Use your widget sidebars in the admin Design tab to change this little blurb here. Add the text widget to the Blurb Sidebar!

Defend Ruhrpott“ – Erste Einschätzungen zu einer neuen, alten extrem rechten Formation im Ruhrgebiet

Das extrem rechte Netzwerk „Defend Ruhrpott“ (DR) wurde Anfang Juli 2018 ins Leben gerufen und ist ein Zusammenschluss der verschiedenen Ortsgruppen der Identitären Bewegung im Ruhrgebiet.

Aus „rechts“ wird „identitär“

Die Struktur untersteht der Regionalgruppe IB-NRW. Der nach knapp zwei Jahren ihrer Existenz übrig gebliebene harte Kern der jeweiligen IB-Ortsgruppen Dortmund, Hagen, Bochum, Essen und Duisburg ist in der neuen Struktur aufgegangen. So startete die neue Ruhrgebietsgruppe zwar mit einer überschaubaren Anzahl an jungen Rechten, jedoch mit einiger Vorerfahrung und radikalen Führungskadern.

Zunächst gab sich „Defend Ruhrpott“ die eindeutige Selbstbezeichnung „jung, radikal, rechts“. Diese Eigendefinition war einigen Identitären zu selbstentlarvend und bald darauf wurde die „rechts“ durch „ patriotisch“ ersetzt. Um DR eine eigene Identität zu geben, wird gerne eine Ruhrpott-Romantik bemüht, die zum einen die sozioökonomische Realität und zum anderen die kulturelle Vielfalt im Ruhrgebiet gekonnt vernachlässigt.

Warum „Defend Ruhrpott“?

Auch in Neonazi-Kreisen ein beliebter Slogan

Der Name „Defend Ruhrpott“ geht auf die menschenverachtenden IB-Kampagne „Defend Europe“ vom Sommer 2017 zurück, bei der Identitäre mit einem Schiff versuchten, die Rettung in Seenot geratener Geflüchteten zu behindern und Todesopfer damit billigend in Kauf nahmen.

Ähnlich wie bei der „120 Dezibel“ Kampagne der Identitären, die in NRW maßgeblich von der in Bonn aktiven Reinhild Boßdorf initiiert wurde, versucht sich die IB unter anderem Namen neu zu branden, damit durchgeführte Aktionen nicht mit dem bereits vielerorts verbrannten Namen „Identitäre Bewegung“ in Verbindung gebracht werden. Daher wurde die Gruppe bewusst nicht „IB Ruhrpott“ benannt und auch das Lambda, das Symbol der IB, fand sich nicht im Logo wieder. Um die Gründung von „Defend Ruhrpott“ zu verstehen, hilft ein Blick auf die Entwicklung der Identitären Bewegung im Ruhrgebiet:

Im September und Oktober 2017 gab es im Ruhrgebiet fünf Ortsgruppen, die zu organsisierten Stammtischen einluden: In Bochum, Hagen, Essen, Duisburg und Neuss wurden diese Stammtische angekündigt. Insgesamt fanden in NRW angeblich 14 Stammtische statt. Im Januar und März 2018 gab es noch vier Ortsgruppen im Ruhrgebiet: Dortmund, Bochum, Essen, Duisburg. Der abnehmende Trend war auch in Gesamt-NRW festzustellen. So sank die Zahl der Stammtische auf 11 Veranstaltungen. Trotz einer medialen Offensive wurden für den April 2018 nur noch vier Stammtische in NRW (Westfalen, Rheinland, Bergisches Land, Ruhrpott) angekündigt, wovon nur noch einer im Ruhrgebiet stattfinden sollte.

Von 13 auf 4 Stammtische in NRW

Nachdem die „Identitäre Bewegung“ 2017 im Ruhrgebiet eine Aufbruchsstimmung erlebte, die von regelmäßigen Aktionen und Gründungen von Ortsgruppen begleitet war, scheint diese Euphorie mittlerweile verpufft. Die oben dargestellte Abnahme der Ortsgruppen in NRW und im Ruhrgebiet im Speziellen, ist das Resultat dieser Entwicklung. In Bochum beispielsweise wurde der zynisch-menschenverachtende Aktivismus der ansässigen Identitären nahezu eingestellt. Die Ortsgruppen im Ruhrgebiet bestanden vielfach nur aus wenigen Einzelpersonen und konnten kaum dauerhafte Zugänge verbuchen. Schließlich kehrte sich der Trend sogar um und mehrere Identitäre stellten ihren politischen Aktivismus ein (bspw. der ehemalige Ortsgruppenleiter Marco Müller aus Bochum). Anschließend stellte sich in dieser Situation nur eine Zusammenfassung der IB aus dem gesamten Ruhrgebiet als sinnvoll dar.

Aus dem Strategiepapier der IB

Identitäre im Ruhrgebiet bekommen Gegenwind

Der zuvor beschriebene personelle Rückzug in den Strukturen der IB führte parallel zu einem massiven Rückgang der Aktivitäten ab dem Frühjahr 2018. Das zuvor von Identitären im Ruhrgebiet groß angekündigte Aktionsjahr 2018 fand nicht statt.

Gekränkte Reaktion bei Feststellung überschaubarer Anzahl Identitärer

Zunächst muss festgestellt werden, dass die Größe der IB-Stukturen in NRW bzw. im Ruhrgebiet immer überdimensionierter propagiert wurde, als sie tatsächlich war. Dieses „Aufblähen“ von Aktionen und personelle Strukturen, was der IB-Taktik inhärent ist, musste jedoch zunehmend den tatsächlichen Umständen weichen.

Löschung in sozialen Medien gilt intern als „schwerer Schlag“

Der Rückgang von Aktivitäten ist auch auf den fehlenden medialen und digitalen Zuspruch zurückzuführen. Die Reichweite der Social-Media Accounts von „Defend Ruhrpott“ ist sehr überschaubar, sodass aktuell lediglich der engste Kreis an Sympathisant*innen erreicht wird. Dies ist im Vergleich zum Jahr 2017 ein massiver Einbruch an medialer Reichweite, der bekanntlich für die IB allerhöchste Relevanz hat. Es ging nie um die Aktion als solche, sondern um die mediale Aufarbeitung und Verbreitung der Fotos und Videos. Die Sperrung rechter Accounts bei Facebook und Instagram schlug zusätzlich ein Loch in die mediale Inszenierung und Kommunikation der Identitären. Der mediale Hype um die Ibster scheint verflogen. Internetseiten, Blogs und Newsletter die von der IB als unabhängige Alternativen zu Social Media gepriesen wurden, konnten diese in der Folge jedoch nie kompensieren. Internetseiten und Blogs wurden oft nicht aktualisiert und Newsletter erschienen nur unregelmäßig in großen zeitlichen Abständen, sodass ein kontinuierlicher Kontakt zur rechten Anhängerschaft nur unzureichend geleistet wurde.

Zynisch: Anschlag auf den BVB-Spielerbus wird von Identitären in Dortmund für Hetze gegen Geflüchtete und Muslime instrumentalisiert

Weiterhin gerieten u.a. Bochumer Identitäre durch ihre Aktionen mit dem Gesetz in Konflikt Z.B. als diese mit Schlagstock und Pfefferspray bewaffnet sprayend durch Bochum-Weitmar zogen und festgenommen wurden. Die anscheinend noch ausstehenden gerichtlichen Konsequenzen hindern die einzelnen Mitglieder aktuell an der Begehung weiterer Straftaten und lähmen daher die Durchführung von Aktionen, die häufig am Rande der Legalität stattfinden.

Nicht zuletzt erfuhren die Identitären auf unterschiedlichenen Ebenen erheblichen Gegenwind. Im Vergleich zu anderen Standorten arbeiteten Identitäre im Ruhrgebiet klandestin und zeigen sich bis heute kamerascheu. Trotzdem wurden immer mehr Mitglieder bekannt oder in der Nachbarschaft „geoutet“, womit einige Identitäre in der Folge persönlich die Konsequenzen für das Verbreiten ihrer menschenverachtenden Ideen tragen mussten. Das Agieren und Hetzen (z.B. Falk Schakolat alias „Menschenverstandsradikalismus“) aus der Anonymität heraus war nicht länger möglich. So gab beispielweise Falk Schakolat an, dass ihm aufgrund seiner extrem rechten Einstellung sein Job gekündigt wurde. Die Selbsterklärung durch ein Interview mit dem österreichischen IB-Führungskader Martin Sellner war nur die Bestätigung extrem rechter Aktivitäten und bot interessante Einblicke für Nachbar*innen und Beobachter*innen. Diese ungewollte Bekanntheit, ihre weitreichenden – auch privaten – Konsequenzen und die permanente Angst als Identitärer „geoutet“ zu werden, führte zu personellen Rückzügen innerhalb der IB im Ruhrgebiet.

2018 erschienene Informationsbroschüre zu Identitären

Zusätzlich zur Bekanntmachung von Aktivitäten und Mitgliedern wurde der gesellschaftliche Umgang mit der IB überdacht. Zum Einen wurden Kleinstaktionen nicht mehr sensationsgierig in den regionalen Medien verbreitet, zum anderen wurde fast nüchtern über ideologische Hintergründe, Personen, Netzwerke und Strategien aufgeklärt – das originäre identitäre Narrativ blieb nicht mehr unkommentiert. In Bochum wurde zusätzlich ähnlich wie in anderen Städten (u.a. Halle, Rostock und anderen Städten) eine Kampagne ins Leben gerufen, die die Öffentlichkeit über Strukturen un Hintergründe der Identitären informiert. Die Kampagne „Identitäre in Bochum – Dokumentation extrem rechter Strukturen“ hat das Ziel, Aktivitäten der neurechten Gruppierung zu dokumentieren und über ihre Ideologie, Strategie, Übergriffe und Akteur*innen zu informieren. So wurden neben der Erstellung einer informativen Homepage und eines dazugehörigen Twitter-Accounts zahlreiche Informations- und

Vortragsveranstaltungen durchgeführt. Damit bekamen die Identitären eine ungewollte, kritische Öffentlichkeit, womit sie die Erzählung einer friedvollen, demokratischen Ansammlung besorgter Patriot*innen nicht länger aufrechterhalten konnten. Institutionen und Presse reagierten zunehmend sicher und konsequent gegenüber Identitären, weswegen der öffentliche Raum für die IB kaum mehr zugänglich war. In der Gesamtschau war für das Ruhrgebiet im Jahr 2018 zu beobachten, dass sowohl die Quantität der Aktionen als auch die Gruppenstärke Identitärer Strukturen abnahm. Neben anderen Faktoren ist dies auch ein Ergebnis der konsequenten Gegenwehr gegen die Identitären Raumnahmen und einer umfangreichen Aufklärungsarbeit über die extrem rechten Hintergründe und Ideologien der Identitären.

„Große Klappe…“

Was bisher geschah?

Das Gründungstreffen von DR fand Anfang Juli 2018 statt und  wurde von der IB-typischen, realitätsfernen Ansage „[…] der Pott wird zurückerobert“ begleitet. Es markiert den Startpunkt der Aktivitäten, die sich in der Folge jedoch insgesamt sehr unregelmäßig bzw. eher sporadisch durchgeführt wurden.

  • 28. April, Essen (vor DR Gründung): Identitäre unter Anleitung des Ortsgruppenleiters Marius König erreichen mit Hilfe einer Arbeitsbühne das Dach des Facebook-Löschzentrums, hissen Banner und entzünden zwei bengalische Lichter.

    König war Drahtzieher der Besteigung des Löschzentrums in Essen

  • 2. Juni, Solingen (vor DR Gründung): Demonstration zusammen mit den „Patrioten NRW“. Unter den extrem rechten Rednern ar u.a. Rico Albrecht und „Myriam aus Kandel“. Versuch des Schulterschlusses mit weiteren extrem rechten Akteur*innen sowie Akteur*innen aus dem Neonazimilieu.

    IB-Demo als „Patrioten NRW“ in Solingen am 2.6. mit neonazistischer Beteiligung

  • 7. Juli, Essen: Identitäre stellen im Rahmen der bundesweiten IB-Kampagne auf dem Essener Campus der Universität Duisburg-Essen fünf Mülltonnen unter dem Kampagnen-Motto „Gift der 68er“ Mülltonen auf.
  • 18. August, Köln: Beteiligung an und offizieller Mitveranstalter (neben 9 weiteren rechten Organisationen) der „Demonstration der Patrioten NRW“ mit dem Titel „Demo für Meinungsfreiheit“ auf dem Breslauer Platz. Zu dieser Demo kamen ca. 120 Personen, darunter viele Neonazis und der HoGeSa-Ableger „Gemeinsam stark Deutschland“. Aufgrund des beteiligten Neonaziklientels zog die IB  ihre offizielle Unterstützung kurz vor der Demonstration zurück, um keinen weiteren Imageschaden zu erleiden. Trotzdem erschien u.a. die Münsteraner Ortsgruppe (u.a. Bastian Hans und Daniel Budde), jedoch ohne offensichtliche Materialien der IB.

    IB als Mitorganisator bei extrem rechter Demo mit Beteiligung aus Hool- und Neonazispektrum

  • 29. September, Witten: Bannerdrop von einem Wittener Einkaufszentrum. Identitäre wurden vor, während und nach ihrer Aktion beobachtet, das Banner wurde wenige Minuten nach der Aktion einkassiert und die ganze Aktion wurde „dokumentiert“, wie einem detaillierten Indymedia-Artikel zu entnehmen ist.
  • 13. Oktober, Duisburg: Rund 25 Identitäre aus ganz NRW führen eine „IB-Zone“ in Duisburg durch, die aufgrund von Gegenprotesten verfrüht abgebrochen wurde.

    IB-Zone am 13.10.18 in Duisburg u.a. mit Kai A. Naggert und Reinhild Boßdorf

  • 18. November, Bonn: Kundgebung unter dem Motto „Stoppt den Migrationspakt“. Trotz bundesweiter Mobilisierung und Kampagne fanden sich lediglich 300 Rechte ein, die etwa 45 Minuten auf dem „Platz der Nationen“ ausharrten und dabei von Redebeiträgen Identitärer aus NRW (u.a. Reinhild Boßdorf, Melanie Schmitz und Kai A. Naggert) beschallt wurden. Symbolisch zerrissen Identitäre den eigens ausgedruckten Migrationspakt und ließen Luftballons steigen. Umringt waren die Rechten dabei von rund 1000 Gegendemonstrant*innen.

    IB-Kundgebung in Bonn. RednerInnen: Kai A. Naggert (Wesel), Melanie Schmitz (Essen), Reinhild Boßdorf (Königswinter/Bonn), Edwin Hintsteiner (IB Österreich, Freund von R. Boßdorf)

  • 18. November, Ruhrgebiet (genauer Ort unbekannt): Eine Handvoll Identitärer führt erstmals in NRW ein sog. „Heldengedenken“ an die Reichsheer- und Wehrmachtssoldaten durch. Eine Zeremonie, die am Volkstrauertag traditionell von Neonazis durchgeführt wird.

    Neonazistische Tradition „Heldengedenken“

  • 21. November, Dortmund: Vorbereitungen einer provokativen Aktion in der Dortmunder-Nordtstadt, die allerdings nie durchgeführt wurde.
  • 22. November, Bochum: DinA4-Blätter mit den Gesichtern von Todesopfern werden am Abend im Bochumer Westpark aufgehängt und mit den Namen der Täter versehen, um Gewaltmorde als ein durch Migration entstandenes Phänomen darzustellen. Diese Aktion wurde kurz darauf bemerkt und entfernt.
  • 6. Januar, Ort unbekannt: „Kampfsporttraining im Ruhrpott“ (Krav Maga). Wie im Rest der rechten Szene, wird auch bei den Identitären im Ruhrgebiet Wert auf Wehrhaftigkeit gelegt und der Straßenkampf propagiert.

    „Gewaltlose Identitäre“ machen sich Fit für Straßenkampf und „Reconquista“

  • 14. Januar, Duisburg, Dortmund: In Duisburg suchen am Morgen Identitäre das Büro der Parteien „Die Linke“ und „Bündnis90/Die Grünen“ auf und lassen sich mit einem Transparent davor fotografieren. In Dortmund geschieht dies am Parteibüro von „Die Linke“, in Witten wird ein Poster an das Parteibüro der SPD geklebt. Diese Aktionen reihen sich in die an diesem Tag bundesweit stattfindenden Attacken auf Presse- und Parteihäuser, bei denen es zu Sachbeschädigungen und in einem Fall zu einem körperlichen Angriff des Brandenburger IB-Regionalleiters Robert Timm auf eine Mitarbeiterin der taz kommt.

    Falk Schakolat (Bochum) bei der Vorbereitung der Attacken auf Partei- und Pressehäuser

Reiner Symbolaktionismus, der Aktivität suggerieren soll, wurde in dieser Aufzählung vernachlässigt.

Wer steckt hinter „Defend Ruhrpott“?

Defend Ruhrpott-Stammtisch (v.l.n.r.): Tilman Hauser, Marius König, Kai A. Naggert, Dominic Müller

Hinter DR stecken einige Einzelpersonen, die meist ab 2016 in rechten Zusammenhängen aktiv sind und sich zum Großteil noch nicht sehr lange kennen. In einzelnen Städten bestehen Kleingruppen, deren Mitglieder sich auf persönlicher Ebene bereits länger kennen. In diesem Sinne ist DR jedoch keine gewachsene Struktur. Die Identitären wurden durch die Zusammenlegung der Ortsgruppen zu DR im Juli 2018 „zusammengewürfelt“ und es ist aktuell von einem harten Kern von etwa 10 Personen im Ruhrgebiet auszugehen. Stark vertreten sind dabei die ehemaligen Ortsgruppen Bochum, Essen und Duisburg. Leiter von DR ist der Essener Marius König.

Marco Müller

Marco Müller („Erdmannsky“), ehemaliger Ortsgruppenleiter Bochum, der kurz nach seinem Outing abtauchte und auch bei keinen öffentlichen Aktionen von DR auftrat, ist sehr wahrscheinlich nach wie vor zum engeren Kreis der Identitären im Ruhrgebiet zu zählen. Er ließ bislang nichts anderes verlauten, verzog jedoch im Januar 2019. Kurz nach dem Auszug tauchte in unmittelbarer Nähe seiner ehemaligen Wohnung an der Hattinger Straße erneut ein gespraytes Lambda auf. Ebenso wie Falk Schakolat, der die Ortsgruppenleitung von Marco Müller 2018 übernahm und nach dem Bekanntmachen seiner rechten Umtriebe aus seiner Anonymität gerissen wurde. Mittlerweile zeigt sich Schakolat mit anderen Identitären oder bei AfD-Veranstaltungen auf Fotos (so beim Auftritt von Björn Höcke in Bottrop), bei Aktionen, wie der IB-Zone in Duisburg oder beim Malen von Transparenten. Als gelernter ITler pflegt er u.a. den Twitter-Account von DR und ist Mitglied beim klandestinen Netzwerk „Reconquista Germanica“, das organisiert Hate Speech in sozialen Netzwerken verbreitet. Schakolat war auch an den im Ruhrgebiet durchgeführten Aktionen im Rahmen der bundesweiten Attacken auf Journalisten- und Parteibüros zumindest vorbereitend beteiligt. Müller wie Schakolat pflegen gemeinsam einen tiefen Hass gegenüber Linken sowie den auch  IB-typischen sekundären Antisemitismus. Ihre xenophobe Einstellungen gehen aus Aktionen und Äußerungen beider hervor.

Schakolat bei der vom NRW-AfD-Flügel organisierten Höcke-Rede in Bottrop

Hans auf Nazidemo in Köln am 18.08.18

Nachdem ihre Nachbarschaften über ihre extrem rechten Einstellungen und Aktionen informiert wurden und sich daraufhin persönliche Probleme für beide ergaben, flüchteten sie sich in die Opferrolle und versuchten sich als friedfertige Aktivisten zu präsentieren. Wohnhaft in Bochum ist zudem der Münsteraner Ortsgruppenleiter Bastian Hans. Der gewaltaffine Kampfsportler und ehemalige Hooligan von Preußen Münster, wo er Stadion- und Kurvenverbot erhielt, nahm ebenfalls an verschiedenen Aktionen von DR teil (u.a. IB-Zone Duisburg) und besuchte die Neonazidemonstration in Köln als auch die Kundgebung in Bonn. Bei Aktionen und Kundgebungen übernimmt Hans gerne die Aufgabe des Ordners. Zurzeit ist er Mitglied der Bochumer Burschenschaft Ubia Brunsviga. Weiterhin sucht er zunehmend Kontakt in das extrem rechte Burschenschaftsmilieu. In diesem Kontext trat er Ende November 2018 als Personenschützer des rechten Vordenkers Alain de Benoist bei einem Vortrag in den Räumlichkeiten der ultrarechten Marbuger Burschenschaft Germania auf. Weitergehende Informationen zu den drei Bochumer Identitären finden sich hier:

Nachdem Bochum 2017 als Schwerpunkt identitärer Aktivitäten im Ruhrgebiet war, hat nach dem Rückzug Bochumer Identitärer möglicherweise Essen diesen Status eingenommen. Dies liegt auch an dem Umzug der gebürtigen Essenerin Melanie Schmitz von Halle nach Essen.

Schmitz mit faschistischer Casapound-Fahne, Hass gegen Linke und Aufnäher der Casapound-Band „Zetazeroalfa“

In Halle bewohnte sie zusammen mit weiteren, teils gewalttätigen und der Neonaziszene entstammenden Identitären das rechte Wohnprojekt in der Adam-Kuckhoff-Str. 16. Innerhalb dieser radikalsten deutschen IB-Struktur (ehem. Kontrakultur Halle) wurde Schmitz, die zuvor in einer Damenverbindung in Essen aktiv war, ideologisch geschult. Seit Mitte 2018 lebt sie wieder in Essen und ist mit dem Essener IB-Ortsgruppenleiter Marius König liiert. Marius König ist Leiter von DR.

Marius König 2015

Der Rot-Weiß Essen Fan ist seit Anfang 2017 in rechten Zusammenhängen aktiv und wie seine Freundin Melanie Schmitz schon Gast im extrem rechten „Institut für Staatspolitik“ in Schnellroda bei Götz Kubitschek. Diese stellt mittlerweile die ideologische „Kaderschmiede“ der Identitären im gesamten Bundesgebiet dar. König, der zuvor Gitarrist der Essener Metalband „In Weak Lights“ war, nahm an zahlreichen IB-Aktionen teil. So koordinierte er z.B. die Besteigung des Facebook-Löschzentrums via Walkie-Talkie und reiste zusammen mit seiner Freundin Schmitz zur Banner-Aktion in Witten mit seinem Auto an, vermummte sich in der Folge und ließ mit weiteren Identitären das Banner vom Dach.

Marius König mit Neonazi und wegen Drogenhandels festgenommenen Robert Macloci aus Aachen bei der IB-Demo in Berlin 2017

König, der in einem eigenen Video von einer realitätsfernen Ruhrpott-Romantik fabuliert, vergisst gerne, dass dieser „Ruhrpott“ nur durch seine kulturelle Vielfalt überhaupt lebt. König und Schmitz versuchten immer wieder Kontakt zur Heavy Metal-Szene aufzunehmen, um dort für ihre rechte Ideologie zu werben – mit geringem Erfolg. Konsequenterweise wurden beide beim Turock Festival und im SüdRock von anderen Metalern erkannt und von den Veranstaltungen gedrängt. Aus gutem Grund: Beide sind nämlich Freunde der neonazistischen Strömung des Black-Metal, des NSBM (National Socialist Black Metal). König trägt Oberteile der Bands „Baise Ma Hache“ und „Drowning the Light“, die wegen ihrer menschenverachtenden, hasserfüllten Texte und der Teilnahme an neonazistischen Konzerten, so „Asgardsrei“ in Kiew und „Bloodcult Tor“ in Finland klar dem NSBM zugerechnet werden. Die Vorliebe für neonazistische Inhalte und Mode zeigt sich auch darin, dass beide Kleidung der italienischen, offen faschistischen Organisation „Casapound“ tragen. Schmitz trägt das Logo der faschistischen Band „ZetaZeroAlfa“ auf ihrer Lederjacke, während König sich gerne in Pullover der „Casapound“ nahestehenden Marke „Pivert“ ablichten lässt. Casapound, das große Vorbild der Identitären in Deutschland allgemein, bezeichnet sich selbst als „Faschisten des 3. Jahrtausends“ und fällt immer wieder durch gewalttätige Angriffe auf. Kontakte bestehen zu militanten Neonazis europaweit, in Deutschland u.a. zur NPD und zum neonazistischen „Dritten Weg“.

Marius König mag NSBM-Bandy wie „Drowning the Light“ (mit SS-Totenkopf) und „Baise la Hache“

Weiterhin interessant ist die Essener Familie Hauser, deren drei Söhne Tilmann, Clemens und Felix Leonhard Hauser allesamt in extrem rechten Zusammenhängen aktiv sind. Politisches Vorbild scheint ihr Vater Gerhard Hauser zu sein Ihre xenophoben, chauvinistischen Ansichten haben sie offensichtlich von ihrem Vater Gerhard Hauser. „Alle vier fallen in ihren Social-Media-Profilen durch Affinitäten zur IB, zur NPD und zu zahlreichen anderen extrem rechten Gruppen auf, etwa der ‚Europäischen Aktion‘, einem internationalen Zusammenschluss von HolocaustleugnerInnen.“, wie das linke Inforportal „Ausgetobt“ 2018 herausfand. Tilmann Hauser nahm an zahlreichen IB-Aktionen in NRW und außerhalb teil, wobei er einer der wenigen Ruhrgebiets-Identitären ist, die ihr Gesicht bereits früh zeigten. Beim IB-NRW Kongress am 13 Januar 2018 trat er als Redner auf und besuchte mehrfach die rechte Kaderschmiede in Schnellroda, womit er zum Führungskreis der Identitären, zumindest im Ruhrgebiet, zu zählen ist. Sein Bruder Clemens zog nach Halle und war dort Teil der radikalen und durch gewalttätige Übergriffe bekannte IB-Ortsgruppe „Kontrakultur“, die mittlerweile in der IB Sachsen-Anhalt aufgegangen ist. Felix Leonhard Hauser, der in Göttingen wohnt, ist als Jäger im Besitz scharfer Waffen, mit denen er sich im Wald austobt. Ob ein Rückzug von Clemens Hauser zurück ins Ruhrgebiet erfolgt ist, bleibt zu beobachten. Weiter Informationen zur Familie hier.

Tilman Hauser beim IB-Flashmbo in Hagen, als Redner beim IB-NRW Kongress und während Kreon Schweickhardt ihm und Kai A. Naggert die Aktion in Hagen erläutert

Der Duisburger Dominic Müller, der engen Kontakt zu den Essener Identitären pflegt, ist ebenfalls ein Anhänger der italienischen Faschist*innen um Casapound, was er erst kürzlich mit einem Shirt der Neonazi-Gruppierung in einem Video mit Marius König zum Ausdruck brachte. Sein Bruder D. Müller war lange Zeit Mitglied der rechten Duisburger Hooligangruppe „Division Duisburg“ und dem „Nationalen Widerstand Duisburg“ aktiv, wovon er sich aber vor geraumer Zeit lossagte. Mittlerweile ist er Tättowierer in Duisburg und ist hin und wieder in Bochum zu sehen.

Dominic Müller mit rechten Duisburger Hooligans, beim IB-Kongress und mit Casapound Shirt „Insorgi contro il fatalismo“

Weiterhin ist Kai Alexander Naggert aus Wesel zu nennen, der den IB-Stammtisch Niederrhein organisierte und an zahlreichen Aktionen beteiligt war, unter anderem meldete er die IB-Zone in Duisburg an. Naggerts Steckenpferd ist die App „Patriot Peer“, die er als IT-Manager u.a. zusammen mit Martin Sellner aufbauen möchte. Mittlerweile ist das Veröffentlichen der „braunen App“ immer wieder verschoben worden. Dieser Umstand sorgte nicht zuletzt intern für viel Kritik und Spott. Ansonsten gibt sich Naggert gerne als Gesicht der IB im Ruhrgebiet aus und arbeitet beim unabhängigen IT-Sytemhaus „ITeam“.

Kai A. Naggert als Anmelder der IB-Zone in Duisburg, als Sportschütze, beim IB-Treffen in Dresden „Europa Nostra“ und der erneuten Absage von Patriot Peer

Ähnlich wie bei dem mittlerweile verzogenen Marco Müller aus Bochum verhält es sich bei Alexander Lehmann aus Wetter, der seine rechte „Karriere“ im Umfeld der Neonazi-Parteien NPD und „Die Rechte“ begann. Er nahm ebenfalls an zahlreichen regionalen und überregionalen IB-Aktionen teil, trat jedoch nach der Demonstration in Solingen nicht mehr öffentlich in Erscheinung. Ein Rückzug aus dem extrem rechten Milieu ist denkbar, wurde bislang jedoch nicht bekannt.

Unterstützt werden die IB im Ruhrgebiet vor allem durch Strukturen aus Rheinland, dem Bergischen Land und aus Ostwestfalen. Dies gilt vor allem bei Aktionen, bei denen immer wieder die gleichen Personen auftreten. Einen breiten Zuspruch in der Öffentlichkeit gibt es nicht.

Ein Ausblick

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „Defend Ruhrpott“ ein aus der Not geborenes Projekt darstellt, um die extrem rechten Kräfte im Ruhrgebiet zu bündeln. Bislang konnte weder an den Aktivismus, noch an die mediale und gesellschaftliche Strahlkraft der vorhergehenden Jahre angeknüpft werden. Bei den noch aktiven IB-Kadern im Ruhrgebiet ist eine Radikalisierung der Personen und der Ästhetik, bis hin zum Neonazismus/Faschismus zu beobachten. Aktionen der IB werden im Ruhrgebiet zunehmend kritisch begleitet oder misslangen bei der Durchführung. Mittlerweile sind einige neofaschistische Akteure bekannt, mussten Konsequenzen für ihr Handeln tragen und können nicht länger anonym agieren. Für 2019 bleibt zu beobachten, ob „Defend Ruhrpott“ und dabei vor allem die Essener IB-Kader, künftig dem regionalen und bundesweiten Trend des IB-Rückzugs entgegenwirken können, eine weitere Abnahme der Aktionen stattfindet oder ob eine zunehmende Radikalisierung und Annäherung an die Neonaziszene erfolgt.