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Christoph Aljoscha Zloch: Extrem rechter Netzwerker ohne Grenzen

Zloch kommt aus extrem rechten Strukturen, hat diese mitorganisiert und pflegt ein bundesweites Netzwerk zu extrem rechten Strukturen. Dabei zeigt er keinerlei Berührungsängste zu den verschiedenen Ausformungen der extremen Rechten. Im gemeinsamen Livestream mit Kai Naggert vom 8. März 2020 verkündete er: „Wir sind mit jedem gut vernetzt“ und „Wir möchten, dass in unserem Lager […] ne Einheit herrscht“. Sogar eine Distanzierung gegenüber dem wegen Volksverhetzung und Körperverletzung vorbestraften Neonazi Tommy Frenck lehnt er auf Nachfrage in diesem Livestream kategorisch ab.

Zloch bei Pegida München am 19.10.15 (Foto: Florian Bengel)

Das Bündnis Deutscher Patrioten (BDP) [13]

Das Bündnis Deutscher Patrioten ist eine extrem rechte Organisation, die sich nach eigenen Angaben der „Heimatliebe, Tradition und Kultur“ verschrieben hat – und Christoph Zloch ist ihr Gründer. Tatsächlich agiert die Gruppierung, die bundesweit regionale Ableger unterhält, hautsächlich in den sozialen Medien (Facebook, Telegram, Vkontakte), teilt dort aufhetzende (Fake-)News und macht Stimmung gegen geflüchtete Menschen, „Multikulti“, eine vermeintliche „Meinungsdiktatur“ sowie Politiker*innen. Es bleibt jedoch nicht beim Anstacheln von Gewaltfantasien über die sozialen Medien. Bereits im April 2016 marschierte Zlochs BDP bei einer AfD-Kundgebung vor Münchener Feldherrnhalle auf, die auch für die Neonaziszene ein Kultort ist.

Zloch sucht Stress (Foto: Anne Wild)

Mit dabei war auch der extrem rechte Andreas Kalbitz, der sich am Rande der Kundgebung mit Zloch unterhielt. Außerdem sprach Zloch mit dem Identitären David Schreiber. Zloch suchte zudem gemeinsam mit seinem Freund Rick Wegner die Konfrontation mit Gegendemonstrant*innen, wovon ihn die Polizei mit Gewalt abhalten musste.

Leugnung bzw. Relativierung des Holocausts

Am  5. November 2016 marschierte Zloch mit einigen Kameraden in einheitlicher BDP-Kleidung bei der rechten Merkel muss weg-Demonstration in Berlin mit. Allerdings zog er sich danach aufgrund interner Streitigkeiten aus dem BDP zurück. Mittlerweile pflegen er und sein Mitbewohner Rick Wegner wieder gute Kontakte zum BDP Ableger Bayern, die seine Lieder und sein neues Album bewarben. Aus taktischen Gründen zeigt sich Zloch nicht mehr bei BDP, während Wegner auch 2020 wieder an Treffen und Demonstrationen des BDP teilnahm. Auch ein Jahr später rief das BDP für den 1. Juli 2017 zur Teilnahme an selbiger Demonstration auf, die dieses Mal noch deutlicher von Neonazis dominiert wurde und noch rund 500 Teilnehmende umfasste.

Das BDP pflegt ein Verbindungen zu Asgards Wölfe Germanien, den Freien Kräften Sachsen-Anhalt, Wodans Erben und den Soldiers of Odin.

Bereits durch ihre Namen und Logos zeigen diese Gruppen, dass es sich hierbei um Ansammlungen von gewaltbereiten Neonazis handelt. Die aus der Gruppierung Soldiers of Odin hervorgegangene Gruppe Viking Security Germania marschierte 2019 als vermeintliche Bürgerwehr durch bayerische Städte.

Mit dem allgemeinen Rückgang rechter Straßenmobilisierungen hat auch das BDP zunehmend an Bedeutung verloren. Am 5. März 2020 rief das BDP zu einer Spendenaktion für ihr Mitglied Gerd Martin van de Löcht auf, da diesem wegen hoher Geldstrafen ansonsten eine langjährige Haftstrafe antreten müsse. Dabei wurde direkt auf das Konto der Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach verwiesen. Gerd Martin van de Löcht ist Gründungsmitglied der extrem rechten Freikorps Deutschland und leitete die Neonazi-Partei Die Rechte in Rheinland-Pfalz, bei der er heute immerhin noch als Beisitzer aktiv ist.

Martin van de Löcht

Die Alternative für Deutschland (AfD)

Zloch betont nicht nur gerne, dass er AfD-Wähler ist, er unterhält in München auch direkte Kontakte zu dieser Partei. Als am 12. März 2016 die AfD unter dem Motto „Das Oberland steht auf – Zurück zu Recht und Ordnung“ zu einer Kundgebung im oberbayerischen Geretsried aufgerufen hatte, befand sich unter den rund 350 zum Teil extrem rechten Teilnehmer*innen auch BDP-Gründer Christoph Zloch. Er besuchte mit Identitären und weiteren BDP-Mitgliedern die rechte Veranstaltung und trat dort als Rapper auf: Zwischen den einzelnen Redebeiträgen der Kundgebung gab Chris Ares seine beiden Songs „Generation Deutschland“ und „Deutscher Patriot“ zum Besten. Die AfD zahlte ihm nach getaner Arbeit in Person von Heinz Simon, der im Vorstand der AfD Miesbach sitzt. eine Gage von 200 Euro, deren Übergabe fotografisch dokumentiert ist. Vor der Kundgebung posierte Zloch zusammen mit Identitären am Banner der neurechten NGO „EinProzent“[14].

Zloch und Kalbitz am 16. April vor der Feldherrnhalle (Foto: Anne Wild)

Zloch und der Identitäre David Schreiber (Foto: Anne Wild)

Am 16. April 2016 besuchte er zusammen mit Rick Wegner in BDP-Kapuzenpullovern eine AfD-Kundgebung auf dem Münchner Odeonsplatz und verhielt sich dabei gegenüber den Gegendemonstrant*innen äußerst aggressiv und provokativ, weshalb er von der Polizei zurückgedrängt werden musste. Interessanterweise unterhielt er sich dabei mit dem anwesenden Andreas Kalbitz, über dessen Neonazi-Vergangenheit zuletzt ausführlich recherchiert und berichtet wurde. Weiterhin sprach Zloch dort in freundschaftlicher Weise mit dem Identitären David Schreiber aus Bogenhausen.

Zloch predigt nicht nur Hass und Gewalt (Fotos: Anne Wild)

Am 4. September 2016 besuchte Zloch zusammen mit dem wegen Mordes verurteilten BDPler Richard „Rick“ Wegner und dem Neonazi Lukas Bals die AfD-Wahlparty anlässlich der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. Als Antifaschist*innen vor dem Lokal gegen die AfD protestierten, stürmen die drei aus dem Restaurant in Berg am Laim und griffen die Antifaschist*innen an. Wie die Bilder von Anne Wild und Florian Bengel belegen, prügelte Christoph Zloch dabei auf Antifaschist*innen und einen Journalisten ein. Dabei schaffte er es mit einem missglückten Sprungtritt und einer hassverzerrten Fratze in zahlreiche Medien.

Zloch lässt die Maske – und sein Hemd – fallen. (Fotos: Florian Bengel)

Am Ende seines brutalen Angriffs lief er brüllend im Unterhemd über die Straße und forderte die „Antifaf*tzen“ zum Kampf auf. Dabei versuchte Zloch zudem mehrfach Pressevertreter*innen zu attackieren, die die Situation dokumentierten und schlug einem Journalisten ins Gesicht.[15]

Zloch veröffentlichte sogar selbst noch die „Einstellung“ nach §154 STPO

Die anschließende Entschuldigung des AfD-Vorstandes München-Ost, dass sich die rechten Schläger „vielleicht durch den Lieferanteneingang reingeschlichen“ hätten, sorgte hingegen eher für Spott. Schließlich gab Zloch in einem Interview mit dem rechten Youtuber Oliver Flesch an, dass Rick Wegner und er auf der Gästeliste der AfD-München gestanden hätten. Zloch hat seinen unzweideutigen Gewaltausbruch später nicht weniger verwirrend verteidigt: Er sah sich mittels Schlägen und Tritten „in der Pflicht (…) die Demokratie zu verteidigen“. Das Verfahren gegen Zloch wurde nach §StPO 154 eingestellt, jedoch nicht, weil er „unschuldig“ sei – wie er gerne behauptet – sondern, weil gegen ihn weitere Ermittlungen liefen, die ein höheres Strafmaß in Betracht ziehen lassen. In Folge der Prügelattacke und der medialen Berichterstattung verloren Zloch und Wegner nicht nur ihre Jobs, sondern auch ihre bisherigen Lebenspartnerinnen.

Am 14. Mai 2016 besuchte Zloch eine AfD-Veranstaltung im Münchener Hofbräukeller, bei der die damalige AfD-Vorsitzende Frauke Petry die Rednerin war.

AfD, Pegida & Zloch am 18. Mai 2016 in Erfurt

Am 18. Mai 2016 lud die Thüringer AfD Christoph Zloch als Rap-Gig zu einer Kundgebung unter dem Motto: „Unser Land, unsere Kultur, unsere Entscheidung!“ nach Erfurt ein, bei der auch Pegida-Gründer Lutz Bachmann und Björn Höcke Reden hielten. Der Demonstrationsaufruf von Björn Höcke befindet sich noch immer auf der Seite der AfD-Thüringen. Die Süddeutsche berichtet zudem, dass am Rande einer Veranstaltung ein Foto entstand, das Chris Ares Ende Januar 2017 auf seine Facebook-Seite postete. Dort waren Björn Höcke und Chris Ares, Arm in Arm zu sehen. Darunter stand: „Zwei Männer, die sich weder mundtot, noch unterkriegen lassen.“ Der ehemalige JA-Bundesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete, Markus Frohnmaier aus Tübingen teilte zu dieser Zeit Videos des extrem rechten Rappers auf seiner Facebook-Seite.

Die IB-Rapper Zloch und Bass/Komplott beim IB Fest in Dresden

Die Identitäre Bewegung (IB)

Das rechte Vloggernetzwerk um Zloch: Hagen Grell, Tim Kellner, Charles Krüger, Feroz Khan

Neben seiner zentralen Rolle beim BDP und den Auftritten bei AfD-Veranstaltungen ist Zloch seit Jahren für die Identitäre Bewegung (IB) aktiv. Diese hat ihn mit ihrer Medienstrategie und ihrer spezifischen Inszenierung maßgeblich geprägt.

Zloch im Vlog von Miró Wolsfeld beim IB Fest in Dresden

Das Social-Media-Netzwerk der IB sowie der Neuen Rechten ist letztendlich für die Größe und Bedeutung von Chris Ares entscheidend gewesen. Reichweitenstarke, neurechte Youtuber wie Martin Sellner, Oliver Janich, Miró Wolsfeld (UNBLOGD), Hagen Grell, Charles Krüger oder Oliver Flesch haben Zloch bei seiner Rapkarriere unterstützt und bieten ihm immer wieder Gelegenheit, sich zu inszenieren.

Neben seiner direkten Beteiligung an Aktionen der IB erfüllt er für die Identitären eine weitaus wichtigere Funktion: Er hat die Aufgabe ihre neurechte Lebenswelt für junge Leute attraktiv zu machen. In vielen Videos von Zloch sind Aktionen oder auch das Logo der Identitären Bewegung zu sehen.

Intro des Musikvideos vor dem ehem. IB-Haus in Halle

Und auch in mehreren seiner Musikvideos zeigt er sich mit der Fahne der Identitären Bewegung oder es werden Videoschnipsel von Aktionen und Demonstrationen der IB abgespielt.

Den gemeinsam mit dem identitären Rapper Komplott erstellten Track „Betonblock“ widmet er der IB – er avanciert 2018 zur inoffiziellen IB-Hymne. Zu seinem Anfang August 2018 erschienen Track „Defend Europe“ schreibt Zloch: „Diese Lied widme ich der Identitären Bewegung Österreich.“ Zloch vertritt privat wie auch in seinen Liedern den kompletten ideologischen Kanon der Identitären Bewegung: Er spricht von „Bevölkerungsaustausch“, „Schuldkult“, „deutschem Blut“ und bezeichnet sich selbst als Ethnopluralist. Wie Allgäu Rechtsaußen im Dezember 2018 berichtet, gibt Zloch seine Aktivitäten 2018 auf Facebook noch offen bekannt: „Ja, ich bin in Kreisen der AfD und IB unterwegs gewesen und auch heute noch teilweise unterwegs.“[16]

Zloch beim geheimen IB-NRW Konzert. Im Hintergrund u.a. die IB-Kader Melanie Schmitz, Alexander Lehmann, Bastian Hans und Marco Müller

Christoph Zloch nimmt zudem an Treffen und Kundgebungen der Identitären Bewegung teil. Bereits im September 2017 organisierte das neurechte Arcadi-Magazin in Person von Yannick Noé, der aktiv in der AfD-Leverkusen ist, für die Identitäre Bewegung NRW ein klandestines Konzert von Chris Ares. Zu dem von der IB organisierten Festival Europa Nostra in Dresden am 25. August 2018 reiste Zloch gemeinsam mit seinem Mitbewohner Nico Pietruszinski an und trat dort ebenfalls auf.

Zloch und Pietruszinski betreten die Cocker-Wiesen in Dresden beim IB-Fest „Europa Nostra“ 2018 (Foto: Anne Wild)

Zuvor versuchte er jedoch einmal mehr in die Nähe von Gegendemonstrant*innen zu gelangen, woraufhin er von der Polizei körperlich zurückgedrängt werden musste. Nachdem die IB-Kader Melanie Schmitz ihre Coversongs performt hatte, wurde der Auftritt von Chris Ares und Komplott bei schlechter Tonqualität und nur noch wenigen verbliebenen Identitären zu einem „Trauerspiel“.[17]

Zloch wird in Dresden zurück in den „IB-Käfig“ geschickt (Foto: Belltower)

Zloch und seine „Freunde“

Am 15. September 2018 hielt Zloch mit mindestens 13 weiteren Identitären der IB-Augsburg um den mittlerweile für die extrem rechten Republikaner angetretenen Kader Robin Mengele einen Infostand in Donauwörth gegen die „katastrophale Migranten-Flut“ ab. Im Februar 2020 unterhielt er sich in einem Livestream mit dem jungen, österreichischen IB-Influencer Roman Möseneder über „rechten Lebensstil, patriotische Jugend & Rap“. Seit sich die IB im Niedergang befindet, versucht Zloch seine Mitgliedschaft der IB und IB-Aktivitäten skurrilerweise zu leugnen.

Zloch mit der IB in Donauwörth

Das Design von Postern, CD-Covern oder Konzertankündigungen übernimmt ebenfalls die Identitäre Bewegung für NDS. So sind der ehemalige Bundesvorsitzende der IB, Daniel Fiß und der langjährige IB-Kader Daniel Sebbin verantwortlich für die Okzident Media UG , die sich als Werbe- und Kommunikationsagentur für „Querdenker und Nonkonformisten“ versteht und in dieser Rolle auch für NDS und Zloch designed. Für die extreme Rechte ist die Agentur eine wichtige Struktur, die auch Kampagnen plant und diese strategisch und konzeptionell umsetzt. Ende 2017 gegründet, ist diese nun in der Zentrale der Identitären Bewegung in der Schutower Ringstraße 6 in Rostock ansässig. 2019 wurde Okzident Media sogar von der AfD zu ihrer Medienkonferenz in den Bundestag eingeladen. Ebenfalls in der IB-Zentrale beheimatet, ist das identitäre Immobilienprojekt Schanze Eins, das hauptsächlich zur Generierung von Geld durch anonyme Großspender für die extreme Rechte dient, langfristig jedoch darauf abzielt, eigene Immobilien für die Identitäre Bewegung zu erwerben. Auch die langjährigen Identitären Robert Timm und Simon Kaupert – letzterer konnte bereits als Kampagnenmanager bei EinProzent Erfahrung sammeln und baut aktuell die dortige Medienabteilung aus – sind Teil von Okzident Media.

Zloch wird weiterhin im Newsletter der IB beworben

Rechtsrapper

Zloch ist neben Sacha Korn zurzeit Dreh- und Angelpunkt der überschaubaren neurechten Musikszene. Er versucht jedoch zusehends ein Rechtsrap-Netzwerk aufzubauen, indem er Features (Gemeinschaftsproduktionen) mit anderen Rappern eingeht, die gewisse inhaltliche Schnittmengen zu ihm in Bezug auf Männlichkeit, Nationalismus oder Verschwörungstheorien aufweisen.

Komplott und Ares gemeinsam für die IB auf der Bühne in Dresden (Foto: Anne Wild)

So suchte er Kontakt zu demjenigen, der am Beginn des identitären Rechtsraps steht: Patrick Uli Bass[18], der unter dem Pseudonym Komplott bereits seit 2012 mit Rap für Neonazi-Demos warb und dort auch mitmarschierte. Die nächsten Stationen seiner extrem rechten Karriere führten ihn über die Burschenschaft Germania Marburg schließlich zur Identitäre Bewegung, für die er als erster identitärer Rechtsrapper in den „Infokrieg“ gezogen ist. Im Jahr 2017 veröffentlichten Zloch und er gemeinsame Tracks wie die IB-Hymne „Betonblock“, „Widerstand“ oder „Speerspitze“. Die Zusammenarbeit mündete Ende 2017 in dem gemeinsamen Album/EP „Bastion“ – damals noch ohne Label. Mit massiver Hilfe neurechter Unterstützer*innen ist danach zunächst Komplott in rechten Kreisen durchgestartet. Sein 2018 bei 728er Records erschienenes Album „Weiszes Kaninchen“ wurde intensiv von dem neurechten Verein Ein Prozent für unser Land und der Identitären Bewegung beworben. Finanziert wurde die Produktion ebenfalls von Ein Prozent für unser Land, wie auf der Rückseite der CD-Hülle zu erfahren ist und auch über ihren Onlineshop vertrieben. Bass war eng an die gewalttätigen Hardliner der IB-Gruppierung Kontrakultur aus Halle angebunden und veröffentlicht für diese Tracks mit den Zeilen: „Halle-Saale bleibt stabil“ oder „Komm in unsern Kiez und Du bekommst ´nen Nackenklatscher“.

Bass und Zloch gemeinsam für die IB auf der Bühne in Dresden

Weitere beispielhafte Textpassagen seiner homophoben und vor Gewalt und White-Supremacy strotzenden Texte lauten: „Noch niemals stand die Welt in so einem Vernichtungskampf“, „Homoschrott“, „Gegner werden wieder gefickt, ’50 Shades of Grey‘-Style,“ „mache die Jugend wieder hart“ oder „Volkstod“.[19] Bass nahm an zahlreichen Veranstaltungen wie Treffen der IB sowie der Neuen Rechten teil und war in diesen Szenen bestens vernetzt und involviert:

Bass als Anheizer bei der IB-Demo in Solingen

Am 2. Juni 2018 koordinierte er die IB-Demonstration in Solingen mittels Megafon und hat Sprechchöre angestimmt.

Am 25. August 2018 tritt er zusammen mit Chris Ares bei dem großangelegten und schwach besuchten Europa Nostra-Fest der Identitären Bewegung in Dresden auf.

Am 4. November 2018 besuchte er zusammen mit AfD-Politikern, Identitären und extrem rechten Burschenschaftern die Junges Europa-Veranstaltung auf dem Haus der Burschenschaft Germania Marburg, bei der der prominente Vordenker der Neuen Rechten Alain de Benoist als Redner auftrat.[20]

Im März 2019 war ein gemeinsames Konzert von Bloody32 und Chris Ares in Cottbus geplant, was jedoch nach Hoyerswerda verlegt werden musste und schließlich am 9. März 2019 in den Räumlichkeiten des Rockerclubs Black Devils in der Straße E stattfand.Die Black Devils traten ebenfalls als rechte Hooligangruppierung auf und nutzten die Spiele des FC Lausitz Hoyerswerda für ihre Selbstinszenierung und ließ in der Vergangenheit bereits Treffen sowie Konzerte von Neonazis in ihren Räumlichkeiten stattfinden.[21] Dieses Konzert wurde von der IB beworben und zog auch den Identitären und AfD-Stadtrat von Hoyerswerda Toni Schneider an. Schneider war auch bei der obengenannten Junges Europa-Veranstaltung in Marburg mit dabei.

Weiterhin engen Kontakte pflegt Zloch zum Rechtsrapper Maik Siewert aka Bloody 32. Nachdem ihr Konzert in Freiberg kurzfristig ein „Landesverbort“ erhielt, trat Zloch zusammen mit Kai Naggert aka Prototyp, M.I.G.23 und Julia Juls vom extrem rechten Frauenbündnis Kandel am 7. Dezember 2019 im brandenburgischen Spremberg in der Erlebnisgastronomie Hühnerstall bei Siewerts „Record Release Party“ auf. Siewerts Produktionsfirma „Sub:Version Production“ aus Cottbus, die von bekannten Neonazis gegründet wurde, verkauft mittlerweile auch Zlochs erstes Album.

Längeren, freundschaftlichen Kontakt pflegt Zloch auch zum Rapper Ukvali, den er und Kai Naggert aufgrund seiner nichtdeutschen Herkunft immer wieder gerne abschieben würden – ein Running Gag unter Rechten.

Ukvali, Absztrakkt, Zloch

Ukvali, der Lüdenscheider Rapper Claudio Naber aka Absztrakkt und Ares veröffentlichten im September 2019 das gemeinsame Lied „Sündenpfuhl der Macht“, in dem es von Verschwörungstheorien nur so wimmelt. Auch jenseits davon hat Zloch mit Naber zusammengearbeitet: Im April 2020 haben sie den gemeinsamen Track „Söhne Europas“ veröffentlicht. Wenig verwunderlich, hat doch auch dieser in der Vergangenheit vor allem mit verschwörungstheoretischen, nationalistischen und homophoben Inhalten von sich reden gemacht. Bereits im Jahr 2009 rappte der radikale Buddhist: Wenn ich für dich ein Nazi bin, bist du für mich nur ein Jude.“

Gleichfalls im April 2020 kündigte Zloch einen gemeinsamen Track mit dem Münchener Fußballrapper AB MC an, der daraufhin von seinem Label rausgeworfen wurde. Ihn verbindet mit Zloch eine langjähige Freundschaft. Während AB MC im Jahr 2014 noch über Polizeigewalt, Fankultur und Ultras rappte, übernahm er ab 2020 – mittlerweile in Peru wohnend – extrem rechte Ideologiebausteine in seine Lieder.  Im Januar 2020 widmete er ein Lied Angela Merkel, in dem er nach einer diffusen Ansprache von „Hochverrat“, „Besatzungsmacht“ und ständiger „Schuld“ rappt. Genau wie Zloch bedient er damit ganz bewusst verschwörungstheoretische und antisemitische Muster – und ist damit ein idealer Rap-Partner für diesen.

Naggert, Zloch, Primus in Dresden

Nachdem Zloch bereits erste musikalische Erfolge innerhalb der rechten Community einfahren konnte, holte er sich im August 2019 den Identitären Kai Naggert aka Prototyp[22] aus Wesel in seine Rechtsrap-Combo Neuer Deutscher Standard (NDS). Beide agieren seither gemeinsam und sie konnten mit ihrem ersten Track Neuer Deutscher Standard im September 2019 einen Achtungserfolg erzielen: Platz 6 in den Download-Charts von MTV Germany.[23] Im April 2020 holten die beiden den 21-jährigen Rapper Primus-One aus Düren hinzu, der nun ebenfalls für NDS rappt, jedoch bislang kaum in Erscheinung tritt.

Ebenfalls im April 2020 kam eine Zusammenarbeit von Zloch und dem ins rechte Verschwörungsmilieu abgedrifteten Musiker Xavier Naidoo ins Gespräch. In einem Interview mit dem extrem rechten Youtuber Thomas Gabinger (Digitaler Chronist) am 20. April 2020 verkündete Naidoo, dass er bereits mit Zloch in Kontakt stehe und „alles möglich“ sei. Laut Zloch schrieb Naidoo wenige Tage zuvor unter dem Namen „Xavier N.“ in Zlochs Telegram-Kanal: „Ein Lied mit Chris Ares scheint unausweichlich, wir müssen alles für Deutschland geben.“ Im Anschluss an die coronabedingte Kontaktsperre planen die beiden ein Treffen, um etwaige gemeinsame Aktivitäten zu sondieren. Im Kontext seiner verschwörungstheoretischen Auftritte bei Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen erwägen mittlerweile einige Spielorte der geplanten Tour von Naidoo eine Absage der Konzerte. Während Naidoo seine professionellen Marketingstrukturen verliert und ein künftiges Dasein als rechter Nischen-Musiker fristen könnte, würde Zloch und die gesamte Neue Rechte die Zusammenarbeit mit ihm als einen großen metapolitischen Sieg feiern. Mittlerweile ist es um eine Zusammenarbeit ruhig geworden.

Am 26. April 2020 ging für Zloch ein Traum in Erfüllung: „Mein erstes Rap-Interview ist jetzt online“. Auf dem Youtube-Format eines Münchener Tonstudios bekam Zloch die Gelegenheit gegenüber einem unkritischen Interviewer seine Botschaften zu verbreiten und sich als ganz harmlos zu präsentieren. Die von ihm seit Jahren vorgegebene Offenheit und Gesprächsbereitschaft allen Menschen gegenüber trug damit erstmals Früchte – die Inszenierung gelang. Die daraufhin erfolgenden Reaktionen aus der HipHop-Szene waren entschiedene Kritik. Der Schlussteil des in Folge erschienenen Artikels von Alex Barbian auf Rap.de fasst den Widerspruch treffend zusammen:

„Rap ist – allein historisch – ein Sprachrohr für Menschen am Rand der Gesellschaft, für sozial Unterdrückte und Opfer von rechtem Hass. Wir sollten „NS-Rapper“ nicht als „kontrovers“ oder „umstritten“ labeln, sondern immer und immer wieder als das, was sie in Wahrheit sind: Nazis. Menschenfeindlichen Positionen keine Redezeit auf unseren Kanälen einzuräumen, hat nichts mit Zensur oder einer Beschränkung der Meinungsfreiheit zu tun.“

Zlochs „Bruder“ Rick  – sein Mitbewohner und ein verurteilter Mörder

Aufgrund seiner herausragenden Stellung in Bezug auf Zloch gehen wir an dieser Stelle auf den Deutsch-Amerikaner Richard Wegner ein, der mit Zloch zusammen in der Sauerlacher WG wohnt und zeitweise als Security-Kraft arbeitete. Der verurteile Mörder und Kraftsportler Richard Wegner, der in den USA noch Richard Houdershell hieß, verbüßte in den USA bereits 15 Jahre Gefängnis wegen zweier bewaffneter Raubüberfälle und eines vorsätzlichen Mordes. Im Alter von 18 Jahren erschoss er einen 72jährigen bei einem Überfall. Mittlerweile versucht er aus seiner kriminellen Vergangenheit sogar Kapital zu schlagen, indem er ein Buch über sein Leben und seine Zeit im Gefängnis mit dem Titel „Lebenslänglich“ (engl.: „Life“) verfasste und dieses unter anderem über Amazon verkauft. Im Frühjahr 2020 kündigte er einen zweiten Teil an. Seine Bücher veröffentlicht er unter seinem englischsprachigen Namen Richard Houdershell und verschleiert damit den Zusammenhang mit seinen extrem rechten Aktivitäten in Deutschland. Sein durchaus vorhandenes Talent sich selbst zu inszenieren nutzt er, um sich wahlweise als geläuterter, spiritueller Buchautor, als „sort of a therapist“ oder Personal-Trainer darzustellen. Als „Athletiktrainer“ des Boxers Erdinc Eddy Delibaltaoglu erhielt er gemeinsam mit diesem unter dem Namen „Rick Wegner“ sogar einen kurzen TV-Auftritt bei RTL-München-Live.

Boxer Delibatoglu und Wegner

Bystron (Mitte) begleitet von Bals (dahinter) und Wegner (rechts)

Abgesehen von seiner Gewaltaffinität und seinem Hang zum Körperkult pflegt auch er seit Jahren ein extrem rechtes Weltbild. Er war ebenso wie Zloch im Bündnis Deutscher Patrioten (BDP) organisiert, ist Sympathisant der Identitären Bewegung, war an dem Angriff auf Nazigegner*innen bei der AfD-Bayern-Wahlparty im September 2016 beteiligt und trat als Ordner bei PEGIDA-München auf. Am 29. Juni 2017 trat Wegner zusammen mit dem Neonazi Lukas Bals offenbar als Geleitschutz für den damaligen bayerischen Landesvorsitzenden der AfD und jetzigen Bundestagsabgeordneten Petr Bystron in München in Erscheinung.

Bystron (Mitte) begleitet von Bals (dahinter) und Wegner (rechts) (Foto: Robert Andreasch/aida-Archiv)

Auch in Zlochs Videos hat Wegner immer wieder Auftritte: Nach dem die Nachbar*innen über die Nazi-Aktivitäten ihrer WG informiert wurden, gibt er sich darin als harmloser, friedliebender Nachbar aus, während er ansonsten gerne aushilft, wenn der rechten Community mal wieder ein hart trainierender „Wikinger“ präsentiert werden muss.

Wie Zloch hat auch Wegner eine große Schwäche für Verschwörungstheorien

Zuletzt outete er sich als Anhänger der in rechten Kreisen verbreiteten Qanon-Verschwörungstheorie, indem er auf Facebook von der „Rettung Tausender Kinder aus unterirdischen Bunkern“ fabulierte.

Natürlich beteiligt sich Wegner auch an den Verschwörungsspinnereien rund um das von ihm so bezeichnete „Fake-Coronavirus“: Gegen eine Impfung werde er sich „bis zum Tod“ wehren. In seinem Video vom 12. Mai 2020 erklärte er sich ausführlich zu seinen drei Feindbildern: Polizei, Antifa und Presse, die für ihn alle unter einer Decke stecken. Ebenfalls im Mai nahm er an mindestens zwei Demonstrationen von Coronaleugner*innen in München teil, wobei er beim ersten Mal festgenommen wird. In seinem anschließenden Video holt er wutentbrannt gegen die Regierung aus: „alles was da oben ist in Berlin, muss weggefegt werden.“ Seine extrem rechte Einstellung im Zusammenspiel mit seiner Gewaltaffinität machen ihn zu einem unberechenbaren Risiko für Nazigegner*innen, Journalist*innen oder Menschen mit Migrationshintergrund. Auffällig ist zudem, wie er mithilfe seiner verschiedenen Namen und deren Kombinationen je nach Situation versucht, den netten Kumpeltyp, einen seriösen Buchautor oder ehrgeizigen Kraftsportler zu mimen und so von seiner extrem rechten Agenda abzulenken. Insgesamt fällt bei Wegner eine beinahe schizophrene Diskrepanz zwischen dem geläuterten, reflektierenden Schwerkriminellen mit schwieriger Kindheit auf der einen und dem rechten Propagandisten und Gewalttäter auf der anderen Seite auf.

Da helfen nur noch Aluhüte…

Auch bei Wegner gilt: Hass macht hässlich

Wegner übt als einer der engsten Vertrauten Zlochs auch einen großen Einfluss auf ihn aus, der vor allem bei Zlochs verschwörungstheoretischen, maskulinistischen und auf den eigenen Körperkult bezogenen Inhalten deutlich wird. Im Rahmen eines absurden Fitnessprogramms, bei dem Zloch sich einen Kaffee pro Tag weniger gönnen und auf Vollkornbrot umsteigt, ruft er im Juli 2020 seine Anhänger über Telegram dazu auf „Kämpfer im Geist und Seele zu werden“ – eine Bild, das auch Wegner immer wieder bedient.

 

Ein Netzwerker ohne Berührungsängste

Neben seinen Aktivitäten beim BDP, der IB, den intensiven Kontakten zur regionalen AfD und der Zusammenarbeit mit anderen Rechtsrappern, pflegt Zloch ein bundesweites Netzwerk zu extrem rechten Strukturen. Dabei zeigt Zloch keinerlei Berührungsängste zu den verschiedenen Ausformungen der extremen Rechten. Im gemeinsamen Livestream mit Kai Naggert vom 8. März 2020 verkündet er: „Wir sind mit jedem gut vernetzt“ und „Wir möchten, dass in unserem Lager […] ne Einheit herrscht“. Sogar eine Distanzierung, beispielsweise gegenüber dem wegen Volksverhetzung und Körperverletzung vorbestraften Neonazi Tommy Frenck, lehnt er auf Nachfrage in diesem Livestream kategorisch ab.

In den Jahren 2015 und 2016 lief Zloch wiederholt bei PEGIDA-München mit, wo er mit seinem BDP geschlossen auftrat und im Oktober 2015 einen Journalisten mit den Worten: „Wir finden dich und deine Familie und bringen dich um!“ bedrohte. PEGIDA-München wurde bereits 2015 zu einem Sammelbecken für Identitäre und organisierte Neonazis (u.a. III. Weg), weshalb es wenig verwundert, dass Zloch und sein Mitbewohner Wegener im Oktober 2016 unter dem Deckmantel einer „Obdachlosenhilfe“ eine Bürgerwehr gemeinsam mit Neonazis organisierten. Zusammen mit den Neonazis Philipp Hasselbach, Tobias Roidl, Dan Eising und Lukas Bals zog Zloch durch die Straßen und ließ anschließend ein Erinnerungsfoto mit Hasselbach, Roidl und Bals in einer Kneipe schießen. Zumindest zum verurteilten Lukas Bals, der als einer der aggressivsten Dortmunder Neonazis um die Partei Die Rechte auch an der versuchten Stürmung des Dortmunder Rathauses 2014 beteiligt war, pflegen Zloch und Wegner sehr engen und überdauernden Kontakt.  Dies zeigt sich auch an dem gemeinsamen Angriff auf Nazigegner*innen bei der AfD-Wahlparty in Berg am Laim und dem Geleitschutz von Bals und Wegner für den AfD-Politiker Bystron. Bals trat nach seinem Wegzug aus Dortmund zudem 2016 als Aktivist der Identitären Bewegung in München in Erscheinung.

Am 5. November 2016 beteiligte sich Zloch als Rapper auf der Merkel muss weg – Demonstration in Berlin. Sein BDP ist an diesen schrumpfenden Demonstrationen beteiligt und ruft jährlich zu dieser auf. Auch am 16. Mai 2020 nahm die BDP an der Demonstration teil. Für den 3. Oktober 2018 hatte er erneut eine Rede bei einer rechten „Großdemo“ auf dem Berliner Europaplatz angekündigt, die jedoch später sein „Freund“, der extrem rechte Schweizer Influencer Ignaz Bearth für ihn übernommen hatte.

Zloch kokettiert zudem gerne mit der Kampfsportszene. Er selbst trainierte in seiner Jugend einige Jahre Muay Thai und pflegte gute Kontakte zu dem Kampfsport-Studio-Leiter und professionellem Kickboxer Guido Fiedler. Dieser gestattete ihm 2016 eines seiner ersten völkischen Rapvideos („Deutscher Patriot“) in seinem Kickbox-Studio Tiger Arena  in Augsburg zu drehen. Im November 2019 fand der Bayerische Rundfunk heraus, dass in diesem Studio Neonazis der Gruppierungen Soldiers of Odin und Voice of Anger trainieren. Die Soldiers of Odin sind auch mit Zlochs BDP vernetzt. In der Vergangenheit hatte Fiedler auch eine Reichkriegsflagge in seinem Studio aufgehangen. Weiterhin unterhält Zloch enge Kontakte zum Boxer Erdinc Eddy Delibaltaoglu. Für ihn rappte er – ganz undeutsch – zusammen mit Tura Cem und Bilo26 bei der Bavarian Fight Cub -Fight Night am 2. Februar 2019 im Ring neben einer türkischen Fahne, was seine rechten Groupies vielfach irritierte. Am 22. November 2019 sollte er dort für Eddy erneut auftreten, was jedoch vom Eigentümer der Halle untersagt wurde.

Niko klärt ansonsten die Drittortauseinandersetzungen in Saabrücken

Seine Kontakte in Hooligan-Szenen dokumentiert Zloch auch gerne selbst. So ist er auf einem Foto – das nach dem verschobenen gemeinsamen Konzert mit Bloody32 und Prototyp am 7. Dezember 2019 entstand – mit dem Chef der Hooligans vom 1 FC Saarbrücken zu sehen. Zlochs großspuriger Ankündigung selbst nochmal in den Ring zu steigen, folgten keine Taten.

Ein wichtiges Moment seiner „Youtube-Karriere“ erlebte Zloch rund um die rassistischen Ausschreitungen in Chemnitz vom August 2018. Sein selbstgedrehtes Video mit dem reißerischen Titel „Migranten-Mord Chemnitz: Ihr empathielosen Heuchler! Lage artet aus“, wird Teil der rechten, neonazistischen Mobilisierung, die in Chemnitz zu teilweise zu Ausschreitungen führten – und es ist zugleich mit knapp 500.000 Klicks sein erfolgreichstes Video, lässt man seine Musikvideos außer Acht. In diesem Video verbreitet Zloch die Falschnachricht von zwei Toten und der Abwehr von einem sexuellen Übergriff. Über seinen Telegram-Kanal ruft er zur Demonstration auf:„TEILT ES ÜBERALL, ERZÄHLT ES JEDEM! MORGEN 17 UHR BAHNHOF CHEMNITZ! Dort treffen wir uns zu Hunderten! Es reicht!“.

Zloch heizt die pogromartige Stimmung bewusst an

Die extreme Rechte mobilisierte über alle Kanäle und schließlich zogen mehrere Tausend von ihnen zusammen mit rechtsoffenen Personen durch die Chemnitzer Innenstadt, Flaschen und Feuerwerkskörper werfend sowie begangen sie mit Hetzjagden auf vermeintlich migrantische Menschen. Nach den Ausschreitungen in Chemnitz wuchs nicht nur seine Youtube-Gemeinde sondern auch seine Bekanntheit in extrem rechten Kreisen allgemein. Sein im Anschluss veröffentlichtes „Lied für Chemnitz“ war weit weniger erfolgreich, verdeutlicht jedoch sein Bekenntnis zu den stattgefundenen xenophoben Ausschreitungen.

Am 29. Juni 2019 unterstützte er die extrem rechten Initiative Gelbwesten Sömmerda in Thüringen durch seine Anwesenheit. Allerdings ist es zumindest fraglich, ob er tatsächlich nur für diese sehr kleine Kundgebung den weiten Weg nach Thüringen auf sich genommen hat. Die bei seinem dazugehörigen Instagram-Post verwendeten Hashtags „Fügel“ und „Erfurt“ legen einen Kontakt zu Björn Höcke nahe, den er bereits im Mai 2016 in Erfurt traf. Möglicherweise war er aber in Thüringen auch auf der Suche nach Kontakten für sein Dorf-Projekt.

Der Traum vom eigenen Nazi-Dorf

Mit diesem Projekt sorgte Zloch im Jahr 2017 zum ersten Mal für Aufmerksamkeit: Damals kündigte er an, ein eigenes patriotisches Dorf gründen zu wollen, das „ganz im Stile unserer deutschen Kultur und Identität“ sein solle. Konzeptionell angelegt an die Projekte Völkischer Siedler möchte er damit einen autarken Rückzugsort für „Gleichgesinnte“ schaffen. In der Folge rief er Handwerker*innen und potentielle Bewohner*innen auf, sich bei ihm zu melden. Interessanterweise plante zum gleichen Zeitpunkt auch der extrem rechte Verein Ein Prozent für unser Land unter dem Label Netzwerk Landraum den Aufbau völkischer Landkommunen. Nach eigener Aussage sollten diese ersten Häuser bereits im Dezember 2017 durch drei rechte Siedlerfamilien bezogen werden. Ebenfalls nach Eigenangaben sollten sich zu diesem Zeitpunkt weitere 15 Familien auf den Einzug in ein solches Siedlungsprojekt vorbereiten. Allerdings wird es bei Zloch wird es zunächst ruhig um die die großangekündigte Dorfgründung.

Die handerlesenen Teilnehmenden

Stattdessen organisierte er gemeinsam mit seinen rechten „Brüdern“ Rick Wegner und Pierre Amthor vom 18. bis 20. Oktober 2019 ein exklusives „Heimatwochenende“ für seine treuesten und zahlungsfreudigsten Fans. Das Wochenende kostete pro Person stattliche 250 Euro, womit nach Recherchen von Allgäu-Rechtsaußen bei einem/r Teilnehmer*in bereits der Preis der Hüttenmiete gedeckt ist. Die zunächst dafür angemietete Hütte am Grünten kündigt jedoch nach Bekanntwerden des extrem rechten Stelldicheins. Offenbar findet Zloch jedoch kurzfristig eine andere Allgäuer Berghütte, die er anmietet. Das Programm besticht durch Zlochs Bescheidenheit: Eine Vorlesung aus seinem gerade entstehenden Buch (das bis heute nicht fertiggestellt wurde), einen „Vortrag zu mir und meiner Person“ sowie eine „Fragen & Antworten-Runde mit mir“. Wie es sich für ein nationales Heimatwochenende gehört, dürfen auch ein treudeutscher Liederabend, ein nächtlicher Fackelmarsch und die Lektüre von Nietzsches Werken nicht fehlen.

Am 3. Dezember 2019 kündigte Zloch für Mitte 2020 erneut an, ein Dorf in „Mitteldeutschland (Sachsen/Thüringen)“ gründen zu wollen. Einen Namen gibt es auch schon: Chris Ares Dorf. Dort möchte er 20 Familien ansiedeln, von denen nach seiner Vorstellung 10 Rentner*innen dabei sein dürfen. Erneut fragte er nach Handwerksmeister*innen und „Paten“ innerhalb seiner Community. Am 29. Februar 2020 besichtigte er angeblich sogenannte Tiny Houses, für die er bereits einen Schreiner engagiert haben will. Wenig später kündigte sein identitärer Adjutant Kai Naggert in einem Livestream an, mit seiner Familie die ersten Bewohner*innen des Chris Ares Dorf sein zu wollen. Weiterhin sollen Primus und sein Jugendfreund Patrick Bewohner dieser extrem rechten Wohngemeinschaft werden.

Am Wochenende rund um den 9. Mai 2020 fuhren Zloch, Naggert und Primus durch Sachsen und fanden bei Bautzen einen Ort, in dem sie ihr Projekt umsetzen wollen. Nebenbei besuchten sie gemeinsam mit dem Bautzner AfD-Stadtrat und Identitären Paul Neumann eine Demonstration von rechten Verschwörungstheoretiker*innen und Corona-Relativierern in Bautzen und machten in Dresden einen Abstecher zum neurechten Hausprojekt von Ein Prozent für unser Land. Möglicherweise besuchten die drei Rechtsrapper auch Personen aus dem Umfeld von Jörg Drews (Hentschke Bau, Bautzen) oder Thorsten Schulte/Silberjunge (Verlag und Verein in Bautzen), die als finanzstarke Netzwerker als mögliche Finanziers des Dorfes in Frage gekommen wären. In jedem Fall suchten Zloch, Naggert und Primus jedoch das Bautzner Umland nach einem geeigneten Platz für ihr Dorf ab und wurden bereits damals im Raum Bautzen fündig.

Am 23. Juni kündigte Zloch an, 25 Rechte stünden bereit, um ab September in diese Region zu ziehen. In der nächstgelegenen Stadt Bischofswerda solle zudem ein Haus der Patrioten entstehen, in dem die Jugend mittels Kampfsport fit für den Straßenkampf gemacht werden solle. Pathetisch und in gewohnter Kubitschek-Manier kündigt er nach einem Spendenaufruf an: „Wir wollen Fels in der Brandung sein. Wir möchten ein Leuchtturm werden.“ Nur einige Stunden später gibt Zloch bekannt, dass sein rechtes Kampfsportstudio in Bischofswerda aufgebaut werden solle und sein Dorf zwischen Dresden und Pulsnitz eröffnet würde. Nachdem wir Zlochs Pläne veröffentlichten, berichtete am 25. Juni erstmals die Presse von den Plänen des extrem rechten Rappers. In der regulären Stadtratssitzung in Bischofswerda vom 30. Juni sprachen sich alle Fraktionen inklusive der AfD-Bischofswerda gegen Zlochs Pläne aus[24], was im neurechten und identitären Lager riesige Empörung auslöste. Selbst die rechte Hardliner und Flügel-Leute wie Dubravko Mandic gingen zum Angriff gegen die AfD-Bischofswerda über. Zloch hatte zuvor mit dem Bischofswerdaer AfD-Abgeordneten Frank Fichte telefoniert, der ihn nach eigenen Aussage am Telefon ausgelacht und als „linke Ratte“ bezeichnet habe. Schriftlich habe die AfD-Bischofswerda Zloch unterstellt, vom Verfassungsschutz zu sein.

Zu früh gefreut

Dass ausgerechnet die örtliche AfD den neurechten Akteuren einen Strich durch die Rechnung machte, sorgte für eine extreme Kränkung, die sich kurz darauf in Aufforderungen zum Shitstorm gegen die AfD-Bischofswerda äußerte.

Der inoffizielle Kopf der Identitären Bewegung Martin Sellner war derartig schockiert, dass er ein Video mit dem furiosen Titel „AfD verbündet sich mit Antifa gegen Chris Ares“ produzierte. Dieses leitete er ebenso emotional ein: „Ich bin […] wütend und zornig gerade, ich ringe mit den Worten […] heute ist der Tag an dem ich, glaube ich, noch niemals zuvor so enttäuscht war von der AfD“.

IB-Chef Sellner springt mit furiosem Video Zloch bei

Offenbar hatte die Neue Rechte ihre Pläne ohne die AfD vor Ort gemacht und war nun überrascht und enttäuscht von einer derartigen Reaktion. Parallel zur stattfindenden Stadtratssitzung organisierten rund 50 junge, couragierte Menschen in Bischofswerda eine Kundgebung, die damit ein deutliches Zeichen gegen rechte Hetze und Gewalt setzten. Der Oberbürgermeister Holm Große erteilte Zlochs Plänen ebenfalls eine deutliche Absage: „Wir waren schon immer eine weltoffene Stadt. Und ich denke, dass wir uns auch diesmal gemeinsam und friedlich gegen rassistisches Gedankengut zur Wehr setzen.“

Weitere Kreise zogen Zlochs Pläne, als sich die AfD-Saalekreis in Person von Hans-Thomas Tillschneider einschaltete und Zloch „günstige und geeignete Immobilien“ anbot. Diese Einladung nahm Zloch umgehend an. Am 9. Juli 2020 rudert Zloch in seinem Livestrea auf Youtube dann zurück: Es wird kein Dorf und auch kein Kampfsportstudio geben. Stattdessen kündigt er nun an, ein Tattoostudio gemeinsam mit seinem Freund „JD“ am 1. September 2020 in Bischofswerda eröffnen zu wollen. „JD“ ist der aus Walldorf stammende Jan David Fautz, der zuvor in der Tattoo Lounge Lübeck arbeitete und in den letzten 1-2 Jahren zum bekannten Tätowierer der neurechten Szene aufstieg.

Jan „JD“ David Fautz

Zu seinen Followern bei Instagram (tattoo.art_by_jd) gehören zahlreiche bekannte IB-Kader, junge AfDler und natürlich NDS-Fans. Weiterhin kündigte Zloch an, dass er statt eines Dorfes nun ein rechtes Wohnprojekt im Landkreis Bautzen (bei Bischofswerda) aufziehen möchte. Neben 25 weiteren Rechten sollen auch seine Kameraden Naggert, Primus und Patrick Teil dieses Wohnprojektes werden. Am 12. Juli teilt er seiner Telegram-Gemeinde schließlich mit, dass der Tattooladen am 12. September 2020 eröffnen soll. Es soll darin ein Medienraum (Foto-, Ton- und Filmstudio) integriert sein. Dass daneben hauptsächlich Chris Ares bzw. NDS-Merachandise und auch Bekleidung von Peripetie verkauft werden soll, macht den kommerziellen Charakter der Ladeneröffnung deutlich. Hier soll über Bekleidung, CDs und Tattoos Geld für die neurechte Szene akquiriert werden, um möglicherweise weiteren Rechtsrappern einen Unterhalt zu finanzieren. Trotz des Faktes, dass selbst die örtliche AfD in Bischofswerda Zloch abblitzen ließ, kündigte er Mitte Juli an, dass seine rechter Szenetreff am 12. September 2020 in Bischofswerda eröffnen wird.

Zlochs unpolitische Geldakquise

Tatsächlic hatte sich das Projekt jedoch bereits nach in die Bautzner Alstadt umorientiert. Am 9. Mai schaute sich Zloch dort bereits nach geeigneten Räumlichkeiten um. In der Wendischen Straße wurden darauf offenbar Räumlichkeiten angemietet, weshalb die Stadträte und auch der Oberbürgermeister Alexander Ahrens dem geplanten rechten Szenetreff im Juli eine klare Absage erteilten: „Die Stadt toleriere keine Rechtsextremen.“ Ahrens wollte daraufhin mit dem Vermieter sprechen.

Schulte und Drews vor der Bautzner Altstadt

Dass sich Zloch und seine neurechten Freunde immer wieder nach Bautzen orientieren liegt nicht nur an dem rechten Bauunternehmer Jörg Drews (Hentschke Bau) und dem mit ihm und Zloch befreundeten rechten Buchautor Thorsten Schulte („Silberjunge“).

Zloch und Schulte im Musikvideo von „Fremdbestimmt“

Während Drews für das Bürger Bündnis Bautzen (BBB) im Stadtrat sitzt und Pegida- bzw. AfD-nahe Positionen vertritt, hat Schulte seinen Verlag für Frieden, Freiheit & Wahrheit GmbH (Humboldtstraße 23) als auch seinen Pro Bargeld – Pro Freiheit e.V (Zeppelinstr. 16) in Bautzen registriert. Gemeinsam mit Zloch produzierte er das Lied Fremdbestimmt, was nach Schultes Buch benannt wurde und in dem er gemeinsam mit Zloch im Video erscheint.

 

Zloch und Schulte berichten beim rechten Youtuber Oliver Janich über ihr Projekt

Und Zloch verfügt über mindestens einen weiteren Verbündeten im Bautzner Stadtrat: Paul Neumann. Der Jung-AfDler war und ist an Aktionen der Identitären Bewegung Bautzen, die sich den Namen Altstadtrevolte gab, beteiligt und unterhält auch bundesweit Kontakte zur IB: 2017 nahm er an der gescheiterten IB-Demonstration in Berlin in der Funktion als Ordners teil. 2018 nahm er am IB-Fest Europa Nostra in Dresden teil, auf dem auch Zloch auftrat.

Neumann (r.) mit Ordnerbinde am Lautsprecherwagen bei der IB-Demo am 17.06.17 in Berlin. links: IB-NRW-Kader Kreon Schweickhardt und Alexander Lehmann

 

Ebenfalls 2018 posierte er bei einer AfD-Großdemonstration in Berlin mit einem IB-Shirt. 2019 beteiligte sich Neumann an einem Mobfoto der IB-Bautzen und zum Jahreswechsel 2020 war er Gast bei der Neujahrsfeier IB-Schwaben. In den meisten Fällen ist er dabei gemeinsam mit dem ebenfalls für die AfD im Stadtrat, jedoch in Hoyerswerda, sitzenden Toni Schneider unterwegs, der ebenfalls Identitärer und zugleich AfD-Politiker ist. Mehr zu beiden gibt es hier, hier und hier. Recherche Ostsachsen deckte am 16. Juli zudem Zlochs Kontakt in die Bautzner Neonaziszene auf. Gemeinsam mit seinem Jugendfreund Patrick Groß und Jan David Fautz verbrachte Zloch mit dem Neonazi Markus Baumgart einen Nachmittag am Bautzner Stausee. Baumgart ist mit seinen Vertribeskenntnissen als Gründer des rechten Modelabels Isegrim und seinen Kontakten in die ostsächsische NS-Szene ein idealer Kontakt für Zloch in der Region.

Jugendfreund Patrick, Tätowierer Fautz, Nazi-Versandhändlicher Baumgart, IB-Rapper Zloch am Bautzner See

Bautzner Rapper Pie Kei mit der rechtsoffenen Marke „Fight Cult“

Einen weiteren Freund und Eine weitere Querverbindungen besteht zu dem Bautzner Fußballrapper Pie Kei von Rap aus Granit, der wie Zloch und vor allem Naggert dem rechtsoffenen Bekleidungslabel „Fight Cult“ als Modell zu Verfügung stand.

Am 20. Juli berichtet die Sächsische Zeitung, dass Zloch und Fautz mit der Ares&Fautz Art Company UG bereits ein Gewerbe in Bautzen angemeldet und einen Mietvetrag mit dem Vermieter der Wendischen Straße 1 geschlossen haben. Bei diesem versuchten der Oberbürgermeister zu intervenieren. Da dies das Geburtshaus des „Arztes und Wohltäter der Stadt“ Dr. Gregorius Mättig ist, hat sich die Stiftung mit einem offenen Brief an Politik und Stadtgesellschaft gerichtet und sieht den rechten Szenetreffs zurecht als „verheerend“ und „katastrophal“.

Wie auch immer dieses Projekt weiter verlaufen wird, deutlich ist, dass Zloch sich darauf versteht, eine eigene Community aufzubauen, diese an sich zu binden und Expansionsabsichten entwickelt.

Das rechte Compact Magazin wirbt für Zloch und wird seit März 2020 vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall eingestuft

Digitale Netzwerke. Communities und rechte Influencer*innen

Über die letzten Jahre hat sich die Rechte ein enormes digitales Netzwerk aufgebaut, was vor allem über die verschiedenen Social Media Kanäle versucht, Einfluss zu gewinnen. Diese teilweise reichweitenstarken, rechtspopulistischen bis extrem rechten Blogger und Youtuber haben entscheidenden Anteil an Zlochs Erfolg. Denn auch sie haben erkannt, welch wichtige Rolle Zloch für die rechte Agitation haben könnte.

 

Digitale neurechte Seilschaften: Arcadi – Mandic – AfD – IB – Zloch

So wird Zloch über die Jahre von allen größeren rechten Vloggern und Influencern eingeladen. Livestreams und Interviews gab er unter anderem mit Ignaz Bearth, NuoViso.tv, Martin Sellner, Unblogd (Miró Wolsfeld), dem Frauenbündnis Kandel und dem Digitalen Chronisten. Parallel dazu berichteten auch die neurechten Printmedien, wie das Compact-Magazin, die Junge Freiheit, die identitäre Tagesstimme und das neurechte Theoriemagazin Sezession, teilweise auch kontrovers, über Zloch. Am 2. Oktober 2019 erschien ein Video des rechten AfD-Hardliners Dubravko Mandic, in dem er im Rahmen seines Metaraum-Projektes Zloch sehr wohlwollend zu seiner „patriotischen Sprechgesangsmusik“ interviewt. Zloch macht dabei deutlich, dass er „metapolitisch wirken“ und seine Musik nutzen wolle, „um die Köpfe der Jugend zurück zu ergattern“.

Wegner, Zloch und Naggert auf dem Weg zur Compact-Konferenz am 16.11.2019

IB-Chef Martin Sellner ist für Zloch ein guter Freund. Sellner erhielt Spenden vom Rechtsterroristen und 51-fachen Mörder von Christchurch

Wie relevant die Neue Rechte Zlochs Wirken einordnet, machte die jährlich vom Compact-Magazin um Jürgen Elsässer durchgeführte Ernennung zum „Held des Widerstandes“ deutlich, die Zloch am 16. November 2019 in Magdeburg erhielt. Vor ihm hatten diese Auszeichnung unter anderem die Identitäre Bewegung Deutschland, Martin Sellner oder Lutz Bachmann von PEGIDA erhalten. Die Laudatio für Zloch hielt an diesem Abend der österreichische Führungskader der Identitären, Martin Sellner. In seiner eigenen Ansprache macht Zloch deutlich, dass er die „standhafte neue deutsche Jugend“ repräsentiere und er es mit seiner Musik in den Mainstream schaffen werde. Wie wichtig diese digitalen, rechten Seilschaften für Zloch sind, zeigt er in seiner ausführlichen Danksagung Anfang Juli 2020, in der er explizit Ignaz Bearth, Thorsten Schulte, Martin Sellner, Dubravko Mandic, Hagen Grell, Klemens Kilic, Jürgen Elsässer und Compact nennt. Gemeinsam mit dem rechten Influencer Thorsten Schulte produzierte er das Lied „Fremdbestimmt“, das nach dem Titel des verschwörungstheoretischen Buches Schultes benannt ist und ihn gemeinsam mit Zloch im Video zeigt. Das Lied wird wenige Tage nach Veröffentlichung von Youtube gesperrt.

Rechtes Community Building

Daneben ist Zloch auch sehr geschickt darin, sich eine eigene Community aufzubauen und diese an sich zu binden. Dies geschieht zum einen über einmalige Projekte, gemeinsame Wochenenden oder Straßenaktivismus, bei denen seine Fans „ihren Chris“ einmal hautnah erleben können. Wichtiger ist jedoch die ständige Kommunikation über die Social Media Kanäle, in seinem Fall insbesondere Telegram, Instagram und Youtube. Sein Telegram-Kanal wird täglich aus einer Mischung aus Privatem, Politischen und Kommerziellem bespielt. Regelmäßig unterhält er sich mit anderen Akteuren und Bloggern der extremen Rechten bei Youtube oder er macht eigene Livestreams, bei denen Zuschauer Fragen stellen und kommentieren können. Auf allen Kanälen legt er dabei Wert auf Nahbarkeit und persönliche Kommunikation. Seinen ersten Patreon-Spender begrüßte er überschwänglich: „Wahnsinn der erste Patron ist da! Du bist wundervoll! Ich werde dich kontaktieren!“ In den sozialen Medien geht auf Fragen ein, erwähnt Spender*innen namentlich, postet Fotos seiner Fans mit NDS-Merchandise und wirbt für NDS-Tattoos.

Teilnehmer*innen des Chris-Ares-Wochenende (hockend: Pierre Amthor, blau: Rick Wegner)

Musik spielt dabei insgesamt eine untergeordnete Rolle, Lifestyle und Politik überwiegen. Das ist wenig verwunderlich, schließlich ist für die Neue Rechte Musik lediglich das Medium und Zloch der Schlüssel zum Öffnen neuer Zielgruppen. So wird der Versuch unternommen Chris Ares als Marke zu etablieren und jungen Menschen die Welt einer „NDS-Familie“ voller Ehre, Treue und Zusammenhalt vorzugaukeln. Nicht ganz ohne Erfolg, wie zahlreiche Profile, die einen Vornamen ergänzt durch den Zusatz „-NDS“ beinhalten, beweisen. So werden auch relativ unpolitische Jugendliche und junge Erwachsene in die rechte Szene eingeführt um anschließend von Zloch und Co für ihre Zwecke ausgenutzt zu werden. Selbst erstellte Umfragen, die Zloch in seinem Telegram-Kanal startet, geben einen groben Einblick in seine Community. Wenig überraschend ordnen sich 76% seiner Fans als „Eher rechts/konservativ-patriotisch“ ein – eine rechtere Kategorie gab es auch nicht. Die meisten seiner Zuhörer*innen kommen aus Bayern/Baden-Württemberg (23%) und aus Nordrhein-Westfalen (17%), was jedoch auch die bevölkerungsreichsten Bundesländer sind. Diese Umfrage macht jedoch auch deutlich, dass Chris Ares bundesweit gehört wird, denn auch in anderen Bundesländern liegen die Werte zwischen 4% und 15%.

Texte und Aussagen

Zlochs Songtexte sind geprägt von einem extrem rechten Weltbild. Seinen Texten ist ein exklusiver und völkischer Heimatbegriff inhärent. Gerne teilt er auch Reden von Kaiser Wilhelm II. oder er posiert vor einem Denkmal für die deutschen Soldaten des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Seine ideologische Grundlage ist der von der Identitären Bewegung propagierte „Ethnopluralismus“.

Zloch bedient in Livestreams selbst die „Blut-und-Boden“-Ideologie, wenn er behauptet, dass „deutsches Blut“ das entscheidende Kriterium ist, um in Deutschland leben zu dürfen. In seinem gemeinsamen Livestream mit Kai Naggert vom 8. März 2020 betonte er: „Solange wir eben die Mehrheit stellen und die Oberhand behalten […]“. „Wir“ sind nach seiner rassistischen Auslegung natürlich die „echten Deutschen“. Dem befreundeten Rapper Ukvali, der über einen Migrationshintergrund verfügt, gesteht er immerhin großzügig zu: „wenn er sich hier mit einbringt […] dann kann er auch ganz normal auch unser Freund sein“. Auf seinem Telegram-Kanal ärgert er sich darüber, dass es mittlerweile auf Volksfesten auch Halal-Fleisch-Angebote für Muslime gibt und dass Rammstein es wagt, eine PoC „Germania“ spielen zu lassen. In NPD-Manier fordert er: „Deutschland solle endlich wieder inländerfreundlicher werden.“

Zloch zu Besuch bei Sellner in Wien

Als er von einer Reise am Balaton berichtet, bricht sein Rassismus einmal mehr durch: „Ich habe noch nie eine Stadt gesehen, in der nur Europäer sind […] das ist Wahnsinn!“ Weiterhin weiß er zu berichten, dass alle Deutschen, die in Ungarn wohnen, wegen der „Flutung Deutschlands“ ausgewandert seien. Auf dem Weg dorthin besucht er zudem Martin Sellner, den Chef der Identitären Bewegung in Wien, der mit dem Rechtsterroristen und Massenmörder von Christchurch E-Mails schrieb und von diesem Spenden erhielt. Auf Telegram bezeichnet Zloch Sellner als „guten Freund“.

Dass seine Aussagen verheerende Wirkungen auf junge Menschen entfalten, zeigte sich im Rahmen seiner „Fit-werden-Aufgabe“ Mitte 2020. Am 17. Juni fordert Zloch seine Fans auf, Kampfsport zu trainieren und die eigene Ernährung umzustellen. Seine Begründung: „Kampfsport ist wichtig, da man sich immer und überall verteidigen können muss.“ Seinen Nachricht schließt mit der direkten Aufforderung zu „Taten“: „Du bist Patriot? Du willst stark sein? Du bist dabei? Los geht’s! Schluss mit reden – Taten müssen her!“

Wenige Tage später, kurz vor dem geplanten Album-Release löscht Zloch plötzlich den gesamten Content seines Telegramkanals und kündigt doppeldeutig an: „Dieser Kanal bietet keinen Platz mehr für Jammerei- und Tatenlosigkeit. Hier findet ihr in Zukunft nur noch Kraft, Stärke und Disziplin. Wir werden Bildung, Lebensstil und Heimat besprechen. Starke Patrioten wollen wir sein!“ Der Telegram-Kommentar des 22-jährigen Ares-Fan Kai klingt in Bezug auf Zlochs Aussagen und seine Musik wie die erwünschte Antwort: „Ich höre sie im Fitnessstudio oder kurz vor gewissen Aktionen.

Die Radikalisierung des Christoph Zloch in einem Beitrag

Die Saat geht auf

Wenig überraschend motivieren Zlochs Aussagen und seine Musik genau wie klassischer Rechtsrock junge Rechte zu Taten. Im Juni 2020 analysiert der Experte für rechte Musik Timo Büchner Zlochs neues Lied 2060 und stellt dabei heraus, wie der Rechtsrapper rechten Terror propagiert und mit „Schläfern“ droht, die nur darauf warten „loszuschlagen“ – ein indirekter Verweise auf den von Neonazis herbeigesehnten Tag X.[25]

Schaut man sich Zlochs Texte und Aussagen an, fällt sein Hang für Verschwörungstheorien auf. Für die aktuelle Corona-Krise deckte sich Zloch in Prepper-Manier mit Essen und Trinken für 2,5 Monate ein und kündigte an, eine große Menge Bargeld abzuheben bevor es zu spät sei. Wiederholt thematisiert er in seinen Texten die antisemitischen Verschwörungstheorien Hooton-Plan, New World Order und Morgenthau-Plan, die in der extremen Rechten wahlweise als Beleg für den geplanten „Bevölkerungsaustausch“ oder den organisierten deutschen „Volkstod“ herhalten müssen. Immer wieder deutet er an, dass hinter den Kulissen Kräfte wirken würden, die das deutsche Volk zersetzen wollen. Diese würden auch für die „Invasion von vielen Tausend und Millionen Wirtschaftsmigranten“ verantwortlich sein und als „Waffe“ gegen das deutsche Volk benutzen. Dieser strukturelle Antisemitismus, der sich gegen nebulöse, globale Eliten richtet und dabei die „jüdische Weltverschwörung“ meint, blendet tatsächliche Fluchtursachen und globale Zusammenhänge aus. Auch den sekundären Antisemitismus bedient Zloch, indem er vom „Schuldkult“ spricht und damit die Holocaust-Gedenkenden und Mahner verunglimpft.

Schließlich darf als Rechter ein ausgeprägter Maskulinismus nicht fehlen. Diesen propagiert Zloch immer wieder durch seinen überhöhten Ehrbegriff und einer festgelegten Rollenvorstellung, die den Mann als starken Kämpfer sieht. Während der Corona-Pandemie schürte er Ängste, indem er zum Hamstern aufrief und selbst angab Lager anzulegen. Den Mundschutz bezeichnete er als „Maulkorb“ und er beteiligte sich an einer Demo von Coronaleugner*innen in Bautzen.

Aus den vielen Aussagen Zlochs spricht ein gekränktes Männer-Ego, das sich von „Ausländern“ bedroht fühlt. Endlich möchte auch er einmal stolz auf sein Land sein. Im Interview mit dem rechten Youtuber Oliver Flesch ärgert er sich regelrecht darüber, dass sich die restlichen AfDler nicht an seiner Prügelorgie bei der Wahlparty 2016 in München beteiligten, während er gleichzeitig rassistische Zuschreibungen vornimmt und die rassistisch abgewerteten Subjekte zugleich beneidet: „Wenn wir jetzt irgendwelche Kosovo-Albaner auf ´ner Familienfeier gewesen wären […], die wären allein aus Ehrgefühl alle rausgestürmt“.

Zloch bedient alle Facetten Hassrede

Im Folgenden sind vielsagende Rap-Zitate Zlochs aufgelistet:

„Früher wurden Völker und Länder von Grenzen geschützt – in Zukunft müssen wir es selbst tun“ […] „Schämt euch, ihr Lügner, Sagt, glaubt ihr denn selbst, Dass man euch bei der Wahrheit als Nazis entstellt, Der Tag 0 wird kommen und nicht nur die richten, Die selber Schuld tragen, sondern falsch berichten“

(Track „Niklas P.“)

„Meinungsfreiheit gibt’s nicht […]Ein gebücktes Volk seit 70 Jahren“

(Track „Deutscher Patriot“)

„Wir machen den Deutschen stolz“

„Aufrecht stehen. Absolut. Gerade gehen. Deutsches Blut. Patrioten, die sich wehren. Wir haben von dem Scheiß genug“

(Neuer Deutscher Standard)

„Ich hasse deine Feinde, die dich so vergiftet haben. Einmal stark sein, dann leuchtest du in Licht und Farben, Das hier ist mehr wert als Hooton und Morgenthau.“

„Von Wien bis Stettin, wir steh’n hier für die Erben, Verwurzelt in Deutschland, du mein Deutschland
Stets an deiner Seite, Auch wenn du uns mal enttäuscht hast, Du bist mehr, als uns die BRD erschaffen hat, dieses Multikulti-USA-Schlaraffenland“

(Du mein Deutschland)

„Kommunisten, geisteskranke Menschen, die schon bald verschwinden, Ich bin rechts und unser Kommen ist europaweit zu spüren“

„so, wie Gott uns schuf, will ich die Geschöpfe lieben, was für ’ne kranke Welt, Conchita Wurst soll Vorbild sein, aber ich vernein‘ von vorne rein, als Mann geboren und als Mann auch sterben, das ist Natur, lebt das Familienbild von Mann und Frau […] Antifa, ein Haufen Scheiße zugedröhnter Hurensöhne“

„Fuck the new world order“

„Ich bin rechts um unser kommendes Europa bald zu spüren […] brechen Teutonen über Dünen, übernehmen jedes Land, das ist die Rückkehr der Germanen, ja wir opfern unser Dasein nur aus Rücksicht auf die Ahnen. Eure vollvermummten Punkvisagen werden mittels Panzerwagen durch das ganze Land gejagt, um euch maden dann anzuklagen. Nach der deutschen Wende wenn das Land in unseren Händen ist, dann sehen wir wen’s am Ende trifft und wer von uns verängstigt ist.“

– (Defend Europe)

„Jetzt ist Abriss, Wir haben eure Lügen satt, Und die Scheisse, die hier geschieht, Es ist Krieg, Ihr habt ihn gebracht“ […] „Opa hat es mich gelehrt, was mich zum Mann macht“

– (Widerstand)

„Parallelsysteme von Menschen, die weder zu uns passen, noch kann Leben mit uns klappen, weil sie eben nicht gewachsen sind der Hochkultur der Deutschen

– (BRDigung)