mit der Polizei führten. Kurze Zeit später übernahmen die Kader aus Wien und Halle schnell das Ruder. Während Martin Sellner versuchte die Polizei damit zu erpressen, dass er die Demo auflösen würde und danach „für nichts mehr Verantwortung übernehmen könne“, versuchten die Hallenser IB-Kader bei den rechten Demoteilnehmern die Stimmung weiter aufzuheizen. Insgesamt pflegen die jungen Rechtsextremen ein elitäres Selbstbild und sehen sich als Avantgarde einer neuen rechtsradikalen Strömung.

Eine dunkelbraune Mischung auf der IB-Demonstration am 17. Juni 2017 in Berlin

Das Alter der Identitären reicht von etwa 15 bis 35 Jahren. Nach eigenen Aussagen möchte die IB junge Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren rekrutieren. Die Protagonisten der sogenannten Neuen Rechten, einer intellektuellen, rechtsradikalen Strömung, wie Götz Kubitschek, Karlheinz Weißmann oder Dieter Stein sind für gewöhnlich deutlich älter. Damit erfüllt die IB im Netzwerk der Neuen Rechten die Rolle einer Jugendorganisation, die neue, junge Kader rekrutiert und hervorbringt. Die Selbstbezeichnung „Bewegung“ ist bislang als nicht zutreffend zu bezeichnen, beschränken sich die Aktivitäten doch auf einzelne Regional- und Ortsgruppen mit einer überschaubaren Anzahl an Protagonisten.

„Ein-Prozent“ bestätigt finanzielle Unterstützung der radikalen IB-Gruppe Kontrakultur-Halle

Die angekündigte länderübergreifende Großdemonstration in Berlin am 17. Juni 2017 mit 800 Teilnehmern bestätigt das zur Zeit überschaubare Mobilisierungspotential. Ein weiterer interessanter, zu beobachtender Punkt an dieser ersten IB-Demonstration in Deutschland war das Publikum, welches sich von bekannten militanten Neonazis bis zum „besorgten Bürger“ erstreckte. Eine Beobachtung, die viel über das braune Netzwerk hinter der jungen rechtsradikalen Gruppierung sagt. Um die Entstehung, die Strategien und die personelle Zusammensetzung der IB zu verstehen, ist es wichtig, sich genau dieses Netzwerk einmal näher anzuschauen.

 

Es gibt nur wenige Frauen innerhalb der rechtsextremen Nachwuchsorganisation und noch weniger nehmen Führungspositionen (u.a. Melanie Schmitz aus Halle) ein. Trotzdem spielen diese im Rahmen der Außendarstellung eine sehr wichtige Rolle, da sie z.b. bewusst in die erste Reihe bei Demonstrationen oder Fotos gestellt werden oder als Stickermotiv herhalten, um damit das patriachale und frauenfeindliche Image der Gruppierung zu kaschieren und harmloser zu wirken.

Blaue Narzisse mit einem Gastbeitrag zur Abschaffung der Demokratie

 

Die jungen Rechtsradikalen finanzieren sich über verschiedene Wege. Über den im Mai 2014 gegründeten Verein unterhält die IB auch ein Spendenkonto. Jede medial verbreitete Aktion der IB ist mit den Kontodaten versehen, sodass davon auszugehen ist, dass Spenden einen wichtigen Finanzierungsweg darstellen. Zudem unterhalten die Identitären Internetshops wie „Phalanx Europe“ oder den „IB-Laden“, die über den Verkauf von Shirts oder rechter Propaganda Gelder akquirieren. Weiterhin zahlen die Mitglieder des rechtsextremen Vereins Mitgliedsbeiträge. Eine wichtige Rolle bei der Finanzierung spielt weiterhin die 2015 gegründete, ausländerfeindliche Initiative Ein-Prozent, die sich selbst harmlos als „NGO für Patrioten“ darstellt und verschiedene einflussreiche Wortführer der Neuen Rechten wie Götz Kubitschek, Philip Stein (Blaue Narzisse, Verlag Jungeuropa) und Jürgen Elsässer (Compact) verbindet (im Einzelnen). Gemeinsam werden Spenden und Gelder akquiriert, um Aktionen gegen Flüchtlingsheime oder die vermeintliche „Überfremdung“ durchzuführen. Durchgeführt und unterstützt werden die Aktionen vielfach von bekannten Mitgliedern der IB, die sich damit für die finanzielle Unterstützung tatkräftig revanchieren.

Kritik wird intern, wie extern nicht geduldet


Quellen und Verweise

http://www2.bdwi.de/uploads/doku_faschismustheorie_brunsgloeselstrobl_die_identitaeren.pdf

Interne Strategiepapiere der Identitären Bewegung geleaked

https://www.heise.de/tp/features/Von-der-elitaeren-Speerspitze-der-rechten-Bewegung-3640914.html?seite=all

https://www.lotta-magazin.de/ausgabe/64/aktionistische-avantgarde

https://hpd.de/artikel/identitaere-bewegung-14359

Woher kommt das Geld der Identitären?