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Die Neue Rechte: Ein gefährlicher Altherrenclub mit einer menschenverachtenden Weltanschauung

Die Schlange: sie häutet sich, häutet sich wieder – und bleibt doch immer die gleiche.

– Ellen Kositza, Autorin und Ehefrau des neurechten Ideologen Götz Kubitschek über das Wappentier ihres Verlages Antaios, mit ihrer Metapher für alte und Neue Rechte

Die Identitäre Bewegung ist ideologisch in der Neuen Rechten angesiedelt, wobei der Übergang zu altbekannten rechten, nationalistischen Inhalten fließend ist. Die Theorien der „Neuen Rechten“ waren wichtige Bezugspunkte für die Nationalsozialisten und ebneten den Weg in ein faschistisches Deutschland. Vieles was die Neue Rechte propagiert geht auf Autoren der Weimarer Republik wie Oswald Spengler, Ernst Jünger, Ernst von Salomon und Arthur Moeller van den Bruck zurück, was eine direkte weltanschauliche Linie zur „alten Rechten“ zeigt. Hierbei spannt sich ein vielfältiges Feld von verschwörungstheoretisch, über offen rassistisch bis sozialdarwinistisch-neoliberalen Inhalten. In einem Essay des Onlinemagazins „Belltower“ wurde mit Rückgriff auf bekannte Rechtsextremismusforscher (Feith, Brauner-Orthen) folgende Definition unternommen: „Neue Rechte“ bezeichnet diejenige Strömung des rechtsextremen Lagers, die Mitte/Ende der 1960er Jahre aus den Organisationsstrukturen des „Alten Rechtsextremismus“, vor allem der NPD, ausgebrochen ist, um unter Rückgriff auf die (auch von der französischen Neuen Rechten verfochtenen) Ideen der Weimarer Konservativen Revolution und durch Entwicklung metapolitischer Konzepte eine Erneuerung der ideologischen Grundlagen – und damit eine Intellektualisierung sowie Modernisierung – des rechten Lagers der Bundesrepublik zu erreichen.

Erklärte Gegner sind dabei heutzutage zum einen eine offene, egalitäre Gesellschaft mit universellen Menschenrechten und zum anderen der radikale, politische Islam, der auch gerne mit Geflüchteten gleichgesetzt wird. Die Neue Rechte unterscheidet dabei zwischen „wirklicher“ und „absoluter“ Feindschaft.. Der „absolute“ Feind ist dabei eine universalistische, freie und offene Gesellschaft, welche die Menschenrechte als global gültig impliziert. Eine solche Entwicklung wird von den Neurechten gerne als „Amerikanisierung“ Europas begriffen. Zu Beginn von Pegida gab es nach Elsässer sogar Diskussionen, die fremdenfeindliche Demonstration Pegada zu nennen, was sich dann gegen eine „Amerikanisierung“ des Abendlandes gerichtet hätte. Die Rechten entschieden sich aus taktischen Gründen aber doch für den sichtbaren und einfacher zu bekämpfenden „wirklichen“ Feind – den Islam. Dieser ist für die Neurechten im Zusammenhang mit der „Flüchtlingskrise“ das greifbarere, offensichtlichere Problem, womit sich Emotionen und Ängste schüren lassen. Nach Logik der Neuen Rechten ist jedoch die vermeintliche Islamisierung (wirklicher Feind) erst durch eine liberale, säkulare, „verweichlichte“ und amerikanisierte Gesellschaft (absoluter Feind) ermöglicht worden. Der mit Geflüchteten gleichgesetzte radikale Islam, ist für die Neurechten also nur das Mittel, um Ängste zu schüren und Massen zu mobilisieren. In weiten Teilen des Neurechten Lagers findet der radikale Islam aufgrund struktureller Gemeinsamkeiten sogar Zuspruch: der Mann als heroischer Krieger, die Frau als ihm passiv untergeordnet, die kulturelle und religiöse Reinhaltung, der gemeinsame Kampf gegen die „Moderne“ und die jüdisch-amerikanische Übermacht. Für die neurechte Zeitschrift Sezession hat der Islam eine „furchtvolle Faszination“. Martin Lichtmesz (Semlitsch) formulierte die Gemeinsamkeiten ebenso deutlich: „Der heutige islamische Fundamentalismus wie auch die Konservative Revolution in Deutschland […] sind beide Ausdruck des Widerstands gegen die Moderne“. Die antisemitische Komponente bedient die Neurechte Jugendzeitschrift Blaue Narzisse, indem sie „jüdischen Organisationen“ unterstellt, meist „linksradikale Positionen“ zu vertreten und „gegen Patrioten und für Multikulti“ Stellung zu beziehen. Die Identitäre Bewegung nutzt in diesem Zusammenhang gerne die antisemitischen Äußerungen von Thorsten Hinz, die er 2009 in der Jungen Freiheit tätigte: „Der mächtigste Dämon der Gegenwart ist die Zivilreligion, in der Auschwitz an die Stelle Gottes tritt“. Das Gedenken soll dämonisiert und als „Schuldkult“ gebrandmarkt werden. Vergangenheitsbewältigung ist für die Neue Rechte ein von fremden Mächten auferlegtes Mittel zur Unterdrückung der deutschen Identität. Volker Weiß fasst diese „Hass-Liebe“ zwischen radikalem Islam und Neurechter Gedankenwelt wie folgt zusammen: „Ihr Hauptfeind ist nicht die Lehre Mohammeds, sondern die globale Moderne mit all ihren Konsequenzen. In manchem gleichen sie ihrem islamischen Feind sogar, denn die geistige Welt eines autoritären Ultrakonservatismus, wie ihn der politische Islam darstellt, entspricht ihrer eigenen viel mehr als die der dekadenten westlichen Zivilisation. Und selbst Höcke verkündete bereits: „Der Islam ist nicht mein Feind, unser größter Feind ist die Dekadenz.“ Der vorgeschobene, „wirkliche“ Feind des radikalen Islam hat also verblüffend viele Gemeinsamkeiten mit der autoritären Ideologie der Neuen Rechten. Innerhalb der Neuen Rechten ist jedoch klar, dass der „absolute“ Feind eine säkulare, emanzipierte und liberale Gesellschaft ist.

Die Strömung der Neuen Rechten  existiert in inhaltlich ähnlicher Weise auch in anderen Ländern wie Frankreich (Nouvelle Droite), Großbritannien oder den USA (New-Right/ Alt-Right). Hervorzuheben ist Alain de Benoist, der Vordenker jener “Nouvelle Droite”, der Hegemonie-Erwägungen des marxistischen Theoretikers Antonio Gramsci in diese Debatten aufnahm und den Blick der Rechten für Themen wie Ökologie (“Umweltschutz ist Heimatschutz”) oder Wachstumskritik öffnete.

Ein weiterer Punkt dieser Strategie ist das fremdenfeindliche Konzept des Ethnopluralismus, dem zufolge jedes Volk einen festen, kulturellen Wesenskern und einen historisch zugewiesenen Raum habe. Auch hier war Alain de Benoist der Urheber der Wortneuschöpfung, die alte, rassistische Ansichten verkörpert. Die „Neuen Rechten“ in Deutschland, die sich zunächst vor allem um die 1986 gegründete Wochenzeitung Junge Freiheit scharten, versuchten sich an die Spitze einer uneinheitlichen, rechtsgerichteten politischen Strömung zu setzen und damit eine Ideologie zu kreieren, unter der sich sowohl demokratische Konservative, als auch antidemokratische Rechtsextremisten versammeln konnten. Protagonisten wie Götz Kubitschek, Felix Menzel, Karlheinz Weißmann und Dieter Stein versuchten über Schriften und Veröffentlichungen die Gemeinsamkeiten am rechten Rand des politischen Systems zu betonen. Zusammen gründeten sie 2000 das Institut für Staatspolitik (IfS), was nach der Ersteigerung des Rittergutes Schnellroda zwei Jahre später von Bald Vilbel in die thüringische Provinz umzog. Parallel dazu gründete Kubitschek 2002 den Verlag Antaios und es entstand die Zeitung Sezession, die beispielsweise die Alternative Right aus den USA vorstellte und dabei deren Bestrebungen einen „weißen Ethnostaat“ lobend erwähnte. In der Folge kam es immer wieder zu Streitigkeiten und Rangkämpfen, sodass die intellektuelle Neue Rechte bald arbeitsteilig vorging. Kubitschek, der Stichwortgeber und Theoretiker führte das Institut für Staatspolitik als neurechte Denkfabrik und sorgte über seinen Verlag für eine ideologische Unterfütterung der Bewegung. Ihm ging es dabei um Forschung, Wissenschaft und Nachwuchsförderung. Im IfS finden mittlerweile regelmäßig ideologische Schulungen für junge Rechtsextreme statt. Die bekannten Kader der Identitären Bewegung bekamen dort ihren letzten ideologischen Schliff.

Antaios Verlag und Sezession geben den jungen Identitären das ideologische Rüstzeug für ihren Kampf für ein weißes Europa

Parallel zu Kubitscheks Denkfabrik entwickelte sich die Junge Freiheit unter Karlheinz Weißman und Dieter Stein zum Sprachrohr der AfD, da ihnen die Positionen von Kubitschek („Das deutsche Volk ist ein Entwurf Gottes“) zu radikal waren. Der von Kubitschek geleitete Verlag Antaios veröffentlicht Publikationen, die sowohl von Rechtsextremisten als auch von Neurechten gelesen werden. Nachdem der türkisch-deutsche Autor Akif Pirincci als Pegida-Redner in Dresden den Satz gesagt hatte: „Die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb“, war er wegen Volksverhetzung angezeigt worden und verlor seinen bisherigen Verleger Bertelsmann. Der Antaios-Verlag bot dem wegen seiner rassistischen Ausfälle bekannten Autor daraufhin einen neuen Vertrag.

Der neonazistische Blog „Revolte auf Beton“ verbindet was ideologisch zusammengehört: Identitärer Bewegung, Casa Pound, Pegida und HoGeSa

Martin Semlitsch, der sich als Autor Martin Lichtmesz nennt, ist ein weiterer Vertreter und Autor der heutigen Neuen Rechten und gehört seit 2007 zum Autorenstamm der durch Götz Kubitschek zu verantwortenden neurechten Zeitschrift Sezession. Semlitsch ist Mitglied der Identitären Bewegung Österreich und schwärmte in seinem Bericht nach seinem Besuch in Italien von der faschistischen Casa Pound Bewegung die dort mehrere Häuser besetzte, dass diese weder „links noch rechts“ seien, sondern schlicht „fascista“. Kubitschek und er fanden in den italienischen Neofaschisten um Casa Pound ihre Umsetzung einer heroisch-männlichen Haltung und revolutionärer Dynamik mit der Ästhetik einer Bewegung. Der autoritäre Rebell, eine Gründungsfigur des historischen Faschismus , war für sie ein attraktives Rollenmodell (Vgl. Weiß, 2017). Die zahlreichen Besuche bei italienischen Neofaschisten und die Einladung des italienischen Rechtsterroristen Gabriele Adinolfi 2013 sprechen für sich.

Viele Themenfelder der Neurechten unterscheiden sich in der Form, nicht aber vom Inhalt her, von jenen der Alten Rechten. Die Identitäre Bewegung nutzt diese „neue Verpackung“, um altrechte Inhalte wieder salonfähig zu machen. Dabei inszeniert sich die IB selbst als elitäre, gebildete und rebellische Jugendkultur, die gegen ein für sie linkes, tolerantes Establishment kämpft. Dieser Kampf, den die Identitären führen, findet sowohl auf der Straße statt, als auch in den Diskursen, die sie versuchen zu beeinflussen. Dies geschieht durch Begriffe, Definitionen und Wortumdeutungen – also die Sprache. Bewusst schüren die neuen Rechtsextremen eine beängstigende Weltuntergangsstimmung (Bürgerkrieg, Bevölkerungsaustausch, allgegenwärtige Terrorgefahr) und platzieren dabei gezielt Wortneuschöpfungen wie „Ethnomasochismus“, „Schuld-Sekte“ oder „Austausch“ in Diskursen. Dabei versuchen sie den Rahmen des Unsagbaren stets zu erweitern und begehen immer wieder bewusste Tabubrüche im Bereich des Rassismus und Antisemitismus. Die Aktionen und Selbstinszenierung der „Identitären“ sorgten für Aufsehen und Begeisterung in der „Neuen Rechten“, da man damit auf Anschluss an jugendliche Zielgruppen hoffte. Die Identitäre Bewegung nimmt in dieser rechtskonservativen Bewegung die Rolle der jugendlichen Fußtruppe ein, die alte Inhalte neu aufpoliert und Jugendliche zu indoktrinieren versucht.


Quellen und Verweise

https://www.kreiszeitung.de/lokales/diepholz/weyhe-ort54198/vortrag-weyher-jugendhaus-trafo-ueber-identitaere-bewegung-9637291.html

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama3/Neue-Rechte-auf-dem-Vormarsch,neuerechte104.html

http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/229981/die-neue-rechte-in-der-bundesrepublik

http://www.deutschlandfunk.de/neue-rechte-alte-ideen-in-neuem-gewand.1310.de.html?dram:article_id=381557

http://www.belltower.news/artikel/begriffe-und-konzepte-der-neuen-rechten

https://www.3sat.de/page/?source=/nano/glossar/alt_right.html

https://www.stern.de/panorama/gesellschaft/identitaere-bewegung–die-neuen-rechten—hip-und-voelkisch-7238900.html