Use your widget sidebars in the admin Design tab to change this little blurb here. Add the text widget to the Blurb Sidebar!

Chris Ares“ und der identitäre Rechtsrap

Zloch beim IB-Fest „Europa Nostra“ 2018 mit klarem Bekenntnis zur IB (Foto: Anne Wild)

Der erste Teil unserer Recherche umfasste einen allgemeinen Überblick über Strategien und die Entstehungshintergründe des identitären Rechtrap. Der vorliegende zweite Teil der Recherche dreht sich um den Protagonisten Christoph Chris Ares Zloch, den Aufbau des identitären Rechtsraps und das neurechte Netzwerk dahinter.

Wie die Neue Rechte versucht junge Zielgruppen zu erschließen

„2020 wird das Jahr des Heimat-Rap“, titelte die neurechte Wochenzeitung Junge Freiheit Ende Januar 2020. Die Aussage stammt von Chris Ares[1], dem bislang erfolgreichsten Rechtsrapper im Umfeld der extrem rechten Identitären Bewegung. Sein erstes komplettes Album „Ares“ sollte am 3. Juli 2020 bei dem einschlägigen Label Arcadi Musik erscheinen. Amazon weigerte sich jedoch einen Tag vorher, die menschenverachtende Fracht zu verschicken und Spotify löschte das Album nach Hinweisen und Protesten seiner Kund*innen.

Auch die rechte Zeitung Junge Freiheit weiß um das Potential von Zloch&Co

Zloch beherrscht die Opferrolle in Perfektion

Die bisherigen Veröffentlichungen des identitären Rechtsrappers konnten durchaus Erfolge erzielen, die auch außerhalb extrem rechter Filterblasen wahrnehmbar waren. So erreichte der 2019 veröffentlichte Track „Neuer Deutscher Standard“ kurzzeitig Platz 1 der Amazon-Charts, Platz 10 bei iTunes und Platz 95 in den Media-Control Charts. Bereits zuvor erlangte Zlochs Album „2014-2018“ den ersten Platz der iTunes-Charts. Entscheidend war dabei Platz 6 der wöchentlichen Download-Charts, was MTV dazu zwang, den Track im Rahmen ihres Programms zu spielen.

Damit spielt Christoph Zloch mit seinem Projekt Neuer Deutscher Standard (NDS)[2] eine wichtige Rolle bei den Versuchen der identitären extremen Rechten, junge Zielgruppen über subkulturelle Mittel zu erreichen und darüber in ihrem Sinne zu politisieren.

Strategiewechsel der Identitären Bewegung bei der Ansprache jugendlicher Zielgruppen

Die Gründung der Identitären Bewegung (IB) wurde in Deutschland von zentralen Vordenkern der sogenannten Neuen Rechten beeinflusst und stellte für einige Jahre die inoffizielle Jugendorganisation dieser extrem rechten Szene dar. Mit ihrem modernen und aktionistischen Auftreten sowie einer zeitgemäßen Sprache gelang es ihr, völkischen Nationalismus wie Rassismus stilistisch hip zu verpacken und Jugendliche wie junge Erwachsene anzusprechen. Damit leistete sie eine wichtige Vorfeldarbeit bei der Ansprache einer Zielgruppe, die die Neue Rechte bis dahin nicht erschließen konnte. Seit dem sich dieses zentrale metapolitische[3] Instrument der Neuen Rechten in einem Niedergang befindet und von ihrem Geburtshelfer Götz Kubitschek bereits als „bis zur Unberührbarkeit kontaminiert“ bezeichnet wurde, suchen die sich selbst als Rechtsintellektuelle begreifenden Identitären nach neuen Wegen, um ihre völkischen und rassistischen Ideen möglichst unverfänglich in die Köpfe junger Menschen einpflanzen zu können. Unter den zahlreichen gescheiterten Versuchen der Neuen Rechten die Jugend metapolitisch beeinflussen zu können, stellt Zloch derzeit einen der erfolgreichsten dar.

Der Niedergang der IB treibt neue, gefährliche Blüten

Neue Wege – Gleiche Ziele

Martin Sellner und andere Kader der Identitären beklagen seit Längerem, dass sich trotz regional starker Ergebnisse der AfD immer noch ein tiefer Graben zwischen Gesellschaft und Rechtsaußen bestehe. Wichtige gesellschaftliche Teilbereich wie Medien, Wissenschaft oder Kunst seien aus rechter Sicht immer noch in der Hand „linksgrüner Globalisten“, weshalb empfohlen wird, zweigleisig zu fahren, um den parteipolitischen Rechtsruck auch gesellschaftlich wirksam und für die extreme Rechte fruchtbar zu machen. Das neurechte Schlagwort heißt Metapolitik. Mit ihrer Hilfe wollen die Rechten unter Zuhilfenahme der Theorien des marxistischen Philosophen Antonio Gramsci die kulturelle Hegemonie erreichen. Dabei ist ihnen mittlerweile offenbar jedes Mittel – genauer gesagt jedes Medium – recht. Während die zentrale metapolitische Struktur der Neuen Rechten –  die Identitäre Bewegung – zu Beginn großen Wert auf ihr elitäres Außenbild als junge, neurechte Avantgarde legte, musste sie aufgrund ihrer zunehmenden Bedeutungslosigkeit von diesem Leitbild abrücken.

Der Identitäre Dominic Müller im Defend Ruhrpott Shirt im Gespräch mit den Dortmunder Neonazi-Kadern Michael Brück, Martin Wegerich, (Jim Koal)

Bei den Identitären im Ruhrgebiet führte dies beispielhaft zu einer offenen Annäherung an neonazistische, offen gewaltbereite Kreise, mit denen eine Zusammenarbeit aufgrund der eigenen Außendarstellung vor zwei bis drei Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Der Versuch der Ruhrgebiets-Identitären ihr menschenverachtendes Satireformat Ruhrpott Roulette dem eigenen Lager als metapolitisches Agitationsmedium zu verkaufen, sorgte bereits für massive Kritik aus der neurechten Ecke. Zu stumpf, einfältig und stupide wirkten darin die beiden Protagonisten Kai Naggert und Marius König, die ihre plumpen Witze auf Kosten marginalisierter Menschen machten.

Insgesamt lässt sich in den letzten Jahren eine starke Ausdifferenzierung des neurechten Lagers feststellen. Die Identitäre Bewegung (IB) rückte in diesem Vorgang von ihrer zentralistischen Struktur ab und räumte regionalen IB-Gruppen und Einzelpersonen gewisse Freiheiten ein, ohne dabei das Ziel der Metapolitik aus den Augen zu verlieren. Ziel ist ein „kultureller“ Mikrokosmos: Literatur, Magazine und Zeitschriften, Youtuber*innen, regionale Chatgruppen, Kunst, eine eigene Biermarke und Szenesprache sollen jungen Menschen den Einstieg in einen rechten Lifestyle eröffnen. Aufgrund ihrer eigenen „Kontamination“ (Götz Kubitschek) tritt die Identitäre Bewegung allerdings deutlich zurückhaltender auf und labelt viele ihrer Aktivitäten nicht mehr mit dem Corporate-Design der IB. In Österreich haben die Identitären Martin Sellner und Jakob Gunacker mit „Die Österreicher“ bereits eine direkte Nachfolgeorganisation der IB-Österreich gegründet und der IB damit lediglich einen neuen rot-weißen Anstrich verpasst. Dementsprechend sind die meisten dieser neurechten Projekte auf den ersten Blick nicht als solche zu erkennen. Das charakteristische Lambda-Zeichen taucht nicht mehr auf. Menschenverachtende Inhalte werden elegant verpackt und subtil vermittelt. Die IB versucht nun über Umwege anschlussfähig zu werden und ihren Kulturkampf von Rechts auf anderen Ebenen weiterzuführen. Dabei bleiben junge Menschen weiterhin die Zielgruppe der Identitären.

Identitärer Rechtsrap

Rapmusik avancierte in den letzten Jahren zur größten Jugendkultur hierzulande und erreicht mittlerweile Millionen von Jugendlichen und junge Erwachsene. Ein ideales Medium also für die Strategie der Neuen Rechten, wäre da nicht die unüberwindbare Diskrepanz zwischen dem elitären, nationalistischen Anspruch und der aus der afroamerikanischen Community von Harlem hervorgegangenen Hip-Hop Kultur. Auch viele der bekanntesten Rapper in Deutschland haben einen Migrationshintergrund, so dass für die Rechte ein massiver ideologischer Konflikt entsteht, wenn sie dieses absolut undeutsche Musikgenre bedienen möchte. Allerdings sind die Identitären nicht die ersten extremen Rechten, die sich im Bereich Rap versuchen. Dabei sprachen NPD und Neonazis jedoch lieber von „nationalem Sprechgesang“ als von HipHop oder Rap.

Rechte gegen Rechte. Shitstorm gegen Kai Naggert nach seinem Sauf-Track „Am Glas verteidigt“ 2019

Neonazi-Rapper wie Michael Björn Bock/Der Bock, Julian Fritsch/MaKss Damage oder Patrick Killat/Villain051 sind bereits seit den 2000er Jahren in diesem Bereich aktiv. Diese Akteure sind jedoch nicht über die Aufmerksamkeit der eigenen neonazistischen Szene hinausgekommen. Videos und Musik waren häufig dilettantisch produziert und meist war die Rapkarriere der Neonazis bereits nach 1-2 Jahren beendet. Die Schulhof-CD der NPD war ebenfalls ein Versuch junge Menschen mittels Musik für Nazi-Ideologie zu gewinnen – ebenfalls mit überschaubarem Erfolg. Parallel zum Scheitern der Autonomen Nationalisten – einer Phase der Modernisierung der neonazistischen Szene, in der Experimente möglich waren und die als wichtige Vorstufe der Etablierung der IB betrachtet werden kann –  scheiterte auch der Versuch der Neonazis mittels HipHop junge Menschen in größerem Maß zu erreichen.

Soldatische Tugenden wie Stolz, Ehre, Treue stehen bei Ares hoch im Kurs. Wehrmachtssoldaten verkörpern diese Ideale.

Die Identitäre Bewegung ist derzeit dabei, durch HipHop junge Menschen anzusprechen und ist damit weitaus erfolgreicher als ihre neonazistischen Vorläufer. Der Inhalt bleibt dabei jedoch im Wesentlichen derselbe: Es geht um Disziplin, Treue, Stärke, Tapferkeit, Ehre und Stolz – und um Deutschland. Allerdings ist es den Identitären gelungen, den alten NS-Rap auf eine neue Stufe zu heben. Subtilere Texte, eine professionelle Aufmachung und ein effektives Vertriebs-Netzwerk im Hintergrund sorgen für teilweise beachtliche Klick- und Kaufzahlen. Insgesamt unternimmt die Neue Rechte aktuell den Versuch mit Bloody32 (Rap), Chris Ares und PrototypNDS (Rap) sowie Sacha Korn (Metal/Rock) rechte Akteure im Musikbereich großzumachen.[4] Ihre Texte sind geprägt von Antisemitismus, antimuslimischem Rassismus sowie Antiamerikanismus.

Gespickt mit verschwörungstheoretischen Schlagwörtern und Theoremen, werden auch Deutschland, „Heimat“ und „das Eigene“ glorifizierend dargestellt und mythisch aufgeladen. Der Nationalsozialismus, die Shoah oder die deutsche Kolonialgeschichte hingegen werden strategisch ausgespart, um eine rein positive Erzählung Deutschlands konstruieren zu können.

Patrick Uli Bass/Komplott

Schmitz´ Auftritt beim IB-Fest in Drseden 2018

Der erste identitäre Rapper Patrick Uli Bass/Komplott gab im Januar 2020 seine Rapkarriere überraschend auf, was im Milieu des IB Rap zu großem Unverständnis führte. Dabei gab Bass berufliche Gründe an und bezog damit sich auf sein Jurastudium. Als Vorreiter des IB Raps war er seit 2015 als Identitärer musikalisch aktiv, wurde in einer extrem rechten Burschenschaft sozialisiert und war davor nicht nur musikalisch in Neonazi-Kreisen aktiv.[5] Melanie Schmitz hat sich als Kader der IB im Rahmen des Projekts Varieté Identitaire ebenfalls musikalisch betätigt. Derzeit legt sie jedoch aufgrund von Schwangerschaft und Mutterschaft eine Pause bei ihrem politischen Aktivismus ein. Dass sich an ihrer rechten Einstellung nichts geändert hat, stellt sie am 18. Juni 2020 unter Beweis, als sie im Prozess ihren Ex-Freund und Hallenser IB-Chef Mario Müller, der zuammen mit Dorian Schubert zwei Zivilpoilizisten mit Baseballschläger und Pfefferspray attackiert hatte, mit ihrer Aussage entlastete.

Prototyp/Naggert, Bloody32/Siewert, Chris Ares/Zloch

Dementsprechend sind aktuell die drei identitären Rapper Bloody32, Chris Ares und Prototyp  sowie die sie umgebenden rechten Netzwerke die entscheidenden Akteure bei dem Versuch der Identitären mittels HipHop und Rap neue Zielgruppen zu erschließen und einen attraktiven rechten Lifestyle zu schaffen. Innerhalb der Strategie der Identitären übernehmen sie dabei die Funktion des Türöffners, die junge Menschen in eine extrem rechte Filterblase vermittelt. Der Infokrieg der Identitären hat die Musik erreicht.

Martin Sellner, Gesicht und Sprachrohr der IB, heißt seine Zuschauer willkommen

Wer ist Chris Ares? Ein gewichtiges Steinchen der Mosaikrechten

Der bislang erfolgreichste Rechtsrapper des Trios ist Christoph Aljoscha Zloch alias Chris Ares, der sich offenbar nach dem griechischen Gott des „schrecklichen Krieges, des Blutbades und Massakers“ benannt hat. In seinem musikalischen Wirken hat er sich im Stil der IB der metapolitischen[6] Beeinflussung der Gesellschaft verschrieben und versucht jugendliche Zielgruppen anzusprechen, um sie im Sinne der Identitären zu politisieren. Bei diesem Vorhaben hilfreich ist seine mehrjährige Verankerung und Vernetzung in extrem rechten Szenen, aus denen heraus er unterstützt und gefördert wird. Im Rahmen seines Projekts Neuer Deutscher Standard (NDS) wird Zloch seit 2019 von dem rechten Label Arcadi Musik professionell vermarktet und konnte dadurch durchaus Download-Erfolge erzielen. Bislang hat er ein eigenständiges Album („2014-2018“) und gut 20 eigene Tracks – die häufig zusammen mit anderen Rechtsrappern aufgenommen wurden – veröffentlicht. Anfang Juli 2020 hat Zloch sein neues Album „Ares“ veröffentlicht – allerdings hatte Amazon einen Tag vorher den Verkauf des Albums sowie aller weiteren Produkte von ihm gestoppt. Damit ist die Hoffnung auf eine Chartplatzierung des Albums Geschichte. Seine Tracks waren jedoch zumindest zeitweise weiterhin auf Spotify, iTunes (Apple) und GoogleMusic erhältlich, bevor diese schließlich zunächst von Spotify und kurz darauf von iTunes aufgrund zahlreicher Beschwerden gelöscht wurden.

Vermutlich um genau dies zu verhindern, hat Zloch Anfang Juni den kompletten Verlauf seines Telegram-Kanals gelöscht und sich auf die Bewerbung seines ersten Albums konzentriert. Auf keinen Fall sollten  die rechten Altlasten und menschenverachtenden Aussagen seiner Telegram-Vergangenheit die Veröffentlichung des neuen Albums stören. Den Juni 2020 über kündigte er neuen Content an, gab sich positiv und kämpferisch, fordert seine Fans dazu auf Kampfsport zu trainieren, sich fit zu machen und bewusst doppeldeutig „Taten müssen her“. Seine Rechnung ging am Ende nicht auf, denn seine etxtrem rechte Karriere wurde von Beginn an dokumentiert. Dies wäre auch den extrem rechten Ansichten und Aktionen, den Verknüpfungen mit und Kontakten in extrem rechte Szenen von Christoph Zloch nicht angemessen gewesen.

Ziele und Zielgruppen

Zlochs Medium im Kampf um kulturelle Deutungshoheit ist die Rapmusik:

„Den linken Meinungskorridor gilt es kontinuierlich zu verschieben. Da sind gerade wir Metapolitiker gefragt. Es gilt immer wieder Worte einzubringen, die dann debattiert werden, die früher vielleicht unmöglich gewesen wären. So können wir diesen Korridor Stück für Stück verschieben.“ (28.08.18, im Youtube-Gespräch mit Miró Wolsfeld/ UNBLOGD).

Dieses Ansinnen wiederholte er in seinem „größten und umfangreichsten“ Interview mit seinem Freund Juri am 21. Juni 2020: „Aber ja klar, ich möchte das Meinungsspektrum nach rechts schieben.“

Dabei liegt sein besonderes Augenmerk auf der Jugend: „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, Musik für Jugendliche zu machen (…)“ und „Mein größter Traum war und ist, dass ich die Jugend erreiche, um positiv auf sie wirken zu können.“  Sein Ziel ist dabei recht hochmütig: „[…] in 5 Jahren stehen da 2 Millionen und wir erreichen die gesamte Jugend“. Noch genauer wird er, wenn er von seiner Zielgruppe von „14 bis 25jährigen“ spricht und betont: „Die Jugend kannst du heute am meisten mit Musik kriegen.“ (Compact-Magazin Interview 19. November 2019). Allerdings erreicht er diese Zielgruppe nur zum Teil. Eine Umfrage in seiner eigenen Telegramgruppe Chris Ares Offiziell ergab, dass 50% seiner Zuhörer*innen zwischen 30 und 50 Jahren alt sind.

Zloch sieht sich selbst „nur als Puzzleteilchen, […] in der Bewegung“ und möchte „dem großen Ganzen dienen“ (Compact-Magazin Interview 19. November 2019). Er übernimmt damit einen wichtigen Baustein innerhalb der Mosaikrechten, der es insgesamt bislang kaum gelang auf jugend- und popkulturelle Bereiche entscheidend Einfluss zu nehmen. Zloch gefällt sich in der Rolle des toleranten Saubermanns, der nicht müde wird, zu betonen, dass er gegen Gewalt und für jeden Dialog offen sei. Dass seine tatsächlichen Handlungen, seine Texte und Ansichten jedoch das genaue Gegenteil davon sind, wird bei genauerem Hinsehen schnell deutlich. Im aktuellen bayerischen Verfassungsschutzberichtes 2019 taucht Zloch mehrfach auf und wird als „bedeutende[r] Akteur in der bundesdeutschen identitären Musikszene“ beschrieben.[7] Nach den unzähligen extrem rechten Vorfällen und Bundeswehr/KSK und Polizei wendet sich Zloch mehrfach an diese Personen und wirbt um diese. Im Juli 2020 kündigt er an, für diese extrem rechten Amtsträger ein Lied zu schreiben. Aktiv werben er und Wegner um diese an Waffen ausgebildeten extremen Rechten.

Verbindungen zur extremen Rechten

IB Aufkleber an der Tür seines Tonstudios im Keller seines rechten WG in Sauerlach

Der gebürtige Freiburger, geboren am 24. Juli 1992, wohnt seit 2017 in einer WG in Sauerlach bei München und verfügt dort über ein eigenes Tonstudio im Keller des Hauses. Mitte Januar 2020 machten Antifaschist*innen die Nachbarschaft auf diese „Nazi-WG“ aufmerksam und informierten über die Aktivitäten der Bewohner*innen, die das Haus als Treffpunkt der rechten Szene nutzen.[8]

 

Neben dem bereits wegen Fahrerflucht, Diebstahl, Verleumdung, übler Nachrede und Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz rechtskräftig verurteilten Zloch wohnt dort der wegen Mordes in den USA verurteilte Richard „Rick“ Günther Wegner (us-amerikanisch: Richard Houdershell). Weiterhin wohnen dort die beiden Rechten Claudia Ludwig und Nico Pietruszinski, die in Zlochs extrem rechten Bündnis deutscher Patrioten aktiv sind und die Zloch auch in seiner ausführlichen Danksagung auf Telegram vom Juli 2020 erwähnte.

Nico Pietruszinski

Aufgrund seiner Aktivitäten in diesem Bündnis wird Christoph Zloch bereits seit 2016 vom Verfassungsschutz beobachtet. Seit 2018 wird er auch im Verfassungsschutzbericht namentlich erwähnt, was ihn sehr zu stören scheint und deshalb zum Dauerthema in seinen Posts und Videos avanciert ist. Deutlich ist, dass sich Zloch seit mehreren Jahren in extrem rechten Kreisen bewegt und er in diesen organisiert und vernetzt ist. Er ist Gründer des extrem rechten Bündnis Deutscher Patrioten (BDP) und Teil der Identitären Bewegung. Weiterhin pflegt er enge Kontakte zur AfD, zu Neonazis, der Kampfsportszene und neurechten Youtubern. Dieses (neu-)rechte Netzwerk,  seit 2019 durch das professionelle, rechte Musiklabel Arcadi Musik ergänzt, verhilft Zloch zu gefährlicher Bekanntheit und Außenwirkung.

Rap-Karriere

Zloch 2010

Zloch entstammt eigenen Angaben zufolge einem alternativen Elternhaus und er spricht von einer durchaus schwierigen Phase als Teenager, die er als „Multikulti-Linke-Zeit“ bezeichnet und in der er mit St. Pauli-Shirt herumgelaufen sei. Als Jugendlicher hört er Eminem und kam darüber zum Rap. Mit seiner damaligen Freundin bekommt er 2014 ein gemeinsames Kind, allerdings geht die Beziehung bald zu Ende. In dieser Zeit engagierte er sich nach eigener Aussage sogar in der Hilfe für geflüchtete Menschen.

Seine menschenverachtenden Ansichten entwickelten sich im Kontext des verstärkten Zuzugs geflüchteter Menschen nach Deutschland um 2015 herum. In dieser Zeit besuchte Zloch auch erstmalig eine rechte Demonstration und machte erste Schritte in Richtung seiner späteren musikalischen Karriere. Während er mit seiner Mutter in Poing/Ebersberg bei München wohnt, rappte er unter dem Namen „Despo“ und brachte mehrere, teils unpolitische Lieder heraus. Im Zuge des aufkommenden gesellschaftlichen Rechtsruck politisierte sich jedoch auch Zloch zunehmend und er veröffentlichte im Januar 2016 gemeinsam mit dem Erdinger Michael Noll (Silas Ares) seinen ersten explizit nationalistischen Track „Deutscher Patriot“, der im Augsburger Kampfsportstudio „Tigers Arena“ gedreht wird. Von da an steigerte sich die Taktung veröffentlichter Tracks, die zunächst von Balkanoo Beatz produziert wurden und die er mehrfach zusammen mit Michael Noll aufnahm. In dieser Zeit nahm er unterschiedliche Gelegenheitsjobs an, in denen er mal als Kaminkehrer, „Gebäudemanager“ oder Security arbeitet.

Zloch und Noll: Deutscher Patriot

Zloch beherrscht die Opferrolle in Perfektion

Ab 2018 widmete er sich intensiver seiner Rapkarriere und bespielte seinen Youtube-Kanal vermehrt mit Livestreams und Stellungnahmen, um seiner Community Nahbarkeit und Authentizität zu suggerieren. Wie ein roter Faden zieht sich die von ihm eingenommene Opferrolle durch beinahe alle seine Videos. So sei die herrschende „Meinungsdikatur“ dafür verantwortlich, dass ihm aufgrund seiner hetzerischen und menschenverachtenden Aussagen und Videos mehrfach von Facebook und Youtube gesperrt und ihm schließlich auch sein PayPal-Konto gekündigt wurde. Ende 2018 ging er mit dem AfD-Anwalt Christian Stahl[9] gegen die Facebook-Sperrung vor und erreichte vor dem Amtsgericht München eine einstweilige Verfügung. Mittlerweile verfügt Zloch wieder über ein Facebook-Konto mit knapp 8000 Abonnent*innen. Vor seiner Sperrung wegen Hatespeech hatte er dort knapp 50.000 Abonnent*innen. Als die gesamte Rechte 2018 zum Messenger Telegram wechselte, zog er Ende Juli auch mit und gründet einen eigenen Kanal, auf dem er mittlerweile knapp 12.000 Mitglieder täglich mit seinen Inhalten erreicht. Sein Youtube-Konto  mit gut 80.000 Abonnent*innen und sein Instagram-Profil mit 22.700 Abonnent*innen (Stand: Juli 2020, Tendenz steigend) dienen ihm als weiteres Sprachrohr für seine Musik, Verschwörungstheorien und rechte Agitation.

Professioneller wurden Musik und Videos ab Sommer 2019, als Zloch zusammen mit Arcadi Musik das Mutterschiff Neuer Deutscher Standard (NDS) gründeten. Laut Zloch kam Arcadi 2019 auf ihn zu und wollte „das Ganze gerne nach vorne bringen […] professionalisieren […] auch investieren.“ [10] Dies geschah wahrscheinlich bereits im Frühjahr 2019, als Personen des Arcadi-Magazins Zloch besuchten und mit ihm ein ausführliches Interview für die Arcadi-Ausgabe 01/2019 führten. In diesem Interview bedankt sich Zloch ausführlich dafür, bezeichnet die Arbeit der „Ehrenämtler“ von Arcadi als „jungen und frischen Journalismus [der] die linke kulturelle Vorherrschaft brechen wolle[n]“ und kündigt zugleich an, selbst für Arcadi schreiben zu wollen.

 

Arcad Musik professionalisiert den Rechtsrap

Ab diesem Zeitpunkt stand ein neurechtes, finanzstarkes Netzwerk hinter Chris Ares, das erkannte, wie wirkmächtig das Medium Rap für die neurechte Agitation sein könne. Dies ließ das ohnehin ausgeprägte Ego Zlochs noch einmal anschwellen. Über sein kommendes Album fabulierte Zloch in üblicher Selbstüberschätzung: „Es wird einschlagen wie ein Komet [..] es wird alles in den Schatten stellen […] es wird ´ne Machtansage“. Im August 2019 wird der Weseler Identitäre Kai Alexander Naggert[11] Teil des Labels und der erste gemeinsame Track „Neuer Deutscher Standard“ wird im gesamten (neu-)rechten Milieu extrem stark beworben. Es wurden Anzeigen geschaltet und über alle Kanäle der neurechten Filterblase wurde dieses Lied als neue „Hymne“ und „Zeitenwende“ angepriesen. Auf Youtube blieb es dennoch mit 450.000 Klicks hinter Zlochs beiden Tracks „Deutscher Patriot“ (mit Silas Ares, 750.000 Klicks) und „Widerstand“ (mit Komplott, 1.000.000 Klicks) zurück. Ab März 2020 wurde das Rechtsrap Duo durch den 21-jährigen Dürener Primus ergänzt.

Neben Konzerten und Vertrieb kümmert sich Arcadi Musik auch um das Merchandise von CDs, Shirts, Kalendern oder Tassen im NDS-Style. Ein entscheidender Faktor bei der Vermarktung von Musik stellen heutzutage die Musik-Streaming-Dienste dar. Diese werden von Arcadi Musik professionell bedient und so finden bzw. fanden sich die in jeglicher Hinsicht menschenverachtenden Texte von Zloch und Naggert auf Googleplay, Amazon, Spotify und iTunes/Apple Music. Bei Amazon gab es die NDS-Tracks bereits für nur 1,29 Euro, während die Ares-Fanbox bei stattlichen 49,99 Euro lag. Wenn Zloch und Naggert ansonsten keine Möglichkeit auslassen, um nach Spenden zu betteln oder für völlig überteuerte Exklusiv-Mitgliedschaften in der NDS-Familie, z.B. erhält man den Titel Prototyp-Unterstützer für regelmäßige Zahlungen von 100$/Monat, zu werben, konterkarieren die günstigen Download-Preise diese Geldmacherei. Der Grund liegt in dem Ziel maximale Downloadzahlen zu erreichen, die wiederum zu hohen Chartplatzierungen führen und zu der Bekanntheit der Tracks beitragen. Diese Platzierungen in den Download-Charts, bei Amazon oder iTunes sind für das neurechte Musikprojekt extrem wichtig, da dies neben vorübergehender Aufmerksamkeit vor allem das Eindringen in die als linksgrün imaginierte kulturelle Hegemonie gedeutet wird und der neurechten Community suggerieren soll, dass man die Außenseiterposition verlassen und in den Mainstream eindringen könne. Zloch bestätigt diese Strategie in einem Interview im April 2020: „Das ist auch der einzige Grund, warum wir bei Amazon verkaufen […] damit wir die Chart-Platzierung bekommen.“

Naggerts Versuch von seiner Musik leben zu können lief über den Social-Payment-Service-Anbieter Patreon. Bei 8 Patrons war jedoch Schluss.

Neurechte Freude

Der 2019 veröffentlichte Track „Neuer Deutscher Standard“ konnte kurzzeitig Platz 1 in den Amazon-Charts, Platz 10 bei iTunes und Platz 95 in den Media-Control Charts erreichen. Zuvor erzielte Zlochs Album „2014-2018“ bereits den ersten Platz der iTunes-Charts. Entscheidend war dabei Platz 6 der wöchentlichen Download-Charts, da diese Platzierung MTV dazu zwang den Track im Rahmen ihrer Charts zu spielen. Die vorgenannten Internetportale bieten damit nicht nur Bekanntheit, Suggestion eigener Wirkmächtigkeit sowie Finanzierungsmöglichkeiten für die Neue Rechte, darüber hinaus tragen sie auch zu einer Normalisierung extrem rechter Narrative bei.

Schlechte Verlierer in Musik wie Politik. Da hilft nur die Opferrolle.

Allerdings ist die Sensibilität dieser Anbieter gegenüber hetzerischen und menschenverachtenden Inhalten in den vergangenen Jahren gestiegen. So hat PayPal die Konten von Naggert sowie Zloch gesperrt und MTV sah sich am 27. September 2019 dazu veranlasst, ein Statement gegen Zloch, Naggert und Nazis im Allgemeinen zu veröffentlichen. Dennoch wurde der Track „Neuer Deutscher Standard“ zu einem späteren Zeitpunkt aufgrund seiner Platzierung in den Download-Charts auf Platz 6 von MTV ausgestrahlt. Auch Apple löschte Zlochs EP „2014-2018“ nur vorübergehend. Die Plattform Deezer lehnt als einziger Anbieter die Vermarktung von NDS konsequent ab.

.

Neben dem Geld aus Musik, Merchandise und Spenden verdienen Zloch und Naggert auch an Livestreams auf Youtube, bei denen Fans zu Spenden aufgefordert werden. Dabei können bei einem 90-minütigen Livestream unter Umständen 500 Euro zusammenkommen. Im September 2019 richtete Zloch sich die Patreon-Gruppe Frontlieferanten ein. Über diesen Social-Payment-Service lassen ihm Anhänger monatlich Geld zukommen, während er ihnen im Gegenzug Einblicke in sein neues Album oder sein Privatleben gewährt. Mit dieser finanziellen Unterstützung würde er ganz selbstlos „das Ganze noch professioneller und effektiver – FÜR UNS ALLE – gestalten können.“ [12] Ende März 2020 gaben Zloch und Arcadi-Musik „frustriert“ bekannt, dass Zlochs neues Album „Ares“ trotz großer Ankündigung erneut verschoben musste, angeblich wegen der Corona-Krise. Die Veröffentlichung ist nun für Anfang Juli 2020 geplant.

Etwas Fame abstauben

Ende 2019 versuchte Zloch mit Attacken gegen populäre Rapper in die Schlagzeilen zu kommen. So griff er im November Capital Bra an, da dieser nach Zlochs Aussagen „einmal […]stolzer Russe, dann redet er von Inshallah, also muslimisch“ sei. Im Dezember 2019 machte er dann Fler den Vorwurf: „Du bist alles – aber nicht Deutsch“. In diesem Zusammenhang versucht sich Zloch gerne als „Saubermann“ der Rapszene zu inszenieren, der nicht nur über „Frauen, Gewalt und Drogen“ rappe. Dabei liefert er sich mit seinen antisemitischen, rassistischen und völkischen Inhalten ein Kopf-an-Kopf-Rennen in Menschenverachtung mit einigen Gangster-Rappern. Seine Attacken gegen muslimische oder angeblich undeutsche Rapper passen zu seiner Verankerung in der extrem rechten Szene.

Kartoffelbeef: Christoph Zloch vs. Patrick Losensky (Fler)

Bevor Zloch als identitärer Rapper Bekanntheit erlangt hatte, war er dort mehrere Jahre aktiv gewesen und hat diese mitorganisiert. Hier geht es zum zweiten Teil der ChrisAres-Recherche mit den Theme Netzwerke, Projekte, Hatespeech: Klick