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Kai Naggert als Identitärer in Aktion

Kai „Prototyp“ Naggert: ein rechter Narzisst am Mic

Kai Alexander Naggert heißt der zweite Rapper des neurechten Rap-Labels NDS mit bürgerlichem Namen. Da dieser quasi Ziehsohn des deutlich erfolgreicheren und erfahreneren Christoph Zloch ist und beide seit 2019 das rechte Rap-Label NDS bilden, finden sich weitere Informationen über ihn in den Artikeln zu „Chris Ares“: 1, 2. Naggerts Radikalisierung findet in seinem in Bälde erscheinenden Album „Feuer“ seine Entsprechung, welches er bereits als „aggressiv und direkt“ ankündigte.

Kai Naggert, Rick Wegner, Christoph „Ares“ Zloch, Pierre Amthor

Naggert beim Konzert von Farid Bang & Kollegah

Der aus Wesel am Niederrhein stammende Naggert durchlief ebenso wie sein Vorbild Zloch eine mehrjährige Laufbahn in der rechten Szene, bevor er politisch rappend anfing. Am 11. April 1992 geboren, tritt der mittlerweile Endzwanziger seit rund drei Jahren in extrem rechten Zusammenhängen auf und stieg in dieser Zeit rasch zu einem Führungskader der Identitären Bewegung in NRW auf. Dabei verlief seine Jugend kleinbürgerlich. Als typischer Partygänger, Ballermann-Urlauber und Fitnessstudiobesucher erfüllte er jedes Klischee eines durchschnittlichen Jugendlichen am Rande des Ruhrgebiets. 2015 besuchte er mit Freunden noch regelmäßig Shisha-Bars, Konzerte von Kollegah und Farid Bang und hörte HipHop von Alligatoah oder den 257ers.

Früher in Shisha-Bars, heute für Volk & Vaterland

Eine Lebensweise, die nicht dem typischen Idealen der Identitären Bewegung entsprechen, sondern als dekadent bezeichnet werden. Dies änderte sich zu Beginn der 2010er Jahren. Auch war er zusammen mit seinem Identitären-Freund Dominic Müller zeitweise in der Fanszene des MSV Duisburg aktiv. Zumindest Müller pflegt gute Kontakte zu den Nazihooligans der Division Duisburg.

Naggert nutzt seine Kinder zu Selbstinszenierung

Naggerts Aktivitäten im Umfeld der IB beginnen ab 2017. Dort ist er als YouTuber wie auch Akteur im Vertrieb von neurechter Propaganda aktiv. Zusätzlich trat er ab 2019 als Rapper in Erscheinung. Seit vielen Jahren ist Kai Naggert mit seiner Frau Mona verheiratet, die er ab 2020 gelegentlich in seinem Livestream mit einbezieht. Sie vertritt dabei, genau wie ihr Mann, rassistische und elitäre Ansichten. Trotzdem häufen sich die Hinweise, dass die Beziehung unter keinem guten Stern mehr steht, was ein Umzug in die romantisierte, sächsische Provinz wohl kaum retten wird.  Selbst die gemeinsamen Kinder instrumentalisiert Naggert, um sich als Vater einer guten, deutschen Familie zu stilisieren. Immer wieder wirbt er dafür, viele (deutsche) Kinder zu bekommen, um den „Volkstod“ zu verhindern. Auf seinem Albumcover von „Mann von Ehre“ (2019) posiert er mit zwei seiner Kinder auf dem Gelände der Jahrhunderthalle in Bochum. Als bei ihm am 1. Juli 2019 eine Hausdurchsuchung aufgrund seiner Beteiligung an einer IB Aktion durchgeführt wird, schildert er anschließend ausführlich das Leid der Kinder. Dass er mit seinem rechten Aktivismus, der sich immer wieder im strafrechtlich relevanten Bereich bewegt, seine Kinder selbst instrumentalisiert bringt, blendet er in seiner Opferrolle gerne aus.

Naggert mit Duckface und Hemd der IT-Firma Maaß

Als gelernter ITler arbeitet er 2017 für das „Systemhaus Maaß IT“ am Weseler Stadtrand. Mit seinem damaligen Chef und weiteren Mitarbeitern nahm er an einem Treffen von „iTeam“, einem Verbund mittelständischer IT-Systemhäuser, in München Ende 2016 teil. Nach eigener Aussage wurde ihm dort jedoch später aufgrund seiner rechten Machenschaften gekündigt. Naggert gibt an, dass die Arbeit seines Vaters als Berufssoldat in Frankreich, wo er auch einige Jahre seiner Kindheit verbrachte, Einfluss auf die Entwicklung seines toxisches Männlichkeitsbildes und seinen völkischen Nationalismus gehabt habe. Seine Mutter ist seit Jahren bei der Kleinstpartei „Die Violetten“ aktiv, die sich als „Vertreterin spiritueller Menschen“ versteht. 2009 tritt sie für die Partei als Kandidatin für das EU-Parlament an, 2012 ist sie Mitbegründerin eines Violetten-Stammtisches und 2013 gehört sie mit ihrem Mann zum NRW-Vorstand. Wie und ob die „spirituelle Politik“ seiner Mutter Kai Naggert beeinflusst, bleibt unklar.  Klar ist hingegen, dass er spätestens ab 2017 ein rassistisches und völkisches Weltbild hat und sich im Sommer der extrem rechten Identitären Bewegung anschließt, die zu diesem Zeitpunkt gerade sehr aktiv war.

Im September 2017 tauchte Naggert in einer Szene eines IB-Aktionsvideos auf, in der gerade ein „Spartaner-Flashmob“ in Hagen geplant wurde. Damals noch Neuling, nahm Naggert in der Folge an zahlreichen Aktionen der IB in NRW und auch bundesweit teil. Durch seinen starken Geltungsdrang übernahm er in NRW bereits 2018 eine führende Rolle innerhalb der IB und zeigte sich auf Fotos als einer von wenigen Identitären mit Gesicht. Dabei repräsentiert Naggert nicht den „rechtsintellektuellen“ Typus des jungen, neurechten Identitären mit Burschenschafts-Habitus, sondern versucht sich mit seinen Identitären im Ruhrgebiet den Anstrich des etwas einfältigen Malochers zu geben, der sagt, was er denkt. Im neurechten Lager fand er damit nicht nur Freunde. Nachdem er im Sommer das IB-Großprojekt einer rechten Dating-App namens „Patriot Peer“ von IB-Kopf Martin Sellner übernahm, meldete er im Oktober die erste und letzte NRW-IB-Zone in Duisburg an.

Bis heute ist die rechte Dating-App nicht erschienen

Tilman Hauser, Marius König, Kai Naggert und Dominic Müller beim Gründungsstammtisch der IB im Ruhrgebiet „Defend Ruhrpott“

Kurz darauf gehörte er zur Führungsclique der Identitären im Ruhrgebiet, die fortan unter „Defend Ruhrpott“ firmierten. Als auch dieses Projekt zu scheitern drohte, eröffnete er gemeinsam mit dem verbliebenen harten Kern der Ruhrgebiets-Identitären das rechte Youtube-Format „Ruhrpott Roulette“, das unter dem Deckmantel der „Satire“ die ganze Bandbreite rechter Menschenverachtung abdeckt. Erneut ging auch dieses Projekt nach nur einem Jahr Laufzeit zu Ende. Motiviert durch zwei Rap-Parodien, die im Rahmen von „Ruhrpott Roulette“ entstanden, wurde Naggert 2019 von Christoph Zloch („Chris Ares“) kontaktiert. Die Neue Rechte versuchte zu diesem Zeitpunkt ihren „Infokrieg“ gegen den „linksgrünen Mainstream“ um die Musik-Front zu erweitern.

Die neurechte „Arcadi-Musik UG“ investierte ab Mitte 2019 in den identitären Rapper Christoph Zloch, der wiederum versuchte, ein eigenes Label aufzubauen. Im August 2019 stellte Zloch Naggert als neuen Teil seines rechten Rap-Labels „Neuer Deutscher Standard“ vor.

2018 bis 2020 ein Team: Christoph Zloch und Kai Naggert

Naggerts politische Radikalisierung verläuft über die Identitäre Bewegung

Naggert mit dem Essener Identitären Tobi Friedrich (mitte) bei einer IB-Aktion an der Essener Tafel im Mai 2018

Naggert erfuhr seine rechte Ideologieschulung und seine aktivistische Ausbildung ab 2017 in der Identitäre Bewegung. Innerhalb von drei Jahren stieg er zu einem Führungskader der Identitären Bewegung in NRW auf und vernetzte sich darüber bundesweit im extrem rechten Lager, wobei er, genau wie Zloch, keinerlei Berührungsängste zeigt. Interessanterweise möchte Naggert heute nur sehr ungern auf seinen jahrelangen IB-Aktivismus angesprochen werden, der in seinen identitären Raptexten jedoch bis jetzt seine Fortführung findet.

Naggert trat in einem Video der IB vom 23. September 2017 zum ersten Mal in Erscheinung, als die IB-NRW einen Flashmob auf dem Friedrich-Ebert-Platz in Hagen durchführte. Die Szene zeigt eine Handvoll Identitärer, die den Ausführungen des IB-Regionalgruppenleiters für das Bergische Land Kreon Schweickhardt lauschen. Naggert gehört bei dieser Aktion also bereits zum Planungsstab. Am Morgen des 7. Juli 2018 beteiligte sich Naggert an einer Aktion an der Universität in Essen, als rund 10 Identitäre gelbe „Giftfässer“ mit einer grünen Flüssigkeit aus einem weißen Ford Transit ausladen und auf dem Campus aufstellen. Dass sich der wissenschaftliche Betrieb an Universitäten nicht an rechten Ideologien orientiert, ist ihnen ein Dorn im Auge.

Hauser, Naggert, Schweickhardt

Mit der extrem kostenintensiven Bergung der „Giftfässer“ durch die Feuerwehr, die zunächst prüfen musste, ob es sich tatsächlich um eine giftige Substanz handelte, haben die Identitären dabei offenbar nicht gerechnet. Entsprechend hoch ist der Ermittlungsdruck und so beantragt die Staatsanwaltschaft Essen rund ein Jahr später eine Hausdurchsuchung bei Naggert, die am 1. Juli 2019 durchgeführt wurde. Naggert gerierte sich in üblicher Manier als Opfer und war sich nicht zu schade, seine Kinder als die Hauptleidtragenden der Hausdurchsuchung zu inszenieren, die er zu verantworten hatte. Im Sommer 2018 folgte schließlich der Ritterschlag für Naggert, als das Sprachrohr der Identitären Bewegung Martin Sellner ihm die Leitung von „Patriot Peer“ übergab. Um Transparenz für die identitäre Community zu schaffen, erstellte Sellner für diese Projektübergabe ein gemeinsames Video auf Youtube. Naggert musste sich dem Publikum zunächst vorstellen, während Sellner sehr erleichtert wirkte, die Verantwortung für diese „Totgeburt“ endlich abwälzt zu haben. Über Jahre wurde und wird bis heute diese Vernetzungs-App der Identitären Bewegung beworben, stets versehen mit der dringenden Aufforderung zur Spende. Sellner lobte die App über Jahre als revolutionär. Die vermeintliche „schweigende Mehrheit“ sollte damit sichtbar gemacht werden und Rechte untereinander vernetzt werden.

Identitärer Gangsterrapper

Über ein Punktesystem und eine Rangliste sollten beispielsweise Treffen, Besuche rechter Demonstrationen oder das Durchführen von Aktionen belohnt werden. Das Scheitern lag zum einen an der technischen Umsetzung, zum anderen an der Angst vor Antifaschist*innen und Sicherheitsbehörden, die darüber an Informationen über Orte und Personen gelangen könnten. Nach jahrelangem Hinhalten und immer wieder neuen „Release-Terminen“ seit 2017 hat auch die eigene Community erkannt, dass die IB ihr „Nazi-Tinder“ überwiegend zur Geldgewinnung nutzte. Insgesamt investierten die Identitären nach eigenen Angaben bereits 27.000 Euro in die Entwicklung. Mittlerweile ist „Patriot Peer“ selbst in rechten Kreisen ein Running Gag, der der IB viel Spott einbrachte. Trotzdem wird an der Entwicklung weiterhin gearbeitet, wie ein eigens eingerichteter Telegram-Kanal sowie ein Blog suggerieren sollen. Kai Naggert ist bis heute Geschäftsführer der „Patriot Peer UG“, die ihren Sitz im IB-Haus in Halle hatte.

Anfang 2018 organisierte Naggert den IB-Stammtisch „Niederrhein“, der jedoch bereits im Herbst aufgrund fehlender Nachfrage eingestellt bzw. zum Stammtisch „Ruhrgebiet“ zusammengelegt wurde. Im Juli 2018 war Naggert bereits fester Bestandteil der Identitären in NRW und wurde Mitbegründer der IB-Regionalgruppe „Defend Ruhrpott“ (DR)

Naggert meldet die IB-Zone beim Ordnungsamt an

Am 13. Oktober veranstaltete die IB ihre erste und zugleich letzte IB-Zone in NRW. Dafür zog die IB-NRW ihre Mitglieder in Duisburg zusammen und verteilte rund um einen aufgebauten Pavillon Flyer. Naggert trat dabei als Anmelder auf und verhandelte mit Mitarbeiter*innen des Ordnungsamtes. Aufgrund von Gegenprotest räumten die Identitären jedoch früh das Feld. Am 18. November führte die IB eine Kundgebung unter dem Motto „Stoppt den Migrationspakt“ in Bonn durch. Trotz bundesweiter Mobilisierung und Kampagne fand sich lediglich 300 Rechte ein, die etwa 45 Minuten auf dem „Platz der Nationen“ ausharrten und dabei den Redebeiträgen Identitärer zuhörten. Neben den Identitären Melanie Schmitz, Reinhild Boßdorf und ihrem Freund Edwin Hintsteiner (IB Österreich) trat Naggert als einer von vier Redner*innen auf. Nur eine Woche später, am 25. November 2018, marschierte Naggert mit Kölner Identitären bei einer rechten Demonstration aus „Wutbürgern“ und klassischen Neonazis mit, die sich gegen „UN-Migrationspakt“ richtete. Am 14. Januar 2019 ist Naggert Teil der bundesweit organisierten IB-Kampagne, die vor Parteibüros und Redaktionsräumen Plakate und Steine ablegten, um auf eine vermeintliche Nichtbeachtung linker Gewalt hinzuweisen. Er posierte vor dem Parteibüro von „Die Linke“ in Duisburg mit einem Banner. Später legten sie auch Gegenstände vor das Büro der Grünen in Duisburg. Diese Aktionen reihten sich in die an diesem Tag bundesweit stattfindenden Attacken auf Presse- und Parteihäuser ein, bei denen es zu Sachbeschädigungen und in einem Fall zu einem körperlichen Angriff des Brandenburger IB-Regionalleiters Robert Timm auf eine Mitarbeiterin der „taz“ kam.

Im Februar 2019 rief ein kleiner Kreis der Identitären im Ruhrgebiet das Youtube-Format Ruhrpott Roulette (RR) ins Leben, um weiterhin Aktivismus zu suggerieren und zumindest virtuell präsent zu bleiben. Neben den Kameramännern Falk Schakolat und „Cassis“ waren die Protagonist*innen Kai Naggert, der Leiter von „Defend Ruhrpott“ Marius König und gelegentlich auch seine Partnerin Melanie Schmitz. Mit ihrem neuen „metapolitischen“ Projekt verzichteten die Identitären aus taktischen Gründen wie schon bei DR auf einen direkten IB-Bezug. Dem Zuschauer sollen die rassistischen, antisemitischen, frauenfeindlichen und transphoben Inhalte und Einstellungen der ProtagonistInnen als „Satire“ untergejubelt werden. Kritische Journalisten werden darin als „antifa Fotograf“ und Denunziant bezeichnet. In einem anderen Video fordert Naggert von einem Straßenmusiker das NS-Marschlied „Erika“ zu spielen. Das Ergebnis derartiger Videos zeigte sich in den Kommentarspalten am deutlichsten. Dort brach sich der Hass der neurechten, identitären Community Bahn: Vergewaltigungsfantasien, White-Power-Rhetorik, Lob von Neonazis und Antisemitismus.

Naggert noch als Statist

Damit versuchten Naggert, König, Schmitz und Co. die niedersten Instinkte ihrer Zuschauer mit Humor, Wut und Misstrauen zu wecken. Die Verpackung machte den Inhalt damit nicht weniger menschenverachtend, sondern setzte diesen nur in einen harmloseren Kontext. Im Rahmen von Ruhrpott Roulette entstand auch die Rap-Parodie von Melanie Schmitz zum Sextape-Song von Katja Krasavice. In der identitären Version mit dem Namen „Hetztape“ macht Schmitz in Nazisprech deutlich, dass sie „deutsch und frei“ bleiben möchte und ihre Worte wie „deutschen Kampfpanzer“ „ballern“. Schließlich formuliert sie ihre Hassphantasien gegenüber Geflüchteten: „Kommt eine Nafri, geht es bambambambam“, während ihr Freund Marius König Faustschläge dazu imitiert. Kai Naggert spielt im Musikvideo eine Nebenrolle, bezeichnet diese Parodie im Dezember 2019 jedoch als „Auslöser ebenfalls Musik zu machen“. Falk Schakolat ist für viele Medienprojekte aus dem IB-Milieu verantwortlich. So schneidet und bearbeitet er auch die Videos von Reinhild Boßdorf und ist Teil der IB-Mediengruppe „Kvltgang“, die nun ein rechtes Computerspiel veröffentlicht hat und ansonsten Design, Musik und Videos produziert.

Auch IB-Vlogger Alexander „Malenki“ Kleine wirbt für RR

Kurze Zeit später versuchte sich Naggert an einer eigenen Rap-Parodie mit dem zutreffenden Titel „Schlechtes Vorbild“. In einer abrissreifen Industriehalle in Duisburg posierte er zusammen mit vermummten Identitären aus dem Fußballmilieu (u.a. Dominic Müller) und hetzte gegen LGBTI („Wärst gern ´ne Frau doch jeder sieht, dass du ´ne Transe bist“) und Geflüchtete („sei nicht traurig, wenn ich dir jetzt dein Koffer packe, bist traumatisiert und stichst unsere Leute ab, ich scheiß auf Mitleid und Gefühl, schick dich in Einzelhaft“/„Ich hab kein Problem damit, dich Nafri abzuschieben, Guten Flug, du Penner!“). Inhaltlich angelehnt an deutschen Rechtsrock fordert er: „Wir müssen einfach den Germanen in uns rauslassen“ und redet von „Ehre und Stolz“. Zugleich starteten sie damit den Versuch, Geld zu generieren, indem sie um Spenden bitten und Shirts sowie Tassen im Style von „Ruhrpott Roulette“ über Martin Sellners IB-Shop „Phalanx“ verkaufen.

Am 12. Mai 2019 organisierte Naggert eine Aktion der Identitären vor dem Duisburger Hauptbahnhof. Zuvor war während einer Demonstration gegen den Naziaufmarsch in Duisburg am 1. Mai ein rassistischer Aufkleber der IB in einem Polizei-Mannschaftswagen entdeckt worden, der medial aufgegriffen wurde. Naggert trat bei der spontanen IB-Kundgebung vor etwa 10 Identitären einmal mehr als Redner mit Megaphon auf.

AfD-Nachwuchs Lucas Vogt aus Salzgitter begrüßt die Identitären

Naggert und König als Redner bei der AfD-Salzgitter

Am 18. Mai 2019 lud die AfD-Salzgitter die Identitären Naggert, König und Schakolat nach Salzgitter zu ihrer Demonstration ein. Naggert und König versuchten mit eine mäßig unterhaltsamen Rede die rechten Demonstrant*innen zu unterhalten, bevor sie Antifaschsti*innen mit transphoben („Ist das eine Sie?“) und rassistischen  („Jetzt hamse auch noch das Flüchtlingsheim aufgemacht“ (König) und „angekarrte[n] Fachkräfte“) Aussagen zu provozieren versuchen. Am frühen Morgen des 1. Juli wurde die obengenannte Hausdurchsuchung bei Naggert durchgeführt. Dadurch fällt sein eigentlich an diesem Tag geplanter Besuch bei Pegida in Dresden aus. Diesen holte er zusammen mit Falk Schakolat am 15. Juli 2019 nach und hält dort eine klischeehafte und vor Rassismus strotzende Rede über das Ruhrgebiet. Am 26. August besuchten Naggert und Schakolat erneut Pegida in Dresden und halten sich im VIP-Bereich auf. Auch zum 5jährigen Pegida-Jubiläum reisten die Beiden an und hören sich unter anderem den Reden der Identitären Martin Sellner, Robert Timm und Alexander „Malenki“ Kleine an.

Naggerts rassistische Pegida-Rede, Bachmann im Hintergrund

Anfang September riefen Naggert und König schließlich zum extrem rechten Aufmarsch von Neonazis, „Wutbürgern“ und HoGeSa-Klientel am 8. September 2019 in Mönchengladbach auf. Diese Demonstration wurde vom HoGeSa-Gründungsmitglied Dominik Roeseler angemeldet, der sich in einem Interview mit dem rechten Influencer Oliver Flesch über Naggerts Zusage für eine Rede freut. Tatsächlich ließ Naggert seinen Auftritt kurz vorher platzen. Kurz vor diesem Ausflug, im August 2019, richtete sich Kai Naggert bereits ein Tonstudio in seinem Haus ein. Nach dem mäßigen Erfolg mit Ruhrpott Roulette möchte Naggert nun seine Ego-Karriere als NS-Rapper unter dem Namen PrototypNDS fortsetzen.

Naggert am 25.11.18 in Köln (Foto: Korallenherz)

Parallel dazu radikalisiert sich Naggerts „Defend Ruhrpott“ immer weiter und sucht Anschluss zu regionalen rechten Hools, Rockern, „Bürgerwehren“ und organisierten Neonazis (Herne/Mönchengladbach). Am 25. Noveber 2018 besucht Naggert zusammen mit Identitären aus Köln einen extrem rechten Aufmarsch in Köln, der sich auch aus HoGeSa und Neonazis zusammensetzt. Dass er keine Berührungsängst mit diesem gewaltbereiten Klientel hat, bestätigte er mit einer angekündigten Rede für den HoGeSa-Aufmarsch am 08. September 2019 in Mönchengladbach. Wohl nur aus taktischen Gründen verzichtete Naggert kurzfristig auf ein Erscheinen.

Rapkarriere und Netzwerk

Nachdem Naggert durch seinen raumnehmenden Geltungsdrang und seinen Aktivismus die Karriereleiter innerhalb der streng hierarchisch organisierten Identitären Bewegung innerhalb von drei Jahren hinaufgeklettert war, befand die IB bundesweit vor dem Aus. Als Kubitschek im November 2019 erklärte, dass aus der IB „nichts Großes“ mehr werden würde, stellt ihren Aktivismus nahezu ein und räumte im Mai 2020 ihr Haus in Halle. In der daraus ab 2019 folgenden Ausdifferenzierung versuchten sich zahlreiche identitäre Glücksritter mit Blogs oder als Autoren, während andere Medienprojekte starteten oder Firmen gründeten, die das neurechte Netzwerk stabilisieren und noch autarker machen sollten. Damit verlor die Neue Rechte jedoch auch ihren „Jungbrunnen“ und zugleich ihre aktivistische Jugendorganisation. Die Anschlussfähigkeit zur Jugend war noch nie die Stärke der Neuen Rechten und so wurde nach neuen Möglichkeiten gesucht, diesen irgendwie herzustellen.

langjährige Kontakte zu Arcadi und die „Kontrakultur“

Das Medium Musik, und dort insbesondere die Rapmusik, bot sich aufgrund ihrer großen Beliebtheit bei Jugendlichen an, wenngleich es so gar nicht zur biederen und treudeutschen Neuen Rechten passte. Es wurde die Arcadi Media UG gegründet, die zunächst Christoph Zloch  aufbaute und Musik sowie Vertrieb professionalisierte. Naggert war zu diesem Zeitpunkt auch schon am Mikrophon aktiv, jedoch zunächst nur bei IB-Kundgebungen. In dem IB-Satireformat „Ruhrpott Roulette“ agierte Naggert vor der Kamera bereits selbstverliebt und dünkelhaft. Ein guter Kontakt zum neurechten Arcadi-Magazin um Yannik Noé, das 2019 mehrfach wohlwollend über RR berichtet, bestand bereits damals. Auch die IB-nahe Zeitschrift „Tagesstimme“ aus Österreich berichtete wohlwollend. Seine Projektpartnerin Melanie Schmitz, die während ihrer Hallenser Zeit zusammen mit dem IB-Kader Till-Lucas Wessels das extrem biedere Musikprojekt „Varieté Identitaire“ gründete, zieht Mitte 2018 zurück in ihre Heimatstadt Essen. Im Rahmen des Medienprojektes der Ruhrgebiets-Identitären „Ruhrpott Roulette“ rappt sie den Track „Hetztape“, in welchem sie direkte Gewalt gegen sogenannte „Nafris“ verherrlicht. Naggert wird später schreiben, dass ihn dieser Track, in dem er lediglich als Statist auftritt, zu seiner Rapkarriere inspiriert habe. Bei dem von der IB am 25. August 2018 durchgeführten Fest „Europa Nostra“ in Dresden tritt Schmitz mit Gitarre auf. Im Herbst 2019 zieht sich das ansonsten so extrovertierte „Postergirl“ der Identitären Bewegung zurück – sie ist schwanger. Ihr Partner ist der IB-Regionalgruppenleiter von „Defend Ruhrpott“ Marius König. Mittlerweile ist das gemeinsame Kind auf der Welt. Ob Schmitz die ihr von der Neuen Rechten zugedachte Frauenrolle an Heim und Herd übernimmt oder sie noch einmal medial in Erscheinung tritt, bleibt abzuwarten. Dass Schmitz trotz Inaktivität weiterhin den extrem rechten IB-Strukturen verbunden ist, zeigte ihre wohlwollende Aussage für ihren brutalen Ex-Freund Mario Müller beim Gerichtsprozess gegen diesen. Wiederholungstäter Müller hatte zusammen mit seinem gewaltaffinen IB-Kameraden Dorian Schubert im November 2017 zwei Zivilpolizisten in Halle mit Schutzschild, Pfefferspray, Baseballschläger und Schlagstock attackiert und wurde schließlich zu 8-monatiger Gefängnisstrafe auf 2 Jahre Bewährung verurteilt.

Melanie Schmitz gehört seit Jahren zum radikalen Kern der IB

Zloch, Schakolat, Naggert

Naggert und sein Kameramann Falk Schakolat aus Bochum blieben von der RR-Stammbesetzung übrig. Nach einem halben Jahr Pause wurden wieder Videos gedreht. Nachdem Naggert seinen mittlerweile wegen Hassrede gesperrten Track „Schlechtes Vorbild“ im Rahmen von RR veröffentlichte, wurde Christoph Zloch auf ihn aufmerksam und kontaktiert ihn. Rapper sind bei der IB schließlich rar gesät und in Zlochs neuem Raplabel „NDS“ war gerade noch ein Platz frei. Im August stellte Zloch seinen Junior-Partner Naggert alias „Prototyp“ schließlich seiner rechten Community offiziell vor. Zu diesem Zeitpunkt hatte Naggert bereits ein eigenes Tonstudio bei sich eingerichtet. Falk „Thanatan“ Schakolat blieb zunächst auch weiterhin sein „Produzent“, der Musik und Videos erstellte und bearbeitete, nachdem er seine eigene, anonyme Youtube Karriere als „Menschenverstandradikalismus“(MVR) gescheitert war. Am 10. August 2019 eröffnete Naggert seinen Telegram-Kanal (3500 Abonnent*innen), den er neben Facebook (700 Abonnent*innen) und Instagram (7200 Folloer*innen) als Hauptkommunikationsmedium mit seiner Community nutzt. Zudem bewirbt er wie Zloch seine Patreon-Gruppe, in der er die Mitglieder gegen monatliche Spenden mit exklusiven Infos versorgt. Dabei macht Naggert seinen Fans unter anderem das Angebot ihn monatlich mit 100$ zu unterstützen, um sich dafür „Prototyp Unterstützer“ nennen zu dürfen und die Aussicht auf ein persönliches Treffen zu erhalten. Leben kann Naggert von den Spenden der acht Patreon-Mitglieder allein jedenfalls nicht und auch sein Paypal-Konto wurde im September 2019 schließlich gesperrt. Insgesamt kommt er bei Weitem nicht an Reichweite und Followerzahlen seines großen Kompagnons „Chris Ares“ heran.

Überall lauert die Verschwörung

Mit dem veröffentlichte er Mitte September 2019 sein erstes richtiges Raplied: „Neuer Deutscher Standard“ (480.000 Klicks), der in den offiziellen Download-Charts von MTV vorübergehend immerhin Platz 6 erreichte. Sein bislang erfolgreichster Track ist für den selbstverliebten Weseler ein Traumstart, auf dem Ende September der Track „Deutschland“ (194.000 Klicks) folgte. Sein dritter Song „Mann von Ehre“, der im November 2019 erscheint und ihn als treudeutschen Familienvater präsentiert, stand im Sommer 2020 bei lediglich 67.000 Klicks, obwohl Zloch auch diesen Track über seinen reichweitenstarken Kanal beworben hatte.

Anfang Oktober 2019 erschien dann Naggerts erster eigener Track „Aufstand“, in dem er überdeutlich von dem in der rechten Szene erwarteten „Tag X“ als Tag des Umsturzes rappt. Am 19. Oktober 2019 sponserte der neurechte Thinktank „EinProzent“ eine NDS-Party in Dresden. Zu Gast war der Leipziger IB-Kader und YouTuber Alexander „Malenki“ Kleine, der beste Kontakte in gewaltbereite Neonazimilieu pflegt. Auf der Suche nach einer unkündbaren Räumlichkeit wurde man bei der extrem rechten Burschenschaft Salamandria fündig, in deren Räumlichkeiten bereits diverse Aktionen der IB vorbereitet wurden. Wie immer ist auch Naggerts Kameramann Falk Schakolat mit dabei, der den Abend dokumentiert und anschließend als YouTube-Filmchen veröffentlicht.

Monaco, Kleine, Naggert

Die Durchführung einer „Rap-Party“ in einem Burschenschafterhaus wurde jedoch wenig überraschend zum Flop, denn auch in Dresden läuft nichts ohne vorherige Anmeldung per E-Mail. Und so kamen außer einigen Burschis nur noch eine Handvoll pubertierender Groupies, mit denen Naggert später dankbar mit Deutschlandfahne posieren kann.

Naggerts rechte Groupies

Naggert filmt Wegner und Zloch auf dem Weg zur Compact-Konferenz (Presseservice Rathenow)

Am 16. November war Naggert auf der Compact-Konferenz in Magdeburg, auf der Zloch als „Held des Widerstandes“ ausgezeichnet wurde. Am 30. November steigt bereits die nächste „NDS-Party“ mit Naggert, erneut in einem Korporationshaus, diesmal in der Reichsstraße 21 in Düsseldorf, dem Haus Burschenschaft „Rhenania Salingia“. Organisiert und gesponsert wurde es vom Arcadi-Magazin. Special Guest ist an diesem Abend war der sich selbst als „libertär“ bezeichnende Miró Wolsfeld („Unblogd“) aus dem Raum Köln. Kein großes Wunder, sympathisieren zahlreiche rechtsoffene Libertäre seit langem mit der IB, was immer wieder zu kleineren Kontroversen bei den Themen Staat, Nation und Wirtschaftssystem führt. Ab 20 Uhr fanden sich im Haus der extrem rechten Burschenschaft „Rhenania-Salingia zu Düsseldorf“ an der Reichsstraße eine Handvoll Gäste ein. Der Kontakt lief über den Rhenania-Burschenschafter Maximilian Schmitz, der zugleich Mitbegründer des AfD-nahen Publicatio e.V. ist, also dem Verein der hinter dem neurechten Arcadi-Magazin steht. „Max Schmitz“ stand zudem bis 2020 im Impressum des Arcadi-Magazins und ist ebenfalls dort Autor. Den Abend verbrachten die wenige Gäste nicht ungestört, denn einige Zeit später zog eine Demonstration von Gentrifizierungsgegner*innen am Haus vorbei und verweilte wohl wissend vor diesem.

Ares, Naggert, Siewert in Spremberg

Am 7. Dezember kommen die drei Hoffnungsträger des identitären Rechtsraps Naggert, Zloch und Siewert (Bloody32) in Spremberg zusammen. Die von Siewerts Produktionsfirma veranstaltete „Record Release Party“ sollte zunächst in Sachsen stattfinden, wurde jedoch kurzfristig verboten. Mit dabei ist auch Julia Juls vom rechten „Frauenbündnis Kandel“. Die Kontakte nach Sachsen insbesondere nach Dresden und Bautzen wurden 2019 durch mehrfache Besuche bei Pegida ausgebaut. Überhaupt findet Naggert in Videos und seinen Liedern immer wieder lobende Worte über die starke rechte Szene im Osten. Er war auch dabei, als die drei NDS-Rapper rund um den 9. Mai 2020 durch Sachsen fuhren und bei Bautzen einen Ort für ihr „Dorf“ suchen.

Fachsimpeln über große Pläne – eine der Stärken von Zloch und Naggert

Anfang 2020 hatte Naggert in einem Livestream bereits angekündigt, mit seiner Familie als erste Bewohner dorthin ziehen zu wollen. Im September 2020 werden diese Pläne konkreter. Neben Fotos mit Andre Laaf und Christoph A. Zloch in Bautzen, berichten auch Menschen vor Ort, dass die drei Rechtsrapper offenbar in ihre „neue Heimat“ nach Bautzen gezogen sind. Dort werden sie vor allem vom Neonazi und Geschäftsmann Markus Baumgart empfangen und in die örtlichen Kampfsport und Nazistrukturen eingeführt.

28 steht für Blood&Honour (Foto: Jan Petter)

Offenbar pflegt Baumgart auch Kontakte zum verbotenen rechtsterroristischen Netzwerk „Blood&Honour“, wie einer aufschlussreichen Spiegel-Recherche zu entnehmen ist. Baumgart stattet die identitären Rechtsrapper zudem mit Kleidung seiner rechten Klamottenmarke „Isegrim“ aus. Bald steht fest, dass der geplante rechte Szenetreff in Cunewalde in der Hauptstraße 89 entstehen soll. Dort wird neben einem Tattoostudion mit dem Namen „Phalanxtattoo“ auch ein Shop für rechte Szenekleidung und Arcadi bzw. NDS-Marchandise eröffnen. Das Geschäft ist im September 2020 bereits eingerichtet, jedoch wartet Fautz noch auf die gewerbliche Genehmigung für das tätowieren. Am 14. September hatte das regionale Bündnis „Keep Together – Zusammen gegen Rechts“ zu einer Demo gegen „Chris Ares“ und sein neuen rechten Szenetreff aufgerufen. Auf dem Bautzener Kornmarkt erschienen auch Zloch und Naggert, die versuchten die Demonstration mit weiteren Rechten zu provozieren, was jedoch nicht gelang. Nur wenige Stunden später ereignete sich dann genau dort eine rassistisch motivierte Gewalttat, wie die SZ berichtet.

Am 25. September 2020 verkündet auch für die eigenen Leute völlig überraschend Christoph Zloch seinen Rückzug. „Chris Ares“ ist damit Geschichte auch wenn das Tattoostudio in Cunewalde und das Label NDS weiterbestehen sollen. Die rechte Community reagiert mit Bestürzung, Enttäuschung und Selbstzerfleischung auf Zlochs unerwarteten Rückzug. Sein Abschiedsstatement lässt viele Fragen zu den Beweggründen und seiner Zukunft offen. Eine Distanzierung von seinen extrem rechten Inhalten und seinem Umfeld fehlt darin. Wir haben dazu eine Einschätzung verfasst. Naggert und Laaf kündigen einen Tag später trotzig an, dass NDS nicht vorbei sei und die Zukunft ihnen gehöre. Kai Naggert wird sich dadurch erhoffen in die Fußstapfen seines weitaus erfolgreicheren „Bruders“ Zloch zu treten, was jedoch ein Traum bleiben wird, schließlich sind alle Wege einer größeren Verbreitung gekappt und so wird der identitäre Rechtsrap dasselbe Schicksal ereilen wie der Versuch von Neonazis Rap für ihre Zwecke zu instrumentalisieren – lediglich die eigene Community wird damit erreicht werden, womit das metapolitische Potential, was sich die Neue Rechte erhofft hat, verloren geht und zur Selbstbespaßung wird. Zloch hat Naggert zudem untersagt, seine beiden Tracks, die auf Naggerts kommendes Album „Feuer“ sollten, zu veröffentlichen. Im Guten sind die Rechtsrapper jedenfalls nicht auseinandergegangen, wie man zwischen den Zeilen mitlesen und -hören kann. Naggert und Laaf wohnen zur Zeit in dem kleinen sächsischen Ort Weifa in einem ehemaligen Jugendheim, welches die Gemeinde Steinigtwolmsdorf den Rechten nun mithilfe ihre Vorkausrechts vor der Nase wegschnappen will, um einen rechten Szenetreff zu verhindern. Mittlerweile sind bei Naggert jegliche Hemmungen gefallen und so besuchte er am 4. Oktober 2020 die rechten Aufmärsche entlang der B96 bei Neusalza/Spremberg, wo sich jeden Sonntag Neonazis, Reichsbürger, Verschwörungsfanatiker*innen und AfD-Fans einfinden.

Höchst pikant dürfte zudem der gemeinsame Auftritt mit dem AfD-Bundestagsabgeordneten Hansjörg Müller bei der Corona-Großdemonstration am 29. August 2020 gewesen sein. Christop Zloch hatte zusammen mit Kai Naggert und Andre Laaf zu einem eigenen NDS-Vorabtreffpunkt aufgerufen, bei dem auch ein Mobfoto mit weiteren Rechten und Identitären entstand. Kurz darauf muss sich AfD-Politiker Müller dieser Gruppe angeschlossen haben. Also diese schließlich an einer Polizeiabsperrung aufgehalten wurde, kam es zunächst von Naggert und Zloch zu verbalen Pöbeleien gegen einen Polizisten. Wie anhand von Fotos dokumentiert ist, eskalierte die Situation kurz darauf und die Rechten versuchten die Polizeiabsperrung gewaltsam zu durchbrechen.

AfD-MdB Müller mit Laaf und Zloch

In der ersten Reihe sind dabei auf einem Foto von democ. die identitären Rechtsrapper Andre Laaf und Christoph „Ares“ Zloch neben Hansjörg Müller zu sehen. Müller rechtfertigte die Gewalt sogar noch damit, indem er den Polizist*innen die Schuld („Keine normalen Polizisten“) an der Eskalation gab. Im Anschluss berichtete auch die Passauer Neue Presse. Dass sich ein AfD-Bundestagsmitglied einer Gruppe mit bekannten Gesichtern aus der rechtsextremistischen Szene anschließt und an einer gewalttätigen Aktion beteiligt, sollte jedoch auch überregional Aufmerksamkeit erreichen.

Trotz aller Bemühungen steht Naggert im Schatten von Zloch und versuchte sich im Dezember 2019 mit eigenen Fitness-Videos zu profilieren. Diese stehen unter dem Titel „Germanen Herausforderung“ und transportieren das Bild vom „stabilen, deutschen Nordmann“. In den Videos tauchen unter anderem Zlochs Mitbewohner Rick Wegner und der Identitäre Silas Wehren aus Duisburg auf und müssen als sportliche „Prototyp Germanen“ posieren, was Naggert selbst nicht bieten kann. Nach ganzen vier Videos war die „Herausforderung“ bereits wieder unfreiwillig beendet als Naggert Ende Januar 2020 seinen umstrittenen Rapsong „Am Glas verteidigt“ veröffentlichte. Zusammengefasst fordert er darin seine Zuhörer*innen auf, „Deutschland am Glas zu verteidigen.“, frei nach dem Motto: Saufen fürs Vaterland“. Filmisch untermalt wird das Video mit der Verherrlichung von Bierkonsum aus Flaschen und Fässern.

Silas Wehren hat kassiert

Neben Naggert ist in diesem Video erneut Silas Wehren Protagonist, indem er zum Beispiel das Königs-Pilsener Fass mit einer Axt zerschlägt. Wehren bewegte sich um 2010 herum den „linken“, autoritären Strukturen von „Zusammen Kämpfen Duisburg“ und ist nach einem zwischenzeitlichen Umzug nach Dortmund mittlerweile zur extremen Rechten übergewechselt. Dieser dem Alkoholkonsum verherrlichende Track will so gar nicht in die von Zloch und Naggert propagierte „Enthaltsamkeit vom arischen Krieger“ passen. Geben sich die beiden gerne als rappende Saubermänner aus, während sie die die drogenverherrlichenden und hedonistischen Texte anderer Rapper anklagen, so konterkariert Naggert genau dieses angebliche Alleinstellungsmerkmal der identitären Rapper. Und auch die rechte Community rieb sich verwundert die Augen, bevor Naggert einmal selbst in den Genuss eines rechten Shitstorms geriet. Die eigene Bubble kochte und hatte Fragen: „Warum muss man denn im Moslem“deutsch“ rappen?“, „Dachte ihr seid gegen Drogen??“ oder „Kann man Deutschland also nur betrunken am Glas verteidigen?“ Es entbrannten kontroverse Debatten auf Naggerts Social-Media-Kanälen und es wurde diskutiert, ob denn die Aufforderung zu massivem Alkoholkonsum in Zeiten der „Germanenherausforderung“ angemessen sei.

Wehren vermummt

Viele Rechte erkannten den frappierenden Widerspruch: „Unterirdisches Lied. Exzessiver Alkoholkonsum wird verherrlicht und das von NDS, die doch meinen die Jugend retten zu wollen und ihnen wieder Werte zu vermitteln […]“ Naggert ruderte daraufhin sofort zurück und bat um Verständnis für sein spaßig gemeintes Lied mit „Augenzwinkern“. Zloch sprang ihm bei und versucht die eigene Community zu beruhigen: „alles nur Spaß“. Die Bubble blieb dennoch irritiert, schließlich forderte Naggert nur eine Woche vorher im Rahmen seiner „Germanenherausforderung“: „Bleibt eisern und diszipliniert! Werde wahrlich standhaft und entfessel den Nordmann in dir!“ Vielleicht wollte Naggert mit seinem Sauflied aber auch nur germanische Brauchtumspflege betreiben. Tatsächlich war dies jedoch der Versuch einer neuen Marketingstrategie zur Eröffnung neuer Zielgruppen. Es geht dabei weniger um Politik als um eine Partynacht, Bier und Spaß – es geht um Anschlussfähigkeit, die jedoch jäh von den eigenen Leuten ausgebremst wird. Das Lied blieb jedoch mit 67.000 Klicks weit hinter den Erwartungen zurück und verließ die rechte Bubble kaum.

Naggert brachte das Video aber noch mehr Ärger ein. Über Twitter wird das Bierunternehmen König Pilsener auf das Video aufmerksam gemacht und verwahrte sich gegen die Vereinnahmung durch die Identitäre Bewegung. Königs Pilsener erwirkte gegen die neurechte Arcadi Media UG, die das rechte Rap-Label NDS finanzierte, eine einstweilige Verfügung beim Landegericht Köln mit einem Streitwert von 200.000 Euro. Verzweifelt baten Naggert und Ares daraufhin in einem eigens gedrehten Video um Spenden, um mögliche Prozesskosten abzufedern. Unter dem Verwendungszweck „NDS Kriegskasse“ kann auf das Konto der Arcadi Media UG bei der Sparkasse Dresden überwiesen werden. Im April 2020 wurde die Angelegenheit eingestellt. Ebenfalls im Dezember 2019 mischte sich Naggert ungefragt in den „Beef“ zwischen Zloch und Kollegah ein. Mit der Absicht auch einen Teil vom „Fame“ abzubekommen, teilte er Kollegah mit, dass es für ihn „keinen Frieden gibt“ bevor er ihn schließlich als „identitätslose F*tze“ bezeichnet. Dieser serviert Naggert daraufhin mit: „Wer bist du Hurensohn denn jetzt?“ ab. Die vorgetragene Niveaulosigkeit der Auseinandersetzung spricht für die Beteiligten, dient Naggert und Zlch aber vor allem dazu, ins Gespräch zu kommen.

Im Dezember gab Naggert dem Arcadi-Magazin noch ein Interview und kündigt vollmundig das nächste Jahr als „NDS-Jahr“ an. 2020 wurde sein eigener YouTube Kanal schließlich zum allgemeinen NDS-Kanal. Seine Klickzahlen stiegen dennoch nicht an – im Gegenteil. Anfang Februar wurde die musikalische Koproduktion von Zloch und Naggert unter den Titel „Hype“ veröffentlicht, die jedoch mit 78.000 Klicks nur mittelmäßig erfolgreich war.

Mit diesem inhaltsleere Disstrack gegen „Deutschrap“ setzten die Beiden das um, was Zloch in seiner Telegram-Umfrage vom August 2019 bereits feststelle durfte: 57% der 1341 Abstimmenden hatten sich damals „persönliche und unpolitische Lieder“ von Zloch gewünscht, während 43% auf „nur politische Lieder“ setzten. Die neunte Ausgabe des Arcadi Magazins (04/2019) stand dann ganz im Zeichen der „patriotischen Musikwende“, was auch den Stellenwert für Arcadi und die gesamte Neue Rechte verdeutlichte.

Siewert & Naggert „Wie ein Sturm“

Neben Naggerts „Germanenherausforderung“ und der juristischen Auseinandersetzung mit König Pilsener wegen seines Saufliedes, wurde auch den neurechten Musikern „Chris Ares“, „Bloody32“ und Sacha Korn viel Platz eingeräumt. Yannik Noé und der Rottweiler AfD-Stadtrat Reimond Hoffmann drehten anlässlich dieser Ausgabe extra ein Teaser-Video und schnitten darin die Themen kurz an. Anfang 2020 reiste Naggert nach Cottbus, um dort gemeinsam mit Maik Siewert („Bloddy32“) das Video zum gemeinsamen Track „Wie ein Sturm“ zu drehen, welches am 20. März erschien. Anfang April versuchten Naggert und Zloch ein neues Publikum zu erschließen, indem sie sich mit kurzen Rapsongs am JuliensCoronaCypher (JCC) beteiligten. Beim Polizistensohn und YouTuber Julien Sewering sahen sie aufgrund seiner sexistischen, frauenverachtenden und zum Teil NS-relativierenden Inhalte offenbar gute Anschlussmöglichkeiten. Am 15. Mai brachte Naggert seinen bereits deutlich zuvor produzierten Track „Patriot“ heraus, der sich jedoch mit nur 22.000 Klicks zu einem ziemlichen Rohrkrepierer entwickelte.

Naggerts Versuche Geld mit seiner Musik zu verdienen dürften noch nicht sehr weit gediehen sein und so versucht er ähnlich wie sein Vorbild Zloch über Merchandise und Sponsoren, Einnahmen zu generieren. Bereits als „Ruhrpott Roulette“ verkauften Naggert und seine identitären Mitstreiter*innen T-Shirts, Sticker und Tassen („Ich bin rechts“) über den rechten Onlineshop „Cuneus Culture“, der von den Identitären Jannik Brämer und Karsten Vielhaber betrieben wurde.

Impressum Phalanx-Europa

Zuletzt wechselten diese jedoch mit ihrem RR-Merchandise zum bekannteren IB-Online Shop „Phalanx“, hinter dem der österreichische Identitäre Martin Sellner steckte, der bekanntlich Kontakt zum rassistisch motivierten Christchurch-Attentäter hatte. Mittlerweile ist „Phalanx“ zu den Identitären um Daniel Sebbin und Daniel Fiß nach Rostock umgezogen und gehört zur Kohorte UG, die Ende 2016 als Identitäre Bewegung BY UG gegründet wurde. Die Musik und das Merchandise in Form von Shirts, Tassen und Kalendern rund um NDS werden im Online-Shop des Arcadi-Magazins angeboten. Interessant ist das Sponsoring der rechten Hooligan-Marke Fight Cult, die Naggert ausstattet und auch finanziell unterstützt – ähnlich wie Peripetie dies bei Zloch tut. Fight Cult produziert einfallslose Shirts, Hosen und Kapuzenpullover, die jeweils in schwarz gehalten und mit der Silhouette eines Kämpfer im Ehrenkranz versehen sind. – immerhin gibt es zu jeder Bestellung gratis ein paar Fight Cult-Sticker. Diese produziert wiederum der Stickermafiashop, der ansonsten Sticker für Ultras produziert, die sich inhaltlich wahlweise gegen den DFB, RedBull oder die Polizei richten. Konto und Impressum laufen sowohl bei Fight Cult als auch beim Stickermafiashop auf den 1996 geborenen Till Solga aus Potsdam. Die hinter beiden „Marken“ stehende Struktur verfügt offensichtlich über entsprechende Druckgeräte und versucht seit Anfang 2020 offensiv ihre Fight Cult Bekleidung in subkulturellen Kreise zu bewerben. Dazu bedient sie sich Personen aus der Kampfsport-, Hooligan- und IB-Szene, die umsonst ausgestattet werden und im Gegenzug mit ihrem Gesicht mit Bekleidung der Marke posieren. Neben Naggert, der ständig mit Fight Cult-Klamotten auftritt, taten dies in der Vergangenheit auch die Fußballrapper M.I.K.I (Borussia Dortmund) und Pie Kei (Dynamo Dresden). Andere Fotos zeigen Kampfsportler mit Deutschlandfahne oder vor dem in neurechten Kreisen beliebten Kyffhäuserdenkmal. Auch wenn sich die Marke eher ein Badboy-Image verpassen möchte und im Gegensatz zu Peripetie keine eindeutigen politischen Botschaften hat, wird die politische Ausrichtung ihrer Hintermänner deutlich.

Im Windschatten von NDS versuchen sich mittlerweile auch andere Identitäre als Rapper. In diesem Sinne fungieren Ares, Prototyp und Bloody32 als Türöffner für die Neue Rechte in diese Subkultur. Der aus Hürth stammende Noah Mainz, der sich als Rapper den vielsagenden Namen Paranoia gab, fuhr am 4. Mai 2019 mit weiteren Identitären aus seiner Region nach Bochum, um dort an einem IB-Mobfoto teilzunehmen. Anschließend zogen die rund 20 Identitären durch den Stadtteil Wiemelhausen, wurden jedoch kurz darauf von der Polizei eingekesselt und mit Platzverweisen belegt. Das Rapvideo seines ersten Liedes „Das ist Krieg“ hatte er nach kurzer Zeit selbst wieder gelöscht.

Noah Mainz neben NPD-Neonazi Dennis Bieckhofe (links) bei der IB-Aktion in Bochum

Während er darin gegen Linke, Feminist*innen und Geflüchtete hetzt, posieren im Hintergrund weitere Identitären mit „Still not loving Antifa“-Pullover und einer schwarz-weiß-roten Sturmhaube. Mit einem roten Halstuch vermummt, wirkte auch der Bochumer Identitäre Dennis Frühauf mit, der sowohl beim beschriebenen Mobfoto beteiligt war, als auch am Kampftraining der Ruhrgebiets-IB teilnahm. In dem von der identitären Formation KVLTGANG produzierten und in Düsseldorf gedrehten Musikvideo „PURES GEFLEXX3“ beginnt Mainz seinen Rap mit: „Jede linke Fotze schreit nun rum mit einem Hilferuf“. Angeblich möchte er seine Tracks zeitnah auch auf Spotify anbieten. Seine Klickzahlen bewegen sich jedoch mit höchstens 1700 in einem marginalen Bereich. Momentan versucht er seine Hochschulreife am SPEE-Kolleg in Neuss nachzuholen, wo er das Amt des Studierendenratssprechers innehat.

Kai Sühnhold

Kai Sühnhold aus dem nördlichen Ruhrgebiet war Teil der IB-Gruppierung „Defend Ruhrpott“, nahm an mindestens einem Kampfsporttraining unter der Leitung des Bochumer Identitären Bastian Hans 2019 teil und versuchte sich vor Jahren bereits als Rapper. Obwohl diese Versuche erfolglos waren und vernachlässigbar sind, zeigen sie deutlich, welch toxische Männlichkeit sich bei der IB zusammenbraut. In seinem Track „Bitches“ werden Frauen generell als „Bitches“ bzw. „Schlampen“ diffamiert und ein seiner eher harmloseren Zeilen lautet: „scheißegal, wenn eine Schlampe vor mir weint, ich weiß sie geht wieder zum Nächsten und sie kriegt ihn tief darein“.

Sünhold beim IB-Wehrsport mit Noah von Stein & Bastian Hans

Offenbar über die sexistiscen Lieder des Rappers „Frauenarzt“ sozialisiert, passte sich seine Frauenverachtung immer mehr in einem gesamtrechtes Weltbild ein.  In den sozialen Medien zeigt er sich als großer Fan von NDS, teilt IB-Aktionen und ist dem Umfeld der IB im Ruhrgebiet zuzurechnen.

„Ich brauche mehr Aufmerksamkeit!“

Kai Naggert bildet durch die Schwächung der IB für die Neue Rechte als Rapper eine Art Ergänzung zu Chris Ares keine unwichtige Rolle, auch wenn er dabei deutlich im Schatten von Zloch steht. Dabei ist die klischeehafte Rolle des Rappers, in der er sich auch selbst gefällt, wie für den egozentrischen Weseler gemacht. Seinen Aktionismus für die Identitäre Bewegung. im Sinne ihres „metapolitischen“ Programms, setzt er damit in angepasster, veränderter Form fort. Für das Geflecht um das neurechte Arcadi-Magazin ist Naggert zunehmend ein Werkzeug um die erhoffte „patriotische Musikwende“ herbeizuführen. Durch seine Erfahrungen und die bundesweiten Kontakte, die er bereits während seiner aktiven IB-Zeit sammeln konnte, besteht mittlerweile ein neurechtes und professionelles Netzwerk um ihn herum, das ihn unterstützt. Dieses Netzwerk reicht von Pegida über EinProzent, rechten Influencern und Medien bis hin zu seiner zentralen Aufbaustruktur Arcadi.

Auch mit Zlochs Freund, dem wegen Mordes verurteilten Mörder Rick Wegner ist Naggert befreundet

Weltanschauung, Aussagen und Texte

Mit der IB-Regionalgruppe „Defend Rurpott“ in Halle (Foto: Belltower)

Prototyp vertritt, genau wie Zloch, das extrem rechte und zutiefst menschenverachtende Konzept des Ethnopluralismus, was zum allgemeinen identitären Selbstverständnis gehört. Seine völkischen Ansichten trägt er dabei in einer noch schärferen Tonwahl als Zloch vor. Für ihn sind „Volk“ und „Nationalität“ klar an „Blut-und-Boden“ gekoppelt. In einem gemeinsamen Livestream mit Zloch am 9. Februar 2020 offenbarte Naggert sein rassistisches, neonazistisches Weltbild, indem er zunächst in „Deutsches Volk“ und „Volksgemeinschaft“ unterscheidet, was er kurz darauf näher ausführt: „Du bist nur Teil des Volkes, wenn du auch von der Abstammung her dem Volk zugehörst.“ Im weiteren Verlauf dieses Streams stellt ein Zuschauer die Frage, ob der mit ihnen eigentlich befreundete Rapper „Ukvali“ auch Deutscher sein könne, obwohl er einen Migrationshintergrund habe. Naggert antwortet mit einer vielsagenden Gegenfrage: „Kann jemand deutsch sein, der kein deutsches Blut hat?“ Und ergänzt: „Das deutsche Volk gibt’s nur einmal auf der Welt“. Zu „Ukvali“ sagt er: „Ob er selber Deutscher ist? Ich würde sagen: Nein.“ Generös gesteht er ihm schließlich zu: „Aber er gehört zur Volksgemeinschaft, von daher kann er auch mein Bruder sein.“ Worin die Unterscheidung zwischen „Volksgemeinschaft“ und „deutsches Volk“ besteht, ist bei Naggert diffus und dürfte nicht bei allen „Kameraden“ auf Zustimmung stoßen.

Solidarisch auch mit Neonazi-Symbolik

Seinen Rassismus und sein atavistisches Verständnis von Familie als Ort der Reproduktion von „Volk“ und zur „Stärkung der Nation“ gab er bereits am 9. April 2019 in einem aufschlussreichen Interview mit dem extrem rechten YouTuber Oliver Flesch wieder. Dabei wurde er zusammen mit dem zweiten Protagonisten von „Ruhrpott Roulette“, dem Identitären Marius König, interviewt. Auf die Frage, was er als erstes tun würde, wenn er an der Macht wäre, antwortet König: „Remigration“. Naggert ergänzt diese xenophobe Aussage damit, dass er die Sozialleistungen für alle Menschen mit Migrationshintergrund kürzen würde, um diesen die „Anreize zu nehmen“, in Deutschland zu bleiben. Weiterhin wünschen sich die Beiden einen Austritt aus der EU um „generell wieder ein Europa der freien und souveränen Völker zu haben.“ Einigkeit bestehe auch bei einem generellen Kopftuchverbot und der „Pflicht eines jeden Deutschen“, Kinder zu zeugen. Auf die Frage nach einem Gesetz, was er erlassen würde, wenn er könnte, antwortet Naggert: „Ich würde das ganze Land aufräumen“. Dass er damit ein rücksichtsloses Vorgehen gegen seine ausgemachten Feinde, nämlich Menschen mit Migrationshintergrund, Homosexuelle und Linke impliziert, wissen seine Zuhörer*innen und goutieren seine Aussagen wohlwollend in den Kommentaren. Ob dann auch Menschen deutscher Abstammung zur Reproduktion von Kindern gezwungen werden sollen, muss an dieser Stelle stark angenommen werden. Der autoritäre und elitäre Charakter, den Naggert sehr gern verkörpern möchte, wird in diesem Interview deutlich.

Sein völkisch-nationalistisches, antifeministisches und rassistisches Weltbild überträgt sich selbstredend auch auf seine Rap-Texte, in denen er diese gerne in Bürgerkriegsszenarien und Drohungen gipfeln lässt. Auch das zentrale Narrativ der Identitären Bewegung und zugleich Verschwörungstheorie vom großen, geplanten Bevölkerungsaustausch nimmt Naggert in seine Texte auf. Im Folgenden sind einige Textzeilen dokumentiert:

Ich gehe raus und seh´ das Schicksal meiner Heimat, sehe, wie das Volk krepiert, gelenkt von diesem Scheißstaat. Ich heb die Faust und steh mit Tausenden vorm Reichstag, auf die Straße, reiht euch ein, solange ihr noch Zeit habt. Prototyp, ich rechne ab, für das, was ihr gemacht habt. Ich hör erst auf, wenn alle randalieren in jeder Kackstadt. Ich attackiere weiter, bis ich es vollbracht hab. Am Ende wird man sehen, ob der Deutsche zuletzt gelacht hat. […] macht doch, was ihr wollt, ihr werdet sehn, was bald geschieht, wenn der Adler wieder über unserer Heimat fliegt.

(„Deutschland“, 2019)

„Die Masse ist total zersetzt, umerzogen, programmiert. Das Volk im Westen fast ersetzt. Hier sieht man Schulen, wo kein Kind mehr Deutsch spricht […] Die Scheiße wird gesteuert, kontrolliert und finanziert, von Massenmedien befeuert, uns geht es gut, dass ich nicht lache, der Fall Europas ist beschlossene Sache […] Es ist so weit, Zeit für den Aufstand, das Volk steht nun bereit für den Aufstand, eure Herrschaft ist vorbei nach dem Aufstand, Zeit für den Aufstand, Zeit für den Aufstand.“

(„Aufstand“, 2019)

„Gerade Gehen, Deutsches Blut, Patrioten, die sich wehren […] Wir sind Kämpfer, der Sturm zieht auf im ganzen Lande, geh mal lieber weg mit deiner Autotune-Migranten-Bande.“

(„Neuer Deutscher Standard“, 2019)

„Der Jugend fehlen Vorbilder und Werte, doch in Bautzen nicht. Denn dort bist du als Antideutscher, der der auf die Schnauze kriegt.“

(„Für die #NDSFam“, 2019)

Ihr seid der Grund, warum ich diesen Staat verdamm´“

(„Mann von Ehre“, 2019)

„Die Linken erstarren bei dem Anblick der Meute […] Diese Opfer sind dicht, kein Erfolg, keine Ehre. Erst fliegen die Joints und dann fliegen die Zähne […] Yeah, Proto, toxisch, männlich[…]“

(„Deutschland wird am Glas verteidigt“, 2019)

„Sie nennen uns Sexisten, die nur hohle Sprüche nutzen. Prototyp, sieh wie Feministen meine Küche putzen. Kämpfe für das Volk auch in größter Not […] Ehre, Stolz und Tradition sind mein Gebot […] Ich bin erst zufrieden, wenn die Jugend wieder gerade geht und überall in jeder Stadt die deutsche Fahne weht.“

(„Patriot“, 2020)

 

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Quellen & Verweise:

https://www.saechsische.de/bautzen/chris-ares-christoph-zloch-weifa-steinigtwolmsdorf-cunewalde-oberlausitz-tattoostudio-rechter-treff-gemeinderat-5285761-plus.html

„Identitäre Bewegung“: IB-Event floppt in Halle dank starkem Gegenprotest

https://www.br.de/puls/musik/aktuell/chris-ares-neuer-deutscher-rechtsrap-afd-100.htmlNeuer

https://antifabochum.noblogs.org/tag/kai-naggert/

https://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/record-release-party-mit-bloody-32

https://www.laut.de/News/Doubletime-Ein-Hitlerwitz-zur-Weisswurst-30-01-2020-16682/Seite-9

https://twitter.com/IbDoku/status/1301779654471286784

https://twitter.com/IbDoku/status/1300305526883049472

https://plus.pnp.de/lokales/bad_reichenhall/3793356_AFD-BUNDESTAGSABGEORDNETER-UND-KREISVORSITZENDER-Keine-normalen-Polizisten.html