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„Wir sind keine Antisemiten, aber…“ – vom sekundären und strukturellen Antisemitismus bis hin zur Relativierung des Holocaust

Mahnende Erinnerungen werden als „Holocaust-Keule“ bezeichnet

Da die deutsche Öffentlichkeit aufgrund des Holocaust sensibler auf Antisemitismus reagiert, als in anderen europäischen Ländern, versuchen sich die Identitären immer wieder vom Vorwurf des Antisemitismus freizusprechen. Aus taktischen Gründen bedienen sie sich zweier indirekter Formen des Antisemitismus. Die Wissenschaft nennt diese Formen strukturellen Antisemitismus und sekundären Antisemitismus.

Sellners Sicht auf das Gedenken an den Holocaust

Beim sogenannten sekundären Antisemitismus hetzen die jungen Rechtsradikalen nicht direkt gegen Menschen jüdischen Glaubens, sondern gegen diejenigen, die an das Leid und die massenhafte Ermordung der Juden im Nationalsozialismus erinnern. Die neuen Rechtsradikalen verunglimpften die Gedenkkultur wiederholt als „deutschen wahnsinnigen Schuldkult“ oder „Holocaust Religion“, während die Gedenkenden als „Schuld-Sekte“ (Martin Sellner, 2017) bezeichnet wurden. Der Kopf der IB in Bochum Marco Müller sprang auf diesen neurechten antisemtitischen Zug auf und bezeichnete den Nachbau des Berliner Holocaust-Denkmals in einem seiner Videos als „hässliche Betonpoller“ und echauffierte sich über 20 Minuten hinweg über die Aktion des Zentrums für politische Schönheit. In einem anderen Post benutzte er ebenfalls „Sekte des Schuldkults“. Das nachgebildete Holocaust-Denkmal vor dem Haus Björn Höckes brachte die Identitären gar dazu, den Initiator der Aktion Philipp Ruch als „Hohepriester der bundesdeutschen Holocaust-Religion“ zu bezeichnen und die unmissverständliche Frage aufzuwerfen, wie die Deutschen sich „von diesem kranken zivilreligiösen Sektenkult befreien können“.

Sellner lässt seinem Antisemismus freien Lauf

2017 schleuste sich die 25-jährige Wienerin Julia Ebner in IB-Strukturen ein und berichtete von Sellners Aussage, dass man „mit offenem Antisemitismus in Europa heute nicht mehr weit komme. Dass die Rechten ihr neues Image ganz genau kontrollieren müssten: Junger, hipper, weiblicher.“ Antisemitismus wird also nicht abgelehnt, sondern lediglich aus taktischen Gründen nur verdeckt artikuliert.

Entlarvende Diskussionen und klägliche Rechtfertigungsversuche

In der Neuen Zürcher Zeitung setzte der österreichische IB-Kopf Alexander Markovics 2016 die Fluchtbewegungen nach Europa mit dem Holocaust gleich und bezeichnete beides als Völkermord. Diese bewusste Holocaust-Relativierung und die damit einhergehende Schmälerung der Verbrechen des Nationalsozialismus soll mittelfristig dazu führen, die grausame Zeit des Nationalsozialismus aus der deutschen Erinnerungskultur zu tilgen. Ähnlich wie Björn Höcke fordern sie dazu auf, einen Schlussstrich unter die Vergangenheitsbewältigung zu ziehen und die Verbrechen Hitlerdeutschlands zu vergessen. Weiterhin propagiert die Identitäre Bewegung einen militanten populistischen Kampf gegen „Eliten“, „Globalisten“, „Kulturmarxismus“ und den von „oben“ gesteuerten „großen Austausch“ der Bevölkerung. Die klar antisemitischen Begriffe „Umvolkung“ bzw. „Volkstod“ sind dabei die as neonazistischen Kreisen bekannten Synonyme. Dabei benutzen die IB-Kader wohl wissend klassische Schlagwörter des strukturellen Antisemitismus, der von einer jüdischen Eliten-Verschwörung ausgeht. Die Identitären können damit dem geneigten Leser ihre chiffrierte antisemitische Hetze unterjubeln, ohne sich dabei des direkten Antisemitismus zu bedienen.

Xurious ist für Identitäre die Synthwave-Kultband, steht der Alt-Right Bewegung nahe und nutzt Nazi-Symbolik und antisemitische Anspielungen


Quellen und Verweise

http://www.bpb.de/politik/extremismus/antisemitismus/37962/sekundaerer-antisemitimus?p=all

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/22274

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/26357

https://www.nzz.ch/identitaere-der-groesste-feind-der-identitaeren-ist-die-offene-gesellschaft-ld.1294866

http://www.fr.de/politik/rechtsextremismus/mythen-der-rechten/identitaere-bewegung-die-legende-vom-volkstod-a-302060

https://www.bnr.de/artikel/hintergrund/gemeinsam-mit-identit-ren-antisemiten-und-rockern