Use your widget sidebars in the admin Design tab to change this little blurb here. Add the text widget to the Blurb Sidebar!

Das braune Personal der Identitären – von Nazischlägern, ehemaligen NPD-Kadern und einer NSU-Verbindung

Im Folgenden werden einzelne Akteur*innen der Identitären vorgestellt. Die Auflistung stellt dabei eine Auswahl an Beteiligten dar, die durch ihre einschlägig rechtsradikale Vergangenheit und ihre Verbindungen zur Neonaziszene auffallen. Zwar kann nicht davon ausgegangen werden, dass jedes Mitglied der IB über solch eine Vergangenheit verfügt; die auffällige Nähe zur extremen Rechten der Führungsriege der IB Deutschland macht jedoch deutlich, welchem Lager die Identitären zuzuordnen sind.

Martin Sellner 2008 zusammen mit der österreichischen Nazigröße Gottfried Küssel bei einem Gedenken                                           kuesselskameraden.blogsport.eu/

Der aus Wien stammende Martin Sellner, das wohl bekannteste Gesicht der europäischen Identitären Bewegung, ist dank seines Youtube-Kanals als Aushängeschild der Neuen Rechtsradikalen bekannt. Zudem hat er das Amt des Co-Leiters der rechsextremen Identitären Bewegung Österreich inne. Der sympathisch und eloquent wirkende 29-jährige Rechte verpackt seine mit Rassismus, Islamfeindlichkeit und Hass gegen die multikulturelle Gesellschaft aufgeladenen Nachrichten in professionell erstellte Videos („Vlogs“). Diese selbstgedrehten Videos richten sich an ein junges Publikum und vermitteln harmlos daherkommende rassistische, islamfeindliche und neuerdings auch antisemitische Ressentiments. Zuletzt verunglimpfte er in seinem Video „Schuldsekte“ die Holocaustgedenkenden als eben solche, das Gedenken an die organisierte, millionenfache Ermordung jüdischer Menschen bezeichnete er als „kranke politische Instrumentalisierung“ des „Holocaustmythos“. Er ist jedoch nicht nur Gesicht, sondern auch ideologischer Vordenker der Bewegung. 2016 verbrachte er einige Wochen auf dem Rittergut des neurechten Ideologen und Verlegers Götz Kubitschek in Schnellroda, um sich intensiver mit den neuen rechtsradikalen Theorien zu beschäftigen. In einigen Videos wiederum betont er seine Distanz zum Nationalsozialismus und Antisemitismus.

Sellner spricht in seinem regelmäßigen Vlog gerne von Holocaustmythos, Schuldkult oder der Holocaust-Keule

Die diskursive Strategie der Neuen Rechten von Distanzierung, Relativierung, Umdeutung und Chiffrierung von Begriffen nutzt Sellner durchgehend. Die dahinter steckenden rassistischen (Flüchtlinge als Sexualstraftäter, Terroristen und Kriminelle), rechtsextremen (Kampf um ein völkisches Europa) und antisemitischen (Holocaustgedenken als „Schuldkult“ und „Holocaustmythos“) Nachrichten deuten auf Sellners lange Karriere im Rechtsextremismus hin. Fotos belegen, dass er noch 2008 mit Österreichs Neonazi-Größen Demos von Linken behinderte und zu Gedenkveranstaltungen von Wehrmachtssoldaten pilgerte. „Dass junge Menschen zu den Nazis gehen, ist ein Versagen der Gesellschaft“, sagte er der Huffingtonpost Mitte 2016 und wies damit die Schuld von sich. Sellner war vor seinen öffentlichen Aktivitäten, wie viele andere Identitäre auch, Mitglied in einer rechtsextremen Burschenschaft (Wiener Burschenschaft Olympia). Mittlerweile ist er zur Universitätssängerschaft Barden zu Wien gewechselt. Sellner pflegt weiterhin Kontakte zu den umstrittenen, rechtsaußen AfD-Politikern Björn Höcke und André Poggenburg und trat mehrfach als Redner bei Pegida in Dresden auf. Im Juni 2017 wurde Sellner im Zusammenhang einer Gewalttat eines Identitären aus Halle vor dem Amtsgericht Halle geladen und angehört. Dabei verstrickte er sich in zahlreiche Widersprüche. Anfang 2017 erhielt Sellner ein vorläufiges Waffenverbot, weil er zuvor Schüsse aus einer Pfefferspraypistole in der Wiener U-Bahn auf zwei Unbekannte abgegeben hatte. Die Polizei nahm Ermittlungen wegen des Verdachts der Körperverletzung auf.

Nils Altmieks von der HDJ zur IB (Screenshot Endstation Rechts)

Nils Altmieks, der am 25. Mai 2014 den Verein „Identitäre Bewegung Deutschland“ als Gründungsmitglied ins Vereinsregister beim Amtsgericht Paderborn eintragen ließ, ist nach seinem Umzug in ein Dorf nahe Erlangen der prominenteste Aktivist der Identitären in Bayern. Zu seinem Ärger tauchten bald Fotos aus dem Jahr 2006 von ihm auf, die ihn in traditioneller Kleidung mit der Fahne der nationalsozialistischen Nachfolgeorganisation der Heimattreuen Deutschen Jugend zeigen. Das Bundesverwaltungsgericht bescheinigte dem Verein eine Wesensverwandtschaft mit der Hitlerjugend. Der Verein war in der rechtsextremen Szene verwurzelt und organisierte vor allem Zeltlager für Kinder und Jugendliche, die dort militärisch gedrillt und ideologisch geschult wurden. Am 31. März 2009 wurde die HDJ verboten. Konfrontiert mit den Fotos versuchte sich Altmieks in Schadenbegrenzung. Er sei „kein aktives Mitglied gewesen“ und fühlte sich „für die Betätigung dort in Fahrt- und Lagerleben nicht richtig aufgehoben.“ Diieselben Distanzierungsversuche unternimmt er bezüglich seiner Besuche bei NPD-Veranstaltungen. Nach dem Verbot der Organisation 2009 fand er ab ca. 2012 mit der IB ein neues, nicht derartig vorbelastetes Betätigungsfeld.

Krüger als Ordner auf der NPD-Demo am 1. Mai 2012 in Neumünster

Eine direkte NPD-Vergangenheit kann Jan Krüger aufweisen der von 2009 bis Herbst 2012 in der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ aktiv war und an zahlreichen rechten Aufmärschen teilnahm. Krüger ist innerhalb der IB mittlerweile zur Führungsperson in Niedersachsen aufgestiegen und ist für Aktivitäten in Lüneburg, Hamburg aber auch bundesweit mitverantwortlich. Auf der Homepage der Identitären präsentiert er sich sich als sympathisch lächelnder Handwerks-Azubi. Heute pflege er keinerlei Kontakte mehr zur NPD, beteuert Krüger.

Einblick in das Haus der Extremen Rechten. Müller und Schmitz posieren vor einem Kühlschrank mit aufschulussreichen Aufklebern europäischer neofaschistischer Gruppierungen (u.a. Casa Pound, Zentropa)

Im April 2016 kaufte der ehemalige hessische AfD-Bundestagskandidat Andreas Lichert in Halle in der Adam-Kuckhoff-Straße 16 ein Haus. Als baldige Mieter zogen bald verschiedene Kader und Initiativen aus der rechten und rechtsextremen Szene ein: das AfD-Landtagsmitglied von Sachsen-Anhalt und als Verfechter radikal rechter Ansichten in seiner Partei bekannte Hans-Thomas Tillschneider bezog dort ein Büro, die rechtsextreme Initiative „Ein Prozent“ eröffnete ihren Sitz, das rechte Grafik-Unternehmen „Mosaik-Kommunikation“ und eine handvoll Identitärer Hardcore-Aktivisten zogen ein, darunter Mario Müller, Dorian Schubert, Simon Kaupert und Wiebke Nahrath, die alle eine Vergangenheit in der Rechtsextremen Szene aufweisen. Alle waren zudem Mitglieder der rechtsextremen Kontrakultur-Halle, die sich als aktionsorientierte Untersektion der Identitären Bewegung Deutschland versteht. Mieter des Hauses ist die fremdenfeindliche Initiative Ein-Prozent. Gegen die Identitären Bewohner des Hauses laufen zahlreiche Verfahren u.a. wegen Sachbeschädigung, gefährlicher Körperverletzung, diverse Verstöße gegen das Sprengstoff- und Waffengesetz, Nötigung, Diebstahl, Beleidigung und Sachbeschädigung (Stand Februar 2018). Anwohner berichten von Einschüchterungsversuchen und Übergriffen. Das Haus in Halle zeigt, dass Immobilien für die Neuen Rechten ein Ausgangs- und Organisationsort für Aktionen und Übergriffe darstellen, die zu einer Radikalisierung der überwiegend jungen Identitären führen.

Den Identitären Mario Müller, Martin Sellner und Franz Reißner (radical_estethique) gefallen Hakenkreuze.

Der aus Delmenhorst stammende Mario Alexander Müller, einer der bekanntesten deutschen Identitären und Pressesprecher des Hauses in Halle, ist ein ideologisch gefestigter Neonazi, der seine Karriere im Umfeld militanter Strukturen der Autonomen Nationalisten im Bremer Raum begann. Später wurde er Mitglied der Jungen Nationaldemokraten, der Jugendorganisation der NPD. Als der heute 27-jährige Mario Müller mit seiner nazistischen Einstellung bei seiner Familie aneckte und zu einer Entscheidung gedrängt wurde, entschied er sich für die Losung „Nationaler Sozialismus oder Tod!“. Durch seine lange neonazistische Vergangenheit blickt Mario Müller auf eine kriminelle Vergangenheit zurück: Verfahren wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz, unerlaubten Schießens mit einer Schrotflinte, Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte, versuchter Gefangenenbefreiung, versuchter Nötigung bzw. Zeugenbeeinflussung, sowie gemeinschaftlichen Landfriedensbruchs. 2013 wurde der Waffennarr wegen einer schweren Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Am 4. März 2010 hatte er mit anderen Nazischlägern eine Gruppe von vier Jugendlichen angegriffen hat. Dabei schlug er mit einem Totschläger, bestehend aus einer Socke und einem 200 Gramm schweren Metallstück, auf die Stirn eines Jugendlichen. Seine Examensarbeit schrieb er nach eigenen Angaben über kulturrevolutionäre Strategien der Neuen Rechten. Mario Müller begann seine politische und kriminelle Karriere im Umfeld militanter Neonazis bei den Autonomen Nationalisten. Diese Anfangszeit bezeichnet er heute lapidar als „Jugendsünde“. Er steht damit jedoch beispielhaft für die Kontinuität und Integration neonazistischer Ideologie in der Identitären Bewegung. Zuletzt gestand er in einem Zeitungsinterview: „Es gibt natürlich einige von uns, die eine rechte Vergangenheit haben im nationalistischen Lager.“ Ein Tattoo auf Müllers rechtem Oberschenkel zitiert eine Zeile aus einem Lied des NS-Dichters Hans Baumann. In seinem im Antaios Verlag erschienen Buch „Kontrakultur“ bezeichnet er Männer die Haarspray benutzen als „Schwuchteln“ und ein Lied aus dem Liederbuch der Hitlerjugend „fetzt“ nach so Müller.

Müller mit anderen Autonomen Nationalisten 2009

Im Januar 2015 postete Müller ein Bild auf seinem Instagram-Profil, auf dem mehrere mit Hakenkreuzen verzierte Eiserne Kreuze zu erkennen sind. Martin Sellner markierte dieses Foto mit „Gefällt mir“. Das alte „Deutschland den Deutschen – Ausländer raus“ hat er mittlerweile zu Gunsten eines “ethnokulturellen Erhaltes Europas” und „gegen einen Austausch der eigenen Bevölkerung durch Einwanderer“ getauscht. Für Aufsehen und interne Kritik sorgte ein Foto von Mario Müller, das ihn mit vermummten ukrainischen Söldnern des faschistischen AZOV-Bataillons zu Ostern in Kiew zeigt. Sowohl 2014, als auch 2015 beteiligte sich Müller an den neonazistischen Fackelmärschen in Kiew. Dies zeigt nicht nur die europaweite Vernetzung des Rechtsradikalen, sondern auch sein Verhältnis zur Gewalt und zum Faschismus.

Schubert (Mitte) beim neonazistischen Antikriegstag in Dortmund 2011

 

Ein weiterer Bewohner des „unheimlichen Hauses von Halle“ ist der aus Baden-Württemberg stammende, 26-jährige Dorian Schubert. Er ist Gründungsmitglied des Stützpunktes Lörrach der neonazistischen Jugendorganisation der NPD, Junge Nationaldemokraten. Als Mitglied der „Freien Kräfte Lörrach“ fiel er in der Vergangenheit durch Teilnahmen an Nazi-Demos sowie Übergriffen auf vermeintliche Linke auf. Deshalb kam es 2014 zum Prozess gegen ihn. Die „Freien Kräfte Lörrach“ planten 2009 einen Bombenanschlag auf ein alternatives Zentrum in Freiburg. Heute hat Schubert die Rollen getauscht und präsentiert sich in Interviews gerne als Opfer linker Übergriffe. Mittlerweile ist er nicht nur Mitglied der Identitären Bewegung sondern auch Mitglied der rechten Burschenschaft „Halle-Leobener Burschenschaft Germania. Seine Vernichtungsphantasien wurden zuletzt auf seinem Facebookprofil deutlich, auf dem er am 16. April 2017 den Post „physically remove communists“ veröffentlichte.

Schuberts Vernichtungsphantasien erfreuen sich großer Beliebtheit

 

Kaupert, der rechte Wandervogel: NPD, WÜGIDA, IB und nun Ein-Prozent

Weiterhin wohnt das Pärchen Simon Kaupert und Wiebke Nahrath in dem Haus. Der aus Thüringen stammende Simon Kaupert (geb. 31.07.1987) war Gründer des Würzburger Pegida-Ablegers „Wügida“. Noch vor gut 2 Jahren, am 23.05.2015, nahm Kaupert am Pfingstlager der NPD Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten in Lützellinden (Hessen) teil. Organisiert wurde das Lager von Thassilo Hantusch, Sohn des NPD-Kanditaten zur Landtagswahl 2016 in Sachsen-Anhalt Thomas Hantusch. Auf Kaupert war zudem die rechte Werbeagentur „Mosaik Kommunikation“ registriert. Vor kurzem übernahm sie Andreas Lichert, da Kauperts Namen doch zu sehr mit dem rechtsradikalen Milieu verbunden war. Kaupert trat bei diversen Demonstrationen als Redner für die rechtsradikale Initiative Ein-Prozent auf. Er ist Mitglied in der rechten Burschenschaft „Prager Teutonia“ und war am Versuch beteiligt, die Rettung in Seenot geratener Flüchtlinge im Mittelmeer („Defend Europe“) zu behindern.

Mario Müller mit Nazi Anwalt Wolfram Nahrath (Mitte) und NPD-Kader Andreas Hackmann (links) 2013

Kauperts Frau Wiebke Nahrath komm aus einer einschlägig bekannten Familie. Ihr Vater Dirk Nahrath war langjähriger „Gauleiter“ Unterfrankens, der inzwischen als verfassungsfeindlich eingestuften und verbotenen „Wiking-Jugend“ (WJ). Ziel dieser Jugendorganisation war es, Kinder und Jugendliche nationalsozialistisch zu erziehen. Die „Wiking-Jugend“ fungierte Anfang der 90er als Kaderschule des europäischen Rechtsterrors. Ihr Onkel Wolfram Nahrath war ehemaliger Bundesführer der WJ. Nach dem Verbot war er Mitglied und häufiger Referent bei Veranstaltungen der später ebenfalls verbotenen „Heimattreuen Deutschen Jugend“. Wolfram Nahrath ist Rechtsanwalt und war in zahlreichen spektakulären Prozessen tätig, u.a. war er Anwalt von Ralf Wohlleben, einem Helfer der NSU-Terrorzelle. Interessanterweise vertrat er auch den Nazischläger und Identitären Mario Müller. Schlagzeilen machte er als Rechtsanwalt zudem, als der Holocaust-Leugner Richard Williamson (von der Pius-Bruderschaft) Nahrath als Anwalt wollte, dies von der Pius-Bruderschaft letztlich verhindert wurde. Groß- und Urgroßvater von Wiebke Nahrath, Wolfgang und Raoul Nahrath, bauten in den 50er und 60er Jahren die „Wiking-Jugend“ in der BRD auf.

Thaler 2012 noch als Autonomer Nationalist bei einer Demonstration des Freien Netz Süd Quelle: lsa-rechtsaussen.net

Philip Thaler, ein weiteres bekanntes Gesicht der Identitären Bewegung in Deutschland, unterhält zusammen mit Alexander Kleine („Malenki“) einen Youtube-Kanal „Laut gedacht“ und wohnt ebenfalls in Halle. Wie verschiedene Fotos belegen nahm er von 2011 bis 2014 an regionalen und überregionalen Naziaufmärschen und Kundgebungen des neonazistischen Freien Netzes Süd teil, bis dieses von staatlicher Seite verboten wurde. Zu diesem Zeitpunkt war er zudem Teil der National-Socialist-Blackmetal-Szene. Auch er ist Mitglied der rechten Burschenschaft „Halle-Leobener Burschenschaft Germania“. Im Mai 2016 war er an dem von der rechtsextremen Initiative „Ein-Prozent“ organisierten Zaunbau in Schöngleina beteiligt. Dabei wurde vor einer Unterkunft für minderjährige Geflüchtete ein Maschendrahtzaun zum „Schutz“ der Dorfbewohner errichtet. Einen weiteren Beweis für sein menschenverachtendes Weltbild erbrachte er, als er in einem seiner Videos ein T-Shirt der italienischen Band Bronson, Band der Organisation Casa Pound, trug. Dieses offen neofaschistische Organisation aus Italien besuchte er im Rahmen einer Konferenz in Rom. Seine Kontakte ins Ausland reichen zudem nach Tschechien, wo er einen Vortrag vor Identitären hielt.

Florian Müller 2010 bei einem NPD-Aufmarsch

Florian Müller, der zwar nicht im Haus wohnt, aber zur Kontrakultur Halle bzw. der Identitären Bewegung gehört, ist seit 2009 in rechten Kreisen aktiv und ist seit 2010 Mitglied der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten. Er war in der Vergangenheit Bindeglied zwischen freien Neonazi-Kräften aus dem Saalekreis und der JN Halle. Die rechte Montagsdemo in Halle besuchte er ebenfalls.

Fiß (links) rührte 2011 noch für NPD-Kandidat Pastörs die Werbetrommel

 

 

Der Rostocker Daniel Fiß (18.10.1992) gehört als stellvertretender Bundesvorsitzenden neben Altmieks, Mario Müller und Robert Timm zu den Führungsfiguren der Identitären Bewegung Deutschland. Er führt den „IB-Laden“, über den rechte Propaganda vertrieben wird und leitet die Regionalgruppe Mecklenburg-Vorpommern, die rund 50 Mitglieder zählt und koordiniert bundesweit Aktionen. Ursprünglich war er bei der NPD als „JN-Schulungsbeauftragter“ für die Ausbildung des Neonazi-Nachwuchses zuständig. Schon damals fiel Fiß als Wortführer auf. “Wir sind die letzte Generation”, rief er 2013 während eines Auftritts für die NPD-Jugend in Rostock. Er gehe auf die Straße, “um dieses System zu überwinden” betonte er. Seinen Wechsel zur Identitären Bewegung begründete er in einem HAZ-Artikel lediglich damit, dass ihm die NPD „zu dilettantisch“ gewesen sei. Auf der Seite der Jungen Nationaldemokraten befindet sich nach wie vor noch ein sehr aufschlussreicher Artikel von Daniel Fiß vom Dezember 2013. Während seiner Zeit bei der rechtsextremen NPD trat er in rechtsextremen Werbevideos auf und lief auf einer Demonstration hinter dem Banner der „Nationalen Sozialisten Rostock“ her, zu denen er nach seiner NPD-Zeit wechselte. Als er sich mit diesen wenig später überwarf, wechselte er schließlich zu der Identitären Bewegung.

Tony Gerber als Ordner am NPD Stand 2009

Tony Gerber war ein weiteres Aushängeschild der Bewegung, mit einer illustren rechtsradikalen Vergangenheit. Nach internen Querelen verließ er die Identitären im Februar 2018 und teilte zum Abschied nochmal ordentlich aus. Seine wohl erste Station war der „Schutzbund Deutschland“, der Mitte der 2000er Jahre durch die Verbreitung rassistischer Propaganda (Flugblätter, Sprühereien) auffiel und bei dem Schulungen in „Rassenkunde“ zum Programm gehörten. Nach dem Verbot Mitte 2006 folgten fortgesetzte Aktivitäten unter dem Label „Bewegung Neues Deutschland“. Spätestens ab 2008 fiel Gerber dann als Anhänger der „Nationalen Sozialisten Zwickau“ und kurz darauf als Vertreter des militanten Kameradschafts-Netzwerkes „Freies Netz“ auf. Er war beteiligt an der mit neonazistischen Inhalten befüllten Website „mittelsachsen.org“, die 2009 auf Betreiben der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) gesperrt wurde. Im gleichen Jahr kandidierte er für die NPD zur Stadtratswahl in Zwickau. Das ZDF-Magazin Frontal21 fand im November 2014 heraus, dass der Kampfsportler nicht nur Kameraden in Zwickau trainiert und im Namen der „Identitären Bewegung Zwickau“ Kampftraining für seine Kameraden abhält, sondern – das belegen Polizeiakten – aus dem Umfeld eines bundesweit bekannten Rechtsextremisten André Eminger kommt. Dieser steht als mutmaßlicher Helfer des Nationalsozialistischen Untergrundes in München vor Gericht. Bei André Eminger wurde eine Festplatte sichergestellt, die neben persönlichen Dokumenten auch Propagandamaterial enthält, das eindeutig dem NSU zuzurechnen ist. Weiterhin findet sich auf dem gleichen Datenträger ein Ordner namens „tony“, die eine spezielle Datei beinhaltet: eine obskure Rede zum Julfest 2005, die Gerber für ein hartgesottenes Neonazi-Publikum erdacht hatte. Das Skript identifizierte Gerber im NSU-Prozess prompt als das Seine. Es heißt dort auszugsweise:
„Kameraden! Wir sind hier heute zusammen gekommen, um ein 10.000 Jahre altes Fest zu feiern […] Im dritten Reich gab es den letzten großen Aufschwung des germanischen Heidentums. In diesen Bezug möchte ich besonders Heinrich Himmler danken und loben, der sich auf dem Gebiet der Ahnenforschung und des Wotanismus im gehobenen Maße betätigte […] Ich möchte heute auch nicht, trotz der Feierlichkeiten, meinen Hass gegen dieses Untermenschenregime verbergen! […] Nicht zu vergessen, diese elenden jüdischen Kuttengrunzer der Kirche, die das Deutsch-Germanische Volk nun mehr als 2000 Jahre knechten! Doch die arische Rasse ist nicht zum knechten geboren! Ich selbst, gehe mittlerweile seit drei Jahren organisiert gegen Regime und Untermenschen vor! Wir als Lichtmenschen, haben die Bestimmung und das gegebene Schicksal, nicht nur Deutschland, sondern die ganze Welt zu richten! Mit Allvater Wotan und Donars Blitzen, werden wir wie ein Sturm über diese von Untermenschen bevölkerte Welt fegen! Wir brauchen keine Demokratie und keinen hebräischen Judenbengel als guten Hirten […] Vermöge der Jud den Wind den er säte, nun als Sturm ernten! Der Stahl harrt auch in meiner Hand! Heil euch Kameraden, zum Wohle und ein flüssiges Julfest!“
Strafrechtlich wurde er wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verurteilt. Wie auch andere Identitäre, pflegt Tony Gerber seinen Youtube-Kanal “IDENTIT:ÄRA”. In seinen bisherigen Sendungen erklärte Gerber, was ihn an der IB begeistert. Es ist die „klare Freund-Feind-Bestimmung“. Der gelernte Koch, der sich heute als „Sicherheitsberater“ bezeichnet, erklärt weitergehend, dass man als Identitärer seine „Wehrhaftigkeit” stärken müsse, da man sich dem Feind der „nicht selten Ausländer“ hieße, stellen müsse. Seine rechtsextremistische Vergangenheit hat ihn ideologisch also gut auf seine Aktivitäten bei der IB vorbereitet, bei der er als erfahrener, gefestigter Rechtsradikaler nun zum Regionalleiter der Identitären Bewegung in Sachsen aufgestiegen ist.

Robert Malcoci beim neonazistischen Aufmarsch am 24.11.2012 in Remagen

Neben Halle ist das Beispiel Aachen ein weiterer Beleg für die enge Vernetzung und die personellen Überschneidungen zwischen Identitärer Bewegung und der neonazistischen Szene. Der Nordrhein-Westfälische Verfassungsschutz bestätigte dies in einer Antwort auf eine kleine Anfrage im Landtag mit den Worten „die Aachener Ortsgruppe der „IB“ besteht weitgehend aus Mitgliedern, die aus der Neonaziszene stammen und weiterhin eng mit dieser verbunden sind“. 2016 gründete die Identitäre Bewegung Deutschland einen Ableger in Aachen. Gegründet und angeführt wurde sie von dem bekannten Neonazi Robert Malcoci, der einer bekannten rechtsextremen Familie entstammt. Robert Malcoci selber steht im Verdacht, am 25.09.2011 an einem versuchten Totschlag zum Nachteil einer minderjährigen Antifaschistin auf einem Wuppertaler Flohmarkt unmittelbar beteiligt gewesen zu sein. Er hatte dort mit einer Gruppe Wuppertaler und Dortmunder Neonazis junge Antifaschist*innen überfallen. Der Dortmunder Neonazi Matthias Drewer musste dafür eine Haftstrafe antreten. Robert Malcoci konnte eine damalige Tatbeteiligung juristisch nicht nachgewiesen werden. Er verweigerte vor Gericht seine Aussage, da er sich nicht selbst belasten wollte. Seine beiden Brüder Timm und Karl Malcoci sind beide stramme, vorbestrafte Nazis und Stammgäste auf extrem rechten Aufmärschen, selbiges gilt für seine geschiedenen Eltern Christian Malcoci und Maria-Luise Süss-Lindert. Robert Malcoci und seine Familie waren in der Kameradschaft Aachener Land (KAL) vertreten, die für eine Vielzahl von Übergriffen und Angriffen verantwortlich ist und schließlich verboten wurde. Nach dem Verbot war er Mitglied in der KAL-Nachfolgeorganisation Syndikat 52. Seine Freundin war ebenfalls Mitglied in der neugegründeten Identitären Bewegung Aachen aktiv. Für Robert Malcoci und einige seiner Kameraden aus der verbotenen KAL war nach der Nachfolgeorganisation Syndikat 52 die nächste Station die Identitäre Bewegung. Bereits 2014 pflegte Robert Malcoci intensive Kontakte zur extrem rechten Identitären Bewegung. Ein Foto zeigt ihn am 22.11.2014, als er mit Maximilian Elbin, Olaf Schulz und weiteren Identitären bei der homophoben „Demo für Alle“ Flyer verteilte. Am 15.01.2016 gründet Robert Malcoci dann die Identitäre Bewegung Aachen und twittert: „In Aachen hat sich zum Jahresbeginn eine Identitäre Ortsgruppe gegründet, die mit Tatendrang an den Start geht und noch Einiges für euch bereit hält.“ Zunächst trat die IB Aachen lediglich mit dem Anbringen von Transparenten in Erscheinung. Am 12. März 2017 beklagte sich die IB Aachen, dass zwei Vertreter ihrer rechten Bewegung mit Schlägen und Tritten tätlich angegriffen worden seien. Der mehrfach vorbestrafte Rechtsextreme übernahm rasch die IB-Strategien und stellte sich als Opfer dar. Das Bestehen der Identitären Bewegung Aachen endet am 31.05.2017, als die Polizei einen Drogenhändler-Ring in Aachen mit einem SEK-Einsatz hochnahm. Die Tatverdächtigen stammten aus dem militanten Neonazi-Spektrum. Einer der Festgenommenen war Timm Malcoci, militanter Rechtsextremist und Bruder von Robert Malcoci. Der Vorwurf: Seit 2015 sollen die Beschuldigten zwanzig Kilogramm des Betäubungsmittels Amphetamin in einem Wert von 160.000 Euro postalisch verschickt haben. Die Presse berichtete im Anschluss: „Sein Vater ist ein bekannter Neonazi in Nordrhein-Westfalen, seine Mutter aktuell in Ostdeutschland engagiert. Familienmitglieder fallen immer wieder durch Funktionen in der rechtsextremen Szene auf, seine beiden Brüder sind derzeit in der Ortsgruppe Aachen der völkisch-nationalistischen „Identitären Bewegung“ leitend tätig.“ Dieser Fauxpas sorgt innerhalb der Identitären Bewegung und den Kameradschaften für viel Zünd- und Gesprächsstoff, da sich die Rechtsradikalen gerne als gesetzestreue Saubermänner gerieren.

Robert und Karl Malcoci berichten über ihren Kampf gegen Ausländer und Linke

Um einen weiteren Imageverlust zu verhindern, wurde die Identitäre Bewegung Aachen intern mit einem Aktionsverbot belegt und ist seit diesem Vorfall nicht mehr öffentlich aktiv. Inzwischen haben die ersten Verhandlungstage gegen das Drogen-Netzwerk aus Identitären und Neonazis in Aachen stattgefunden. Eine Reaktivierung der IB Aachen ist wahrscheinlich, sobald dieser Vorfall gesellschaftlich in Vergessenheit geraten ist. Erste Stammtische fanden mittlerweile bereits wieder in Aachen statt. Robert und Karl Malcoci waren maßgeblich einer bundesweiten Aktion IB am 28. Dezember 2016 in Köln beteiligt, indem sie auf das Dach des Hauptbahnhofs kletterten und ein Banner entrollten.

 


Quellen und Verweise:

http://kuesselskameraden.blogsport.eu/

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-04/identitaere-bewegung-rechtsextremismus-neonazis-mitglieder/seite-2

https://www.vice.com/de/article/paaa5y/10-dinge-die-man-uber-die-identitaren-lernt-wenn-man-ihr-lexikon-liest

www.youtube.com/watch?v=kC0lgYqiSss

Mitglieder der Identitären Bewegung Leipzig

https://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/braune-familientradition

lsa-rechtsaussen.net/ein-identitaeres-haus-fuer-die-kontrakultur-halle/

AfD Sachsen-Anhalt, neonazistische Burschenschaften und Identitäre Bewegung