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Ethnopluralismus oder kurz: „Deutschland den Deutschen

Ideologisch vertreten die Identitären einen Ethnopluralismus, wie er auch den rassistischen Vorstellungen des Nationalozialismus und der Apartheid zugrunde lag. Das Konzept des Ethnopluralismus ist allerdings nichts anderes als ein Euphemismus für Kulturrassismus, der sich zur Zeit vor allem in einem manifesten antimuslimischen Rassismus äußert. Der Rassismus und der Fremdenhass kommt bei den Neurechten allerdings verklausulierter daher, als bei der alten Rechten. Das heutzutage negativ konnotierte Wort „Rasse“ wird häufig durch „Kultur“, Ethnie“, „Volk“, oder „Nation“ und das durch den Nationalsozialismus vorbelastete Wort „Lebensraum“ wird durch „angestammte Territorien der Völker“ ersetzt – ein „Rassismus ohne Rassen“ wie es die Soziologen Étienne Balibar und Stuart Hall passend beschreiben. Der Ethnopluralismus schreibt jedem Individuum eine Volkszugehörigkeit und ein bestimmtes Territorium zu. Dabei lösen sich die Identitären von genetischen Erklärungen und beziehen sich stattdessen auf die Kultur als Determinante von bestimmtem Verhalten. Die dahinterstehende „Blut und Boden“-Theorie der Nationalsozialisten verschwindet aus der Ideologie der IB nicht, sie wird neu verpackt und kulturelle Differenzen als naturgegeben und essentiell verkauft.

Ethnopluralist-Shirt des Identitären Versandhandels Phalanx Europe

Die Identitären sehen sich nicht als “Nationalisten”, sondern als “Patrioten” und fordern einen “Ethnopluralismus”. Vereinfacht ausgedrückt: Andere Kulturen und Religionen sind okay, solange sie in ihren Ländern bleiben. Um die rassistischen, ausgrenzenden und spalterischen Absichten hinter ihrer Ideologie zu verbergen, werden die Identitären nicht müde zu betonen, dass die verschiedenen „Kulturen“ als „gleichwertig“ zu behandeln seien. Diese angebliche “Gleichwertigkeit” der Kulturen findet aber bereits bei nicht-europäischen bzw. muslimischen Zuwanderern ein Ende. Diese werden pauschal als Gefahr, wahlweise als Terroristen oder Vergewalltiger, dargestellt. Ihre reine Anwesenheit auf europäischem Boden ist für Identitäre damit eine Provokation. Nach der Ideologie der Identitären werden Muslime und „kulturfremde Nicht-Europäer“, aber auch Vertreter*innen des verhassten liberalen Systems, also Pressevertreter sowie Politiker*innen links der Mitte, als Feinde klassifiziert. Wer sich für Toleranz, für eine multikulturelle Gesellschaft oder für Geflüchtete engagiert, handelt in den Augen der Neurechten widernatürlich. Hier überschneiden sich die Inhalte der Neurechten und der NPD einmal mehr. Wenn Mario Müller, Kopf der Identitären Bewegung in Deutschland, zu Beginn des Dokumentarfilms „Rechte Wende“ sagt: „[…] bleibt Deutschland das Land der Deutschen“, dann übernimmt er den Nazislogan „Deutschland den deutschen – Ausländer raus!“ und bekommt dafür Applaus von der NPD bis zu den freien Kameradschaften. Das deutsche Volk (Blut) und sein Land (Boden) haben ethnisch deutsch zu bleiben. Weiterhin ist die IB der Meinung, dass jeder Mensch allein durch seine Herkunft, Sprache und Tradition bedingt ist – das imaginierte „Eigene“ dient dabei quasi als Religionsersatz. Dass eine solche Weltanschauung anachronistisch ist und dem Stand der Wissenschaft widerspricht, zeigen allein die Tatsachen, dass sie Widersprüche wie Gegenkulturen, oder den Fakt, dass sich Kulturen in stetem Wandel und Austausch mit anderen Kulturen befinden, ignorieren. Étienne Balibar hält eine solche Ideologie für gefährlich. Er hält es für möglich, dass „die gegenwärtigen Varianten des Neorassismus nur eine ideologische Übergangsformation bilden“, um Diskurse vorzubereiten, in denen nicht „genealogische Mythen“, sondern „psychologische Bewertungen intellektueller Fähigkeiten“ vollzogen werden (Balibar in Rasse, Klasse, Nation). Das Buch „Wofür wir kämpfen“ des Neurechten Guilaume Fayes, der sich in Identiären und Neurechten Kreisen großer Beliebtheit erfreut, verbindet den rassischen und kulturellen Aspekt mehr als eindeutig, wenn Fayes schreibt, dass „Kultur letzten Endes auf einer biologisch vererbten Grundlage beruht, die auf ganz besondere (biologische) Anlagen verweist.“

„Lampedusa Coastguard“ – der IB-Versand Phalanx bietet eine breite Palette an menschenverachtenden Merchandise-Artikeln

Um diese menschenfeindliche Ideologie zu rechtfertigen schufen die Identitären die Legende vom „Großen Austausch“, bei dem derzeit die europäische Bevölkerung gegen eine nichteuropäische „ausgetauscht“ werde. Die nichteuropäischen Migrant*innen werden dabei in wesentlichen Teilen als Kriminelle und Sozialleistungsbetrüger beschrieben. Hinter diesem angeblichen Bevölkerungsaustausch steckt nach Ansicht der Identitären in üblicher verschwörungstheoretischer Manier ein geheimes Projekt der „Sozial-Asyl-Migranten-Lobby“. Dagegen kämpfen die neuen Rechtsradikalen: das Eigene muss verteidigt und möglichst rein gehalten werden. Der Traum: einen weißen Ethnostaat bzw. ein weißes, christliches Europa.

Die Jugend Europas soll auf die ethnische Reinhaltung und Rückeroberung eingeschworen werden

Mit ihrem Kampfbegriff “Reconquista” beziehen sie sich auf die Rückeroberung und Rechristianisierung der iberischen Halbinsel im Mittelalter. Von einer solchen gewaltvollen ethnischen Säuberung gegen fremdländische Einflüsse, die zu einem weißen, christlichen Europa führt, träumen die Identitären auch heute, wenn sie bei Demonstrationen laut: „Europa, Jugend, Reconquista!“ brüllen. Wie die Besetzung der Moschee in Poitiers 2012 zeigt, sehen sich die Identitären als ideologische Nachfahren unter anderem Karl Martells, der im Jahr 732 just in diesem Ort, Poitiers, gegen maurische Soldaten kämpfte. Das Symbol der Identitären Bewegung, der gelbe griechische Buchstabe Lambda auf schwarzem Grund, geht auf eine weitere antike Schlacht zurück. Bei dieser im Frank Millers Comic und dem Film „300“ nachgestellte Schlacht zwischen zahlenmäßig unterlegenen Spartanern und Persern tragen die Spartaner Schutzschilder mit dem griechischen Buchstaben Lambda. Für die Identitären ein ideales Symbol in ihrem europäischen Kampf gegen alles Fremde.


Quellen und Verweise:

http://www.michael-lausberg.de/index.php?menue=exclusiv&inhalt=ethnopluralismus

http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/173908/glossar?p=17

http://www.belltower.news/lexikontext/was-ist-ethnopluralismus

https://www.politische-bildung-brandenburg.de/node/8664

http://www.taz.de/!5464534/

http://deacademic.com/dic.nsf/dewiki/1160407#Rassismus_ohne_Rassen_nach_.C3.89tienne_Balibar

http://www.fb10.uni-bremen.de/inputs/pdf/Rassismusbegriff_von_Stuart_Hall.pdf

https://books.google.de/books?isbn=3839423643