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Eine Chronik der Aktivitäten der Identitären Bewegung in Bochum

Stand: Februar 2018

Seit 2013 ist eine Ortsgruppe der Identitären Bewegung (IB) mit wechselndem Intensität in Bochum (IB BO) aktiv. Mit dem aktuellen Rechtsruck scheinen sich die jungen Neurechten wieder sicherer und selbstbewusster zu fühlen, sodass ab 2017 eine Zunahme von Aktivitäten zu beobachten war.

2013

Die ersten öffentlichen Aktionen der Identitären Bewegung (IB) in Bochum bestanden aus dem Verteilen von Flugblättern:

11. April 2013: Die „Identitäre Bewegung Bochum“ verteilt im Kontext der Proteste gegen die Schließung des Opelwerks beim Wechsel zur Frühschicht Flyer auf dem Parkplatz von Opel Werk I in dem für die „Verteidigung und Förderung von Kultur, Nation und Identität.“ geworben wird.

21. April 2013: Nach eigenen Angaben verteilt die Gruppe „Flugblätter an Studierendenwohnungen nahe dem Campus der Ruhr-Universität Bochum“. Das AKAFÖ dementiert diese Aussage. Anwohner berichten allerdings von Flyern in der Girondelle (Steinkuhl) sowie in der Alleestraße.

Identitäre versuchen prekäre Lage der Opel-Mitarbeiter 2013 auszunutzen

2. Juli 2013: Die „Identitäre Bewegung Bochum“ verteilt erneut Flugblätter rund ums Büro der MdB Sevim Dagdelen (DIE LINKE) in der Alleestraße.

20. Juli 2013: Mehrere „Identitäre“ verteilen Flugblätter an Passant_innen und kleben Sticker in der Kortumstraße und am Husmannplatz. Die „Aktion“ wird in selbstdarstellerischer Art mit einem Film auf Youtube präsentiert.

Im Oktober desselben Jahres gab es eine Veranstaltung im „Sozialen Zentrum“ zum Thema „Identitäre Bewegung“. Bei dieser tauchten vier junge Männer dieser Gruppe auf, wurden allerdings, nachdem sie sich zu erkennen gegeben hatten, der Räumlichkeit verwiesen.

2014

Keine Aktivitäten bekannt.

2015

Am 31. Mai 2015 traf sich der westfälische Verband der „Identitären Bewegung“ (IB) in den Räumlichkeiten des VDSt Breslau-Bochum (Verein Deutscher Studenten) am Nordring. Die Studentenverbindung stellte ihren Veranstaltungsraum für den „Identitären Stammtisch“ der IB zur Verfügung. Bei diesem Treffen waren auch Kader, wie Melanie Schmitz von der besonders radikalen Ortsgruppe „Kontrakultur Halle“ anwesend, gegen die zahlreiche Ermittlungsverfahren laufen. Weiterhin waren Gäste aus Thüringen anwesend, die wahrscheinlich der Regionalgruppe Harz zugehörig waren. Nach dem Stammtisch hingen die Identitären Transparente an Brücken auf, klebten Plakate und „patrouillierten“im Stile einer Bürgerwehr durch die Bochumer Innenstadt. Bereits dieses Treffen zeigte, wie gut vernetzt die Bochumer Identitären mit Burschenschaften und identitären Strukturen auch überregional waren und bis heute sind.

Der „Verein Deutscher Studenten“ (VDSt) Breslau-Bochum ist wiederholt durch seine Nähe zur Ideologie der Neuen Rechten aufgefallen

2016

Die Ortsgruppe der IB in Bochum trat Ende 2016 das erste Mal seit 2013 wieder öffentlich in Erscheinung, als sie auf dem Weihnachtsmarkt Flugblätter verteilten. Es folgten weitere kleinere Aktionen in den Stadtteilen Linden, Dahlhausen, Weitmar und Ehrenfeld sowie an einzelnen Schulen und der Ruhr-Universität. Dabei wurden Transparente aufgehangen, Flyer verteilt und Sachbeschädigungen in Form von Graffiti und Aufklebern begangen.

Bochumer und Identitäre auch Nachbarschstädten auf dem Weihnachtsmarkt

2017

Die Identitären in Bochum führten zahlreiche Aktionen in und um Bochum herum durch und versuchten sich zunehmend im Straßenbild sichtbar zu machen. Verglichen mit den Vorjahren kann man von einer Steigerung der Aktivitäten sprechen.

Im Januar verteilte die IB Flyer an der Ruhr-Universität. Gleichzeitig gab es Graffiti-Schmierereien auf dem Campus.

Identitäre beim Versuch an der RUB zu agitieren

Im April suchten Identitäre eine Semesterstart-Party einer linken Hochschulgruppe auf und entwendeten dort eine Banner, welches sie später im Internet provokativ präsentierten.

Im März fanden in kurzer Zeit mehrere kleine Aktivitäten der Bochumer Identitären statt. So wurde ein Transparent an einer Brücke über der Universitätsstraße aufgehangen, ein Schild vor dem Alsengarten – einem nachbarschaftlichen Gemeinschaftsgarten – aufgestellt, ein Plakat vor das DGB-Gewerkschaftshaus in der Alleestraße gehängt und zahlreiche Aufkleber an das Ver.di-Haus an der Universitätsstraße geklebt. Auf Facebook wurden diese Provokationen dann reißerisch unter dem Titel „Aktivismus in Bochum“ verbreitet. Im Frühsommer wurden mehrfach die Parteibüros der Linken und der Grünen von Identitären heimgesucht und mit Aufklebern verunstaltet. Die Parteien erstatteten daraufhin Anzeige wegen Sachbeschädigung. Insgesamt zielten die Sachbeschädigungen dabei aus Sicht der Identitären auf „feindliche“, also eher linke Objekte ab.

Provokation in alternativer Nachbarschaft (Alsengarten)

Wirkungsvolle „Aktionswanderung“ zur Ruhr

Im April veranstaltete die IB Ortsgruppe Bochum einen Wandertag „durch die grünen Landschaften des Ruhrgebiets“. Dabei wurden Fotos von einem Transparent gemacht, das man an verschiedenen Stellen aufgehängt hatte. Diese plakativen Aktionen wurden gleichsam auf Facebook in Szene gesetzt.

Im August suchte eine Gruppe Identitärer eine Auseinandersetzung nach einem Club-Besuch, bei dem eine Person aus der Gruppe verletzt wurde. Zunächst beanspruchte sowohl die Jugendorganisation der AfD, die Junge Alternative (JA) in NRW als auch die IB den Verletzten als ihr Mitglied. Nachdem die Presse darüber berichtet hatte, erinnerte sich die IB an den Unvereinbarkeitsbeschluss der AfD und verkündete, dass die Person doch nur aus Gründen rein privater Freundschaft mit ihnen unterwegs gewesen wäre.

Hand in Hand: Neonazis aus Dortmund helfen Bochumer Identitären bei einer selbsterstellten Fahhndung

Im Oktober wurde die Burg Blankenstein im Rahmen einer „Aktionswanderung“ bestiegen.

Kreon S., Marco Müller und Alexander L. beim Testflug der Drohne auf der Burg Blankenstein

Ebenfalls im Oktober informierten Nachbarn des IB-Ortsgruppenleiters Marco Müller mit einem Flugblatt Anwohne über dessen Aktivitäten in der extrem rechten Organisation informiert.

Im Kontext von Spendenaufrufen von Marco Müller erklärte die Identitäre Bewegung auf ihrer Facebook-Seite:

Die Ortsgruppe Bochum beim Klettertraining

Die Stadt Bochum ist offensichtlich eine linksextreme Wohlfühlzone. Doch wir holen uns alles zurück. Die Zeit der linken Diskurshoheit ist vorbei! Diese ideologische Selbstgefälligkeit und den praktizierten Terror gegen Andersdenkende werden wir und viele andere Patrioten nicht länger hinnehmen. Die Zukunft ist identitär.“

Im November wurde von der IB Bochum im Stadtpark ein „Mahnmal für die Opfer des islamischen Patriachats“ errichtet.

Der bekennende Ethnopluralist und Ortsgruppenleiter von Bochum Marco Müller feierte Silvester mit Gästen aus identitären und völkischen Kreisen in Bochum, was noch einmal unterstreicht, dass Marco Müller und die Ortsgruppe Bochum eine zentrale Rolle in der NRW-Struktur der Neurechten Gruppierung einnimmt.

Graffiti rund um Marco Müllers Wohnung in Weitmar

2018

Im Januar führten die Identitären verschiedene, kleinere Aktivitäten auf dem Campus der Ruhr-Universität (1, 2, 3, 4) durch. Sie verteilten Flugblätter in verschiedenen Hörsälen und verklebten hunderte Aufkleber (u.a. „Unser Land – Unsere Werte“ und dem Lambda-Zeichen der Identitären). An den gleichen Orten fanden sich auch zahlreiche Aufkleber der Jungen Alternative, der Jugendorganisation der AfD, mit den Worten „Nafri Go Home“. Zudem wurde der Twitter-Account „Identitäre Bewegung (RUB)“ eröffnet. Die RUB ging gegen diesen Account vor und meldete ihn wegen der Nutzung ihres Namens beim Anbieter. Infolgedessen ließ Twitter den Account sperren. Zudem war dieser Facebook-Account scheinbar nicht mit der IB-Führung abgesprochen, da IB-Vorstand und ehemaliges NPD-Mitglied Daniel Fiß sich davon distanzierte. In gewohnter Selbstüberschätzung nahmen die Identitären ihre Sticker zum Anlass zu erklären, dass die RUB nun „identitär“ werden würde. Als Reaktion darauf fanden Diskussionen und Veranstaltungen an der RUB zum Umgang mit den jungen extremen Rechten statt.

Führungskader Alexander L., Reinhild B., David M. und Marco Müller (am Banner) mit rechtem Nachwuchs auf dem Schloss Burg

Im Januar und im Februar fanden Stammtische der Identitären in Bochum statt. Beim Stammtisch am 17. Februar 2018 wurden verschiedene Aufkleber mit rassistischen und gewaltverherrlichenden Motiven ausgelegt und die Mitglieder der Ortsgruppe angehalten diese zu verkleben. Außerdem stellte Marco Müller seine Spraydosen (schwarz, rot gelb, wie die von ihm besprühten Stromkästen in seiner Nähe) sowie eine Lambda-Schablone zur Verfügung, um seine Mitstreiter dazu anzuhalten entsprechende Sachbeschädigungen zu begehen. Dies wurde im direkten Anschluss an den Stammtisch in Bochum Hamme von Identitären der Ortsgruppe Bochum umgesetzt, indem sie Stromkästen und Straßen besprühten.

Für den selbständig erstellten RUB Instagram-Account gabs von der IB-Führung Ärger. Mittlerweile ist er vom Netz.

In der Nacht auf den 31. März besprühten bewaffnete Identitäre zahlreiche Stromverteilerkästen, Müll- und Altkleidercontainer mit schwarzer und gelber Farbe (Lambda-Logo) und beklebten mehrere Straßenlaternen mit Aufklebern. Dabei wurden sie von der Polizei gestellt. Die drei Bochumer (26, 28, 32) und ein Dortmunder (16) wurden vorläufig festgenommen und für weitere polizeiliche Maßnahmen zur Wache gebracht. Bei der weiteren Durchsuchung wurden die Sprayutensilien, Aufkleber sowie Bewaffnung in Form eines Schlagrings und eines Teleskopschlagstocks festgestellt. Das Mitführen derartiger Waffen fällt nicht nur in den strafrechtlich relevanten Bereich des illegalen Waffenbesitzes, sondern stellt auch eine neue Eskalationsstufe in Bochum dar. Das eigene Bild der „friedlichen Patrioten“ aus Bochum ist damit endgültig hinfällig. Glücklicherweise trafen die Identitären in dieser Nacht auf keine politisch missliebigen Personen oder Personen mit Migrationshintergrund. Die Spur der nächtlichen Vandalen beginnt und endet in unmittelbarer Nähe der Wohnung des Bochumer IB-Ortsgruppenführers Marco Müller. Marco Müller ist 28 Jahre alt.