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Entstehung I: Die Nouvelle Droite und der französische Rechtsterrorismus als Geburtshelfer der Identitären Bewegung in Frankreich

Die Nouvelle Droite ließ seit den 60er Jahren verschiedene Gruppierungen und Parteien in Frankreich entstehen, in dessen ideologische Tradition die IB in Frankreich stehen sollte. Die direkten Wurzeln der IB liegen jedoch im Rechtsterrorismus zu Beginn des neuen Jahrtausends. Die Génération Identitaire war die Jugendorganisation des 2003 gegründeten nationalistischen Bloc Identitaire. Dieser war als Nachfolgeorganisation der rechtsextremen “Unité Radicale” ins Le

ben gerufen worden, nachdem diese 2002 verboten wurde, da ein Mitglied am französischen Nationalfeiertag auf den damaligen Präsidenten Jacques Chirac geschossen hatte.

Weitere gewalttätige Übergriffe gingen auf das Konto der Gruppe. Die „Unité Radicale“ war eine nationalrevolutionäre Gruppierung, die globalisierungskritisch, rassistisch und antisemitisch agitierten. Das Verbot der militanten, rechtsextremen „Unité Radicale“ war die Geburtsstunde des Bloc Identitaire und damit auch der Identitären Bewegung. Diese hatten aus dem Verbot gelernt, dem Repressionsdruck durch andere Formen des Aktionismus und der Distanzierung zum Nationalsozialismus zu entgehen. Der ewiggestrige Bezug zum Nationalsozialismus versprach zudem perspektivisch keinen Anschluss an die rechte Mitte. Die neue rechte Bewegung sollte jugendlich, attraktiv und gebildet wirken und sich so vom klischeehaften Neonazismus äußerlich unterscheiden. Beim Bloc Identitaire handelt es sich um eine Gruppierung mit einer fremdenfeindlichen Orientierung, die eine wahlweise europäische, nationalistische und/oder regionalistische Einstellung vertritt und gegen Einwanderung, Multikulturalismus und “Überfremdung” agitiert.

Um Nachwuchs zu rekrutieren, wurde bald eine eigene Jugendorganisation aus weiteren einschlägigen Gruppierungen gegründet: die Generation Identitaire. Die Generation Identitaire trat erstmals am 20. Oktober 2012 öffentlich in Erscheinung, als etwa 40 Identitäre in der französischen Stadt Poitiers das Dach einer Moschee bestiegen und ablehnende Banner zeigten. Die u.a. darauf zu lesende Jahreszahl 732 steht für den Sieg Karl Martells über die Mauren bei der Schlacht von Poitiers im selbigen Jahr. Weiterhin wurde bei dieser Aktion bereits ein Banner mit dem griechische Buchstaben Lambda – schwarz auf gelben Grund – gezeigt, welches zum länderübergreifenden Symbol der Identitären wurde. Das Symbol soll das Stadtwappen Spartas gewesen sein. Entnommen haben es die jungen Neurechten dem Blockbuster „300“ aus dem Jahr 2006. Es ist das Symbol, das dem Mythos nach 300 Spartaner im Kampf gegen die Übermacht der persischen Armee an ihren Schildern trugen. Ähnlich elitär und kämpferisch sehen sich die jungen Neurechten, die als männliche, ehrenhafte, soldatische und geistige Elite, den Kampf gegen die fortschrittliche, emanzipierte, globalisierte und multikulturelle Welt anführen.

Ende 2017 folgten die juristische Konsequenzen für die Mocheebesetzung in Poitiers

In den folgenden Monaten gründen sich Ablegergruppen in anderen europäischen Städten. Die jungen Männer haben eine eigene Vorstellung von Europa – nämlich ein christliches, weißes Europa, dass gegen Zuwanderung geschützt werden muss. Im Herbst 2012 folgt ein auf YouTube veröffentlichtes und in verschiedene Sprachen übersetztes Video, in dem die Identitären eine “Kriegserklärung” (Déclaracion de Guerre) gegen die ihnen verhasste offene, multikulturelle Gesellschaft veröffentlichen. Das emotionalisierende und mit dramatischer Musik unterlegte Video zeichnet ein Untergangsszenario und prangert den vermeintlichen ethnischen Zusammenbruch an, der durch eine „Überfremdung“ einhergehe. Die darin getroffenen Aussagen wie „wir sind die Generation […] des totalen Scheiterns, des friedlichen Zusammenlebens und der aufgezwungenen Vermischung“ und „Wir glauben nicht mehr daran, dass Mehmet jemals unser Freund wird“ zeigen eindeutig die aggressive, rassistische Ausrichtung der Neurechten. Das Video ging viral und gab die ideologische Marschrichtung vor.

Nach alter Tradition besuchte die NPD-Jugendorganisation (JN) die faschistische Casa Pound (lsa-rechtsaussen.net)

Ein weiterer Bezugspunkt bei der Entstehung einer jugendlichen, aktionistischen Rechten ist in der italienischen Casa-Pound-Bewegung zu finden. Die neofaschistische Organisation gründete sich 2003 aus einer Hausbesetzung heraus. In Stil, Rhetorik und Aktionen orientiert sich Casa Pound an linken Aktionsformen, jedoch verbunden mit positiven Bezügen auf den historischen italienischen Faschismus. Zudem ist Gewalt ein selbstverständlicher Teil ihres politischen Handelns. In den letzten Jahren gab es zahlreiche Besuche von Identitären Gruppierungen bei Casa Pound in Italien. Das von den Identitären bezogene Haus in Halle nahm Casa Pound zum Vorbild.

Die Identitäre Bewegung entstand in Frankreich, fand jedoch in den letzten Jahren Anhänger in einigen weiteren Staaten Europas. Aktive und zahlenmäßig relevante Gruppen bestehen vor allem in Italien (Generazione Identitaria), sowie in Österreich (seit 2012) und Deutschland (seit 2012 virtuell, seit 2014 als Verein). Weiterhin bestehen Gruppen in Tschechien, den Niederlanden, Belgien, Spanien, Schweiz, Großbritannien, Ungarn und Slowenien.


Quellen und Verweise

https://www.endstation-rechts.de/news/die-nouvelle-droite-in-frankreich-die-mutter-der-deutschen-neuen-rechten.html

https://www.antifainfoblatt.de/artikel/die-europ%C3%A4ische-%C2%BBidentit%C3%A4re-bewegung%C2%AB

http://ibwatchout.blogsport.de/images/IBD3.pdf

https://www.heise.de/tp/news/Kriegserklaerung-gegen-den-alten-Erzfeind-2011780.html

journals.sfu.ca/jed/index.php/jex/article/download/95/123